Forschungsdaten, Fraunhofer

Forschungsdaten und KI: Fraunhofer schützt Wissen mit FhGenie und vier Datenklassen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fraunhofer nutzt geschützte Chatbot-Datenklassen, während Helmholtz auf lokal betriebene KI-Modelle setzt.
Ein ruhiger, moderner Archivraum in einer Forschungseinrichtung mit leeren Holztischen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Deutsche Forschungsorganisationen warnen vor der Gefahr, dass unveröffentlichte wissenschaftliche Erkenntnisse ungewollt in die Trainingsdaten kommerzieller Systeme für künstliche Intelligenz abfließen. Wie das Wissenschaftsportal spektrum.de in einem Bericht vom 06.11.2026 darlegte, suchen die großen Forschungsinstitutionen des Landes verstärkt nach sicheren Alternativen, um sensibles Fachwissen vor unkontrollierter Weitergabe zu schützen.

Vorfälle um Enzymforschung und Mathematik schüren Misstrauen

Den Anlass für die aktuellen Warnungen bilden internationale Kontroversen über die Herkunft von Modellergebnissen. Ende September 2026 meldete das KI-Unternehmen Anthropic die Entdeckung einer neuen Enzymklasse namens ART mithilfe eigener Systeme. Rund zwei Wochen zuvor hatte der Konkurrent OpenAI einen Lösungsansatz für die mathematischen Navier-Stokes-Gleichungen öffentlich gemacht.

Beide Veröffentlichungen stießen in der Wissenschaftsgemeinschaft auf Widerspruch. Der Bioinformatiker Mario Rodríguez Mestre von der Universität Kopenhagen hatte im Vorfeld eigene, noch unpublizierte Forschungsarbeiten zu den ART-Enzymen in den Chatbot Claude hochgeladen.

Anzeige

Die rasante Entwicklung von KI-Technologien wirft für Organisationen komplexe rechtliche Fragen zu Fristen, Pflichten und Risikoklassen auf. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den notwendigen Überblick über die aktuelle EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

In der Folge stand der Verdacht im Raum, dass dieses Material in künftige Trainingsdaten eingeflossen sein könnte. Im Fall der Navier-Stokes-Gleichungen hatte der Mathematiker Tristan Buckmaster von der New York University das KI-Werkzeug Codex genutzt.

Die beteiligten Technologieunternehmen wiesen die Vorwürfe zurück, doch die Diskussionen über die tatsächliche Datenherkunft gelten weiterhin als ungelöst.

Zwar verwies OpenAI bei der Lösung der Gleichungen auf einen eigenständigen KI-Ansatz, schloss jedoch zugleich nicht aus, dass de-identifizierte Nutzerdaten zur Verbesserung von Modellen beigetragen haben könnten. Anthropic bestritt seinerseits, unveröffentlichte Forschungsdaten für das Modelltraining herangezogen zu haben.

Eigene Systeme und lokale Infrastrukturen im deutschen Forschungsbetrieb

In Deutschland sind bei den großen Einrichtungen bislang keine Verdachtsfälle eines unzulässigen Datenabflusses aktenkundig. Weder bei Helmholtz noch bei Leibniz, Fraunhofer oder Max-Planck wurden derartige Vorfälle registriert. Dennoch reagieren die Organisationen präventiv, um den Schutz geistigen Eigentums sicherzustellen.

Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet ihren 15.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern mit dem Chatbot FhGenie eine eigene Plattform an, die auf vier abgestufte Daten-Schutzklassen setzt, um vertrauliche Projektinhalte abzusichern.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz neuer Technologien befasst, muss heute auch die damit verbundenen rechtlichen Pflichten und Bedrohungen genau kennen. Dieser kostenlose Report klärt darüber auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt tun müssen. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung anfordern

Die Helmholtz-Gemeinschaft verfolgt bei ihren 48.000 Mitarbeitern einen infrastrukturellen Ansatz: Die Organisation setzt vor allem auf lokal betriebene KI-Modelle, um die Verarbeitung sensibler Daten auf eigenen Servern zu halten und den Abfluss an externe Anbieter auszuschließen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70468690 |