Fleischkonsum: 27 Prozent der Fleischesser wollen künftig weniger essen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verbraucher in Deutschland hinterfragen ihren Fleischkonsum zunehmend, wählen dabei jedoch überwiegend den Weg der schrittweisen Reduktion statt des vollständigen Verzichts.
Anlässlich des bevorstehenden Weltvegetariertags am 1. Oktober 2026 zeichnen Untersuchungen von YouGov und dem SINUS-Institut das Bild eines Marktes im Wandel. Im Mittelpunkt steht dabei keine rein vegetarische oder vegane Welle, sondern ein Wandel hin zu flexibleren Ernährungsgewohnheiten.
Flexitarier statt vollständiger Verzicht
Die erhobenen Daten sprechen laut der YouGov-Expertin Petra Süptitz weniger für einen breiten Trend zu reinem Vegetarismus oder Veganismus, sondern vielmehr für die stetig wachsende Bedeutung flexitarischer Ernährungsweisen.
Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung zeigt eine deutliche Bereitschaft zur Verhaltensanpassung: 27 Prozent der Fleischesser beabsichtigen, ihren Konsum in nächster Zeit zu verringern, während lediglich 2 Prozent eine Steigerung anstreben.
Insgesamt stimmen 43 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ihnen weniger Fleisch, Wurst oder Fisch guttun würde. Unter denjenigen, die diesen Schritt befürworten, erwägen allerdings lediglich 22 Prozent eine komplett vegetarische und nur 14 Prozent eine komplett vegane Lebensweise.
Die Befragung basiert auf einer Erhebung unter rund 2000 Mitgliedern des YouGov-Panels, die gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren ist.
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Für diesen Ernährungswandel gibt es auch ökologische Gründe: Nach Angaben des Thünen-Agrarforschungsinstituts entstehen rund 10 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland durch die Tierhaltung, einschließlich Verdauungsprozessen, Fütterung und Flächennutzung.
Verschiebungen im Einkaufsverhalten
In der tatsächlichen Einkaufspraxis zeigt sich diese Entwicklung bisher in nuancierten Veränderungen. Von Januar bis Juli 2026 kauften 93 Prozent der Haushalte Fleisch oder Geflügel. Das entspricht bei der Käuferreichweite einem Rückgang um 2 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2022, während die eingekaufte Menge gleichzeitig um 3 Prozent zulegte.
Innerhalb der Fleischkategorien verzeichnet Geflügel die stärkste Nachfrage: Hähnchenfleisch kommt auf 35 Prozent des gesamten Fleischabsatzes und liegt damit vor Schweinefleisch mit 32 Prozent. Ein spürbarer Rückgang ist derweil bei Wurstwaren zu beobachten, bei denen sowohl die Käuferreichweite als auch die Absatzmenge nachgelassen haben.
Fleischersatzprodukte im Aufwind, aber mit Vorbehalten
Alternativprodukte gewinnen parallel dazu an Relevanz. Im Jahr 2026 griffen knapp 35 Prozent der Haushalte mindestens einmal zu Fleischersatzprodukten – ein Höchststand seit 2022. Auch die Umsätze entwickelten sich positiv: Bei fleischanalogen Produkten legte der Erlös um 6 Prozent zu, während sonstige Fleischersatzprodukte wie Tofu oder Falafel sogar ein Umsatzplus von 38 Prozent erzielten.
Viele Ersatzprodukte sind teuer und stark verarbeitet — 61 Prozent der Befragten nennen den Preis als Hürde, 64 Prozent stören sich an Zusatzstoffen. Wer trotzdem weniger Fleisch essen will, findet günstige Eiweißquellen auch ohne Fertigprodukte. Dieser Einkaufsguide zeigt, wie Sie mit einfachen Lebensmitteln planen. Einkaufsguide für günstige Proteinquellen sichern
Erfahrungen mit den Alternativen sind in der Breite vorhanden, denn 58 Prozent der Befragten haben entsprechende Ersatzprodukte bereits probiert. Dennoch bleiben Hürden für ein noch stärkeres Marktwachstum bestehen. So bewerten 61 Prozent der Befragten die Produkte als zu teuer, und 64 Prozent kritisieren einen zu hohen Anteil an Zusatzstoffen.
