FolsÀuremangel, Deutschen

FolsĂ€uremangel: 80–90 % der Deutschen unterversorgt

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Experten raten zur gezielten Supplementierung nur bei nachgewiesenem Mangel. Öko-Test kritisiert Überdosierungen und bedenkliche Inhaltsstoffe in MagnesiumprĂ€paraten.

NahrungsergÀnzungsmittel: Wann sie nötig sind und worauf man achten sollte
Ein medizinischer Labortisch mit einer Blutprobe, einer Feinwaage und verschiedenen Kapseln mit NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Fachwelt wird die flĂ€chendeckende Einnahme von NahrungsergĂ€nzungsmitteln zunehmend differenziert betrachtet. Dr. Tran Thi Minh Nguyet vom Nationalen Institut fĂŒr ErnĂ€hrung erlĂ€uterte in einer aktuellen Stellungnahme, dass eine abwechslungsreiche und ausgewogene ErnĂ€hrung in der Regel den gesamten MikronĂ€hrstoffbedarf gesunder Menschen abdeckt. Eine Supplementierung sei demnach primĂ€r fĂŒr spezifische Risikogruppen wie Schwangere, Kleinkinder, Veganer, Senioren, chronisch Kranke oder Leistungssportler angezeigt. Um eine tatsĂ€chliche Unterversorgung festzustellen, werde vorab die DurchfĂŒhrung eines Bluttests empfohlen.

Risikogruppen und die Bedeutung diagnostischer Tests

Die Notwendigkeit einer Supplementierung wird oft durch individuelle LebensumstĂ€nde bestimmt. WĂ€hrend die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) fĂŒr die Allgemeinbevölkerung etwa eine tĂ€gliche Magnesiumzufuhr von 350 mg fĂŒr MĂ€nner und 300 mg fĂŒr Frauen empfiehlt, zeigen Daten des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (BfR), dass insbesondere bei der FolsĂ€ure-Versorgung Defizite bestehen. Etwa 80 bis 90 % der deutschen Bevölkerung weisen hier eine unzureichende Versorgung auf.

Gleichzeitig warnen Fachinstitutionen vor einer unkontrollierten Einnahme. Das BfR empfiehlt beispielsweise, ohne Ă€rztliche Indikation eine Menge von maximal 800 IE Vitamin D tĂ€glich nicht zu ĂŒberschreiten. Auch bei Vitamin B12 variieren die Aufnahmemengen stark: WĂ€hrend die DGE 4 ”g pro Tag empfiehlt, sieht das BfR die Höchstmenge in Supplementen bei 25 ”g. Untersuchungen zeigen zudem, dass die BioverfĂŒgbarkeit von Vitamin B12 mit steigender Dosis sinkt; wĂ€hrend bei 1 ”g etwa 50 % aufgenommen werden, sind es bei einer Dosis von 25 ”g nur noch etwa 5 %.

QualitĂ€tsprĂŒfung und Dosierung am Beispiel Magnesium

Ein aktueller Vergleich von 28 MagnesiumprĂ€paraten verdeutlicht die qualitativen Unterschiede am Markt. In einer Untersuchung von Öko-Test konnte kein einziges Produkt als Testsieger hervorgehen. Kritisiert wurde insbesondere, dass jedes zweite untersuchte PrĂ€parat ĂŒberdosiert war. WĂ€hrend das BfR eine tĂ€gliche Höchstmenge von 250 mg aus NahrungsergĂ€nzungsmitteln empfiehlt, enthielten einzelne Produkte bis zu 400 mg.

Neben der Dosierung standen Inhaltsstoffe in der Kritik. In vier Produkten wurde Talkum nachgewiesen, das als potenziell krebserregend gilt. Zudem enthielten acht Produkte synthetische SĂŒĂŸstoffe. Zu den am besten bewerteten PrĂ€paraten zĂ€hlten unter anderem ESN Magnesium Bisglycinate, Raab Vitalfood und Abtei, wĂ€hrend Produkte von Rossmann, Aldi und Rewe im Test schlechter abschnitten.

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Aktuelle Forschungsergebnisse zu Vitamin D und PrÀvention

In der klinischen Forschung wird insbesondere das Potenzial von Vitamin D intensiv untersucht. Eine chinesische Studie, die im Juli 2026 im Journal of Endocrinological Investigation veröffentlicht wurde, untersuchte 505 Erwachsene mit Übergewicht und einer stoffwechselassoziierten fettleberbedingten Erkrankung (MASLD). Die Ergebnisse legen nahe, dass höhere Vitamin-D-Spiegel mit verbesserten Leberparametern assoziiert sind. Eine wöchentliche Supplementierung von 14.000 IE Vitamin D3 in Kombination mit einer LebensstilĂ€nderung konnte die Leberverfettung signifikant reduzieren.

DarĂŒber hinaus deuten Analysen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) darauf hin, dass eine Vitamin-D-Einnahme ab einem Alter von 50 Jahren die Krebssterblichkeit um 12 % senken könnte. Die EPIC-Studie assoziierte zudem die Aufnahme von Kalzium, Vitamin D, Magnesium und weiteren MikronĂ€hrstoffen mit einem geringeren Risiko fĂŒr Darmkrebs. DemgegenĂŒber steht die Warnung der Deutschen Krebsgesellschaft, dass eine Überdosierung von Antioxidantien wie Vitamin A, C und E die TumorgefĂ€ĂŸbildung fördern könne.

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Regulatorische Warnungen und Monitoring

Das BfR warnt explizit vor sogenannten Drip-Spa-Infusionen. Diese seien nicht als Arzneimittel zugelassen und ihr Nutzen fĂŒr Gesunde sei wissenschaftlich nicht belegt. Es bestĂŒnden erhebliche Risiken wie Überdosierungen, Herzrhythmusstörungen oder Nierensteine. Medizinisch sinnvoll seien solche Interventionen nur bei einem labordiagnostisch nachgewiesenen Mangel.

Um die NĂ€hrstoffversorgung der Bevölkerung genauer zu erfassen, fĂŒhrt das Max Rubner-Institut im August 2026 an Standorten wie Landau ein nationales ErnĂ€hrungsmonitoring durch. Die Untersuchung von ĂŒber 3.000 Personen zwischen 18 und 80 Jahren soll detaillierte Erkenntnisse ĂŒber den Lebensmittelverzehr und den tatsĂ€chlichen Versorgungsstatus liefern. ErgĂ€nzend dazu erlaubt die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) fĂŒr bestimmte Vitamine wie B2, B3, B5, B9, B12 und C weiterhin die gesundheitsbezogene Aussage, dass diese zur Verringerung von MĂŒdigkeit und ErmĂŒdung beitragen können.

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