FortiBleed, Firewalls

FortiBleed: 86.644 Firewalls in 194 LĂ€ndern kompromittiert

22.06.2026 - 03:49:29 | boerse-global.de

Eine Serie koordinierter Angriffe legt Firewalls lahm, kapert Notfallwarnungen und gefĂ€hrdet Patientendaten. Unternehmen patchen kritische LĂŒcken.

Globale Cyberattacken: Firewalls, Warnsysteme und Lieferketten betroffen
FortiBleed - A shadowy figure in a hoodie typing on multiple computer screens, surrounded by glowing lines of code and digital security symbols. 22.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Von kompromittierten Firewalls ĂŒber gekaperte Notfallwarnsysteme bis hin zu Lieferketten-Attacken – die Bedrohungslage hat eine neue Dimension erreicht.

Anzeige

IT-Sicherheit stĂ€rken ohne teure Investitionen: So schĂŒtzen clevere Unternehmer ihre Firma vor Cyberangriffen. Ein gratis E-Book enthĂŒllt, wie Sie SicherheitslĂŒcken schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen erfĂŒllen. Gratis-E-Book fĂŒr Unternehmen jetzt sichern

Massiver Datenleck legt Zehntausende Firewalls offen

Ein als FortiBleed bekannter Vorfall hat die Zugangsdaten von rund 86.644 Fortinet-Firewalls und VPN-GerÀten in 194 LÀndern offengelegt. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA bestÀtigte am 18. Juni 2026, dass Angreifer diese Daten aktiv ausnutzen. Ein russischsprachiges Syndikat setzte einen Cluster mit 45 Grafikprozessoren ein, um SHA-256-Hashwerte zu knacken.

Die Sicherheitsforscher Bob Diachenko und Kevin Beaumont dokumentierten ĂŒber 1,16 Milliarden Anmeldeversuche auf 320.777 FortiGate-GerĂ€ten. Besonders alarmierend: 63,3 Prozent der kompromittierten ZugĂ€nge nutzten Standard- oder halbstandardisierte Einstellungen. Zu den betroffenen Unternehmen zĂ€hlen Samsung, Siemens, Oracle, DHL, Accenture und Foxconn. In einem Fall sollen einem tĂŒrkischen NATO-Zulieferer sogar als geheim eingestufte Dokumente entwendet worden sein.

Der primĂ€re Einfallstor war eine SAML-AuthentifizierungslĂŒcke (CVE-2026-24858) mit einem kritischen Schweregrad von 9,8. Der Gesundheitssektor erwies sich mit 26,7 Prozent der kompromittierten Ziele als besonders verwundbar. CISA rĂ€t dringend, aktive Sitzungen zu beenden, Passwörter zurĂŒckzusetzen und Verwaltungsschnittstellen vom öffentlichen Internet zu trennen.

Gekaperte Notfallwarnungen und gestohlene Patientendaten

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2026 kaperten Unbekannte das brasilianische Notfallwarnsystem. Eine fingierte „Extremwarnung" erreichte rund 30 Millionen Mobiltelefone in sieben Bundesstaaten. Die Nachricht enthielt den Begriff „misantropi4". Die Behörden schalteten das System um 1:30 Uhr ab, die Bundespolizei ermittelt. Die Schwachstelle: Dem Cell-Broadcast-System fehlt eine kryptografische Authentifizierung – Angreifer konnten nach einer ersten Sperre erneut eindringen.

Parallel dazu bestÀtigte Amazon-Tochter One Medical einen Sicherheitsvorfall mit archivierten Patientendaten. Zwischen dem 8. und 11. Juni 2026 erlangten Unbefugte Zugriff auf klinische und demografische Informationen von Iora Health und One Medical Seniors. Die Erpresserbande ShinyHunters droht damit, 8,8 Terabyte an Daten zu veröffentlichen.

Anzeige

Rekord-SchĂ€den durch Phishing: Warum immer mehr Unternehmen jetzt auf Awareness-Kampagnen setzen. Experten erklĂ€ren im kostenlosen Anti-Phishing-Paket, wie Ihr Unternehmen sich wirksam gegen psychologische Manipulationstaktiken schĂŒtzen kann. Kostenloses Anti-Phishing-Paket herunterladen

Lieferketten-Attacke und geopolitische Risiken

Am 20. Juni 2026 machte Microsoft die nordkoreanische Gruppe Sapphire Sleet (alias BlueNoroff) fĂŒr einen Angriff auf die Mastra-AI-Plattform verantwortlich. Die TĂ€ter kompromittierten ein Paketbetreiberkonto und veröffentlichten schadhafte Updates fĂŒr ĂŒber 140 Pakete. Die Malware zielt auf API-SchlĂŒssel und Krypto-Wallets unter Windows, Linux und macOS.

Ein am selben Tag veröffentlichter OECD-Bericht zeichnet ein dĂŒsteres Bild: Cyberangriffe auf Dienstleister in G7-Staaten haben sich zwischen 2021 und 2025 vervierzehnfacht. Treten solche VorfĂ€lle in Phasen finanzieller Anspannung auf, können sich KreditrisikoaufschlĂ€ge um das FĂŒnffache erhöhen. Allein 2024 gingen rund 2,2 Milliarden Euro durch Krypto-DiebstĂ€hle verloren.

Unternehmen reagieren mit Notfall-Updates

CISA hat am 22. Juni 2026 eine Schwachstelle im Cisco Catalyst SD-WAN Manager (CVE-2026-20262) in den Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Cisco entdeckte das Problem intern, beobachtete aber bereits aktive Angriffe. Bundesbehörden mĂŒssen bis zum 29. Juni patchen.

Weitere kritische Updates:
- Atlassian veröffentlichte am 21. Juni Patches fĂŒr 100 Schwachstellen in Bitbucket, Confluence und Jira – darunter kritische LĂŒcken mit Schweregrad 10.
- Apache HTTP Server empfiehlt Version 2.4.68 wegen kritischer SSRF-Schwachstellen.
- Splunk: CISA setzte eine Frist bis zum 21. Juni fĂŒr die Behebung einer Code-AusfĂŒhrungslĂŒcke.
- libssh2: Zwei Schwachstellen in allen Versionen bis 1.11.1 ermöglichen Code-AusfĂŒhrung.

Bereits seit Jahresanfang warnen deutsche Behörden vor Phishing-Kampagnen gegen Signal-Nutzer. Signal-PrĂ€sidentin Meredith Whittaker warnt zudem vor KI-integrierten Betriebssystemen, die die Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung umgehen könnten – indem sie Inhalte vor der VerschlĂŒsselung oder nach der EntschlĂŒsselung auslesen.

de | wissenschaft | 69599859 |