UnterrichtsqualitÀt und schulisches Wohlbefinden hochbegabter Jugendlicher: Karg-Stiftung fördert Forschungsprojekt im William Stern Programm an der UniversitÀt Leipzig
07.01.2026 - 06:30:00Gesellschaftliche Krisen und anhaltende Unsicherheiten gehen mit erhöhten psychosozialen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland einher. Bisherige Forschungen der UniversitĂ€t Leipzig, unter anderem im Rahmen des Monitor Bildung und Psychische Gesundheit (BiPsy-Monitor), weisen darauf hin, dass Schule und Unterricht einen unmittelbaren Beitrag zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen leisten können. Psychische Gesundheit und schulisches Wohlbefinden rĂŒcken damit zunehmend als zentrale Voraussetzungen fĂŒr gelingende Bildungsprozesse in den Fokus, auch in der Begabtenförderung. Das William Stern Programm der Karg-Stiftung greift diese Entwicklungen seit mehreren Jahren auf und fördert Forschungsvorhaben, die psychische Gesundheit und Wohlbefinden im Kontext von Bildung in den Blick nehmen.
Auch bei hochbegabten SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern treten Bedingungen auf, die ihr schulisches Wohlbefinden sowie ihre psychische Gesundheit negativ beeinflussen können.
Unter bestimmten Bedingungen, etwa bei Unterforderung, hohem Leistungsdruck oder fehlender sozialer Einbindung, können auch sie psychisch belastet sein. Welche Rolle konkrete Merkmale des Unterrichts dabei spielen, ist bislang nur unzureichend empirisch untersucht. Es fehlt insbesondere an Erkenntnissen dazu, wie hochbegabte Jugendliche Unterrichtssituationen wahrnehmen und wie diese mit ihrem Wohlbefinden und ihrer psychischen Gesundheit zusammenhÀngen.
An dieser ForschungslĂŒcke setzt das nun geförderte Projekt im William Stern Programm an. Im Fokus steht der Zusammenhang von UnterrichtsqualitĂ€t und schulischem Wohlbefinden hochbegabter Jugendlicher. Untersucht werden dabei unterrichtsbezogene Merkmale wie kognitive Aktivierung und konstruktive UnterstĂŒtzung in unterschiedlichen Begabungsförderungssettings.
"Ohne emotionales Wohlbefinden bleibt auch hohe Begabung hinter ihren Möglichkeiten. Emotionale Sicherheit und positive Lernmomente bilden die Grundlage fĂŒr gelingendes Lernen und schaffen den Rahmen, in dem kognitive StĂ€rken sichtbar werden können. Begabungsförderung muss daher immer auch Beziehungs- und Emotionsarbeit mitdenken", sagt Natalia LĂŒneburger, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovierende im Projekt.
Mit dem Projekt MIND stĂ€rkt das William Stern Programm die Verbindung von Begabtenförderung, empirischer Bildungsforschung und schulischer Praxis. Ziel des Programms ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl die Forschung zur Hochbegabung voranbringen als auch konkrete Impulse fĂŒr eine begabungsgerechtes Bildungssystem liefern. Die Ergebnisse des Projekts sollen dazu beitragen, Unterricht so weiterzuentwickeln, dass er fĂŒr das schulische Wohlbefinden und die psychische Gesundheit hochbegabter SchĂŒlerinnen und SchĂŒler förderlich ist.
Weitere Informationen zum Projekt MIND
Hintergrund
Benannt nach dem Psychologen William Stern (1871-1938), dem Erfinder des Intelligenzquotienten, der sich fĂŒr eine individuelle, ganzheitliche Förderung Begabter einsetzte, fördert das Programm Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den frĂŒhen Berufsphasen, die in der und fĂŒr die Praxis der Begabtenförderung forschen wollen.
Kurzinfos
Karg-Stiftung
Die Karg-Stiftung engagiert sich fĂŒr die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher in den Bereichen FrĂŒhe Bildung, Schule und Beratung. Ihr Ziel ist ein Bildungssystem, das auch Kinder und Jugendliche mit hohem kognitivem Potenzial gezielt fördert und fordert. Mit praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Projekten sowie der Bereitstellung von Fachinformationen berĂ€t, qualifiziert und vernetzt sie pĂ€dagogische und psychologische FachkrĂ€fte. Gemeinsam mit Partnern aus Praxis, Wissenschaft und Politik setzt sie sich bundesweit fĂŒr mehr Begabungs- und Bildungsgerechtigkeit ein. GegrĂŒndet wurde die Karg-Stiftung 1989 von Adelheid und Hans-Georg Karg. Heute ist sie eine zentrale Akteurin der Begabtenförderung in Deutschland.
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