FortiBleed-Kampagne, Firewalls

FortiBleed-Kampagne: 75.000 Firewalls in 194 LĂ€ndern unter Beschuss

18.06.2026 - 23:27:30 | boerse-global.de

Die Stadt Oranienburg schaltet aus Vorsorge ihr Netz ab. Hintergrund ist die weltweite FortiBleed-Kampagne gegen tausende Firewalls.

Oranienburg legt Verwaltungsnetz nach globaler Firewall-Attacke lahm
FortiBleed-Kampagne - Digital red lines representing a cyberattack on a city's network, with a blurred cityscape in the background. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Grund ist eine massive weltweite Cyberattacke auf eine bestimmte Firewall-Technologie. Seit 18:00 Uhr sind die stĂ€dtischen Systeme offline – voraussichtlich mindestens bis Freitag.

PrÀventive Abschaltung in Brandenburg

Die Entscheidung fiel, nachdem bekannt wurde, dass rund 75.000 Firewalls des in Oranienburg verwendeten Typs Ziel eines globalen Angriffs geworden sind. Zwar wurde das interne Netz der Stadt nach eigenen Angaben nicht direkt kompromittiert, doch die Verwaltung wollte kein Risiko eingehen. „Wir handeln aus Vorsorge, nicht aus Panik", dĂŒrfte die Devise gelautet haben.

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Die Folgen fĂŒr die BĂŒrger sind spĂŒrbar: Die Stadtverwaltung ist derzeit nur telefonisch erreichbar, die Öffnungszeiten des BĂŒrgeramts wurden gestrichen. IT-Experten arbeiten unter Hochdruck daran, die Systeme bis zum 19. Juni wieder hochzufahren.

Die globale „FortiBleed"-Kampagne

Der Vorfall in Brandenburg ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinter der Attacke steckt die sogenannte FortiBleed-Kampagne – eine koordinierte Aktion einer russischsprachigen Gruppe von Zugangsvermittlern. Die Angreifer haben es auf rund 74.000 bis 75.000 Fortinet-GerĂ€te in 194 LĂ€ndern abgesehen. Sicherheitsforscher registrierten etwa 1,16 Milliarden Anmeldeversuche auf 320.000 GerĂ€te.

Die TĂ€ter setzten dabei Hochleistungs-Hardware-Cluster ein, um Passwort-Hashes zu knacken und sich Zugang zu sensiblen Netzwerken zu verschaffen. Fortinet selbst verweist darauf, dass ein Teil der Daten aus frĂŒheren VorfĂ€llen oder Brute-Force-Angriffen stammen könnte. Experten warnen jedoch: Die Kampagne stellt ein erhebliches Risiko fĂŒr Unternehmen und Behörden dar.

Zu den betroffenen oder ins Visier genommenen Organisationen zĂ€hlen globale Schwergewichte wie Samsung, Siemens, Oracle und Chevron sowie zahlreiche Regierungsstellen. Allein in Deutschland wurden rund 120 GerĂ€te bei Großkonzernen und Infrastrukturbetreibern attackiert.

Wachsende Gefahr fĂŒr die öffentliche Verwaltung

Der Vorfall in Oranienburg reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung. Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits in seinem jĂŒngsten Lagebericht fĂŒr den Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 eine deutliche Zunahme von Cyber-Spionage gegen deutsche Verwaltungen festgestellt. Deutschland ist demnach das viertmeist attackierte Land weltweit durch sogenannte Advanced Persistent Threat (APT)-Gruppen.

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Auch international schlagen Ă€hnliche FĂ€lle Wellen. Im US-Bundesstaat Virginia meldete Prince George County am 11. Juni einen Cybervorfall, der Telefon-, Internet- und Online-Zahlungssysteme lahmlegte. Und das spanische Ministerium fĂŒr Wissenschaft, Innovation und UniversitĂ€ten musste am 18. Juni Teile seiner IT-Infrastruktur herunterfahren – nach einem Einbruch, bei dem Angreifer eine SicherheitslĂŒcke ausgenutzt hatten.

Neue Schwerpunktstaatsanwaltschaft in OsnabrĂŒck

Die deutsche Justiz reagiert auf die wachsende Bedrohung mit einem BĂŒndelungsansatz. Erst am Donnerstag nahm in OsnabrĂŒck eine neue Zentraleinheit zur BekĂ€mpfung von CyberkriminalitĂ€t ihre Arbeit auf. Die Behörde ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg angesiedelt und beschĂ€ftigt 15 StaatsanwĂ€lte und IT-Spezialisten. Ihr Fokus: digitale Erpressung, Investmentbetrug und DDoS-Attacken. Ein klares Signal, dass der Staat die Angriffe auf seine Infrastruktur nicht lĂ€nger hinnehmen will.

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