FolsÀure: Synthetische Form wird zu 85 Prozent aufgenommen, Folat nur zu 50
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deExperten betonen die Bedeutung der BioverfĂŒgbarkeit bei der FolsĂ€ureversorgung und warnen zugleich vor einer unkritischen, eigenmĂ€chtigen Einnahme von MikronĂ€hrstoffen zur Behandlung unspezifischer Symptome. In Deutschland gelten NahrungsergĂ€nzungsmittel rechtlich als Lebensmittel und durchlaufen keine behördliche Arzneimittelzulassung.
VerbraucherschĂŒtzer weisen darauf hin, dass Vitamin- und MineralstoffprĂ€parate fĂŒr gesunde Menschen mit einer ausgewogenen ErnĂ€hrung in den meisten FĂ€llen unnötig sind. Dennoch existieren spezifische physiologische Konstellationen und Lebensphasen, in denen eine gezielte Zufuhr medizinisch geboten ist.
Synthetische FolsÀure, Folat und der enzymatische Stoffwechsel
Folat bezeichnet die natĂŒrliche Form des B-Vitamins (Vitamin B9), die unter anderem in BlattgemĂŒse, HĂŒlsenfrĂŒchten, ZitrusfrĂŒchten und Vollkornprodukten vorkommt. FolsĂ€ure wiederum ist die synthetische Verbindung, die in NahrungsergĂ€nzungsmitteln sowie bei der Anreicherung von Nahrungsmitteln eingesetzt wird.
Klinische Studien zeigen, dass der Körper rund 85 Prozent der FolsĂ€ure aus Supplementen absorbiert, wĂ€hrend natĂŒrliches Folat aus Lebensmitteln zu etwa 50 Prozent aufgenommen wird. Synthetische FolsĂ€ure weist damit eine etwa 1,7-fache biologische VerfĂŒgbarkeit gegenĂŒber natĂŒrlicher FolsĂ€ure auf.
Damit synthetische FolsĂ€ure biologisch aktiv wird, muss sie im Organismus ĂŒber Enzyme wie die Dihydrofolat-Reduktase (DHFR) und die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) verstoffwechselt werden. Erst das Endprodukt Levomefolat (L-5-Methyltetrahydrofolat bzw. L-5-MTHF) steht direkt fĂŒr fundamentale Prozesse wie die DNA- und RNA-Synthese, die Zellteilung sowie den Methylierungszyklus zur VerfĂŒgung.
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Mindestens ein Drittel aller Menschen trÀgt genetische Varianten, insbesondere im MTHFR-Gen, welche die Umwandlung von herkömmlicher FolsÀure verlangsamen oder beeintrÀchtigen können.
Bei solchen EinschrĂ€nkungen gilt Levomefolat-Calcium als bioverfĂŒgbare Alternative, da dieser Wirkstoff ohne enzymatische Konvertierung direkt verwertet werden kann. Als wesentliche NutznieĂer dieser aktiven Form gelten Personen mit gestörtem Folat-Stoffwechsel, Ă€ltere Menschen sowie Schwangere.
Studien zur Metabolisierung und spezifische Empfehlungen
In einer US-amerikanischen randomisierten kontrollierten Studie (UMFA-Studie) fĂŒhrten prĂ€natale Vitamine auf FolsĂ€urebasis bis zur Schwangerschaftswoche 24 zu höheren Spiegeln unmetabolisierter FolsĂ€ure (UMFA) in maternalen und plazentaren Kompartimenten als PrĂ€parate mit 5-MTHF.
Die Gesamtfolatwerte blieben dabei in beiden Gruppen vergleichbar, wĂ€hrend die 5-MTHF-Gruppe signifikant niedrigere UMFA-Werte verzeichnete. Die klinische Tragweite zirkulierender unmetabolisierter FolsĂ€ure ist bislang noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt.
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FĂŒr die allgemeine Bevölkerung nennt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) einen Referenzwert von 300 Mikrogramm Folat-Ăquivalenten pro Tag fĂŒr Erwachsene. Das Vitamin erfĂŒllt zentrale Aufgaben bei der Blutbildung und der Gewebeentwicklung. Einen erhöhten Bedarf haben Frauen mit Kinderwunsch sowie Schwangere im ersten Trimester.
Leitlinien von Fachgesellschaften wie der USPSTF und der Weltgesundheitsorganisation empfehlen in diesem Zeitraum eine tÀgliche Gabe von 400 bis 800 Mikrogramm FolsÀure. Eine adÀquate Zufuhr vor und zu Beginn der Schwangerschaft kann das Auftreten von Neuralrohrdefekten (NTD) Untersuchungen zufolge um 50 bis 70 Prozent senken.
Dosierungsgrenzen und Risiken
Trotz der prÀventiven Bedeutung mahnen Mediziner zur Vorsicht bei hohen Einnahmemengen. Als langfristige Sicherheitsgrenze gilt eine Zufuhr von bis zu 1.000 Mikrogramm FolsÀure pro Tag. Höhere Dosierungen bergen das Risiko, die neurologischen Folgen eines unentdeckten Vitamin-B12-Mangels zu maskieren.
Höhere Tagesdosen von bis zu 4.000 Mikrogramm bleiben streng definierten medizinischen Indikationen vorbehalten, etwa nach vorangegangenen Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten oder unter Medikation mit bestimmten Antiepileptika, und erfordern eine Àrztliche Begleitung.
