Frühe Menopause: Typ-2-Diabetes-Risiko steigt laut Studien um 30 Prozent
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMediziner warnen vor der unkritischen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Präparaten, solange zentrale Gesundheitswerte wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette nicht ärztlich kontrolliert wurden.
In der Praxis greifen viele Menschen zu frei verkäuflichen Präparaten, ohne über den aktuellen Zustand ihres eigenen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselsystems informiert zu sein. Fachleute betonen daher die Notwendigkeit, vor einer Supplementierung die individuellen Risiken abzuklären.
Stoffwechselwerte und das Risiko chronischer Erkrankungen
Der taiwanesische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Hong Erqian weist darauf hin, dass viele Personen zwar genau über ihre eingenommenen Nahrungsergänzungsmittel Bescheid wissen, ihre eigenen Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte jedoch nicht kennen.
Anstatt vorschnell Präparate zu konsumieren, gelte es, die zehn häufigsten Todesursachen sowie die Gefahren der sogenannten „drei Hohen“ – Bluthochdruck, Hyperglykämie und Hyperlipidämie – zu verstehen. Diese Faktoren stehen in direktem Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zerebrovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruckerkrankungen und Nierenschäden.
Zur frühzeitigen Erfassung wurde in Taiwan beispielsweise die Erwachsenen-Vorsorgeuntersuchung für Berechtigte ab 30 Jahren geöffnet, welche Blutdruck, Blutzucker, Blutfette sowie Leber- und Nierenwerte umfasst.
Auch Fachgesellschaften in Deutschland heben die Relevanz gezielter Stoffwechselkontrollen hervor. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt insbesondere Frauen in der Lebensmitte einen entsprechenden Check, der Nüchternglukose beziehungsweise den HbA1c-Wert, Blutdruck, Blutfette, Körpergewicht, Taillenumfang und Leberwerte einschließt.
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Sinkende Östrogenspiegel in der Perimenopause begünstigen Bauchfett, Insulinresistenz und steigende Blutfettwerte. Zwar verursachen die Wechseljahre Typ-2-Diabetes nicht direkt, sie erhöhen jedoch das Risiko.
Laut Prof. Dr. Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG, zeigen internationale Studien bei Frauen mit früher Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes. Zu den weiteren Risikogruppen zählen Frauen mit vorangegangenem Schwangerschaftsdiabetes, familiärer Vorbelastung und Übergewicht.
Unerwünschte Wirkungen und regulatorische Unsicherheiten
Der unbedachte Griff zu frei verkäuflichen Mitteln birgt zudem spezifische gesundheitliche Risiken. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln, denen eine regulierende Wirkung auf Schilddrüsenhormone zugeschrieben wird.
Für diese Produkte fehle ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis, während einzelne Bestandteile unerwünschte Effekte auslösen könnten. So hemmt Silychristin aus Mariendistelextrakt Untersuchungen zufolge den Schilddrüsenhormon-Transporter MCT8 und könnte Symptome verstärken.
Erhöhte Konzentrationen von Cholin sind zudem mit einem niedrigen Schilddrüsenhormonstatus, erhöhtem TSH und Herz-Kreislauf-Risiken assoziert. Eine eigenständige Dosisänderung oder das Absetzen von Medikamenten wie L-Thyroxin sollte keinesfalls erfolgen.
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Auch bei Leber-Detox-Kuren sehen Fachleute Gefahren. Prof. Dr. Münevver Demir von der Berliner Charité verweist darauf, dass für derartige Kuren kein wissenschaftlicher Nutzen belegt sei, im Extremfall jedoch schwere Leberschäden bis hin zur Notwendigkeit einer Transplantation drohen könnten.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2026 identifizierte in den 20 meistverkauften Leber-Detox-Präparaten eines großen US-Onlinehändlers über 60 Einzelsubstanzen, darunter Mariendistel, Löwenzahn, Zink und Artischockenextrakt. Hochdosiertes Kurkuma kann dabei das Blutungsrisiko erhöhen, während hohe Cholindosen möglicherweise depressive Symptome verstärken.
Zusätzlich bestehen bei einigen Substanzen erhebliche Sicherheitslücken. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellte in einem im August 2026 adoptierten und im Oktober 2026 veröffentlichten Gutachten fest, dass die Sicherheit von synthetischem Benfotiamin in Nahrungsergänzungsmitteln für Erwachsene derzeit nicht belegt werden kann. Kritisiert wurden unter anderem Lücken bei Toxizität, Verstoffwechselung und Akkumulation.
Lebensstil und Basisprävention im Vordergrund
Anstelle einer unkritischen Einnahme von Präparaten raten Experten vorrangig zu evidenzbasierten Lebensstilmaßnahmen. Zur Senkung der Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken empfehlen Mediziner eine Reduktion des Salzkonsums, den Verzicht auf Rauchen sowie das Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum.
Die DDG rät zur Prävention von Typ-2-Diabetes zu zwei- bis dreimal wöchentlichem Krafttraining kombiniert mit Ausdauersport, einer ballaststoffreichen Ernährung mit viel Gemüse und pflanzlichen Fetten sowie ausreichend Schlaf und Stressmanagement. Regelmäßige ärztliche Nachkontrollen der Basiswerte bilden das Fundament, um gesundheitliche Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
