Führungskräfte-Burnout: 75% leiden unter extremer Erschöpfung
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten zur globalen und nationalen Arbeitssituation zeichnen ein besorgniserregendes Bild der psychischen Verfassung in Unternehmen. Laut Erhebungen des Analysehauses Gallup ist das weltweite Mitarbeiterengagement auf einen Stand von 20 % gefallen. Damit erreicht die Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Arbeit den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2020, nachdem die Quote im Jahr 2022 noch bei 23 % gelegen hatte.
Führungskräfte unter steigendem Druck
Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den Führungskräften. Der Gallup State of the Global Workplace Report 2026 belegt, dass das Engagement in dieser Gruppe von 31 % im Jahr 2022 auf 22 % im Jahr 2025 gesunken ist.
Der stärkste Rückgang wurde dabei im Zeitraum zwischen 2024 und 2025 mit einem Minus von 5 Prozentpunkten gemessen. Diese Entwicklung korreliert mit einer zunehmenden Arbeitsdichte: Seit dem Jahr 2013 ist die Anzahl der direkt unterstellten Mitarbeitenden pro Führungskraft um 50 % auf durchschnittlich 12,1 Personen gestiegen.
Die Folgen dieser Belastung sind bereits messbar. In Befragungen unter 971 Führungskräften berichteten 75 % der Teilnehmer von extremer Erschöpfung. Analysen der Johns Hopkins University beziffern die daraus resultierenden Kosten durch Burnout auf 20.683 US-Dollar pro Führungskraft und 3.999 US-Dollar pro weiterem Mitarbeitenden.
Ursachen für die mentale Belastung in deutschen Unternehmen
In Deutschland spiegelt sich diese globale Tendenz in der Randstad-ifo-HR-Befragung für das zweite Quartal 2026 wider. Mehr als jedes zweite Unternehmen (51 %) beobachtet eine gestiegene mentale Belastung bei den Beschäftigten. In mittelständischen Betrieben mit 250 bis 499 Mitarbeitenden melden sogar 73 % eine Zunahme der psychischen Beanspruchung.
Als Haupttreiber dieser Entwicklung identifizierten die Personalverantwortlichen die wirtschaftliche Unsicherheit (49 %), gefolgt von Veränderungsprozessen im Unternehmen (45 %) sowie einer hohen Arbeitsmenge (37 %) und Personalengpässen (35 %). Während 38 % der Unternehmen eine gestiegene Arbeitsauslastung verzeichnen, berichten lediglich 3 % von einer abnehmenden Belastung.
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Einstellung zu Leistung und Arbeitszeit
Parallel zur Belastung verändert sich die Einstellung zur Erwerbsarbeit. Eine im Juni und Juli 2026 durchgeführte Statista+ Umfrage unter 1.000 Erwerbstätigen ergab, dass 39 % der Befragten in Deutschland nicht mehr daran glauben, dass sich Leistung auszahlt. Nur noch 19 % stimmten dieser Aussage uneingeschränkt zu.
Die mangelnde Motivation für Mehrarbeit begründeten 41 % mit fehlender finanzieller Vergütung und 34 % mit mangelnder Anerkennung. Zudem gab fast ein Viertel der Befragten (23 %) an, die persönliche Belastungsgrenze bereits erreicht zu haben.
Vor diesem Hintergrund können sich 66 % der Erwerbstätigen eine Verkürzung der Arbeitszeit vorstellen, bei der jüngeren Generation (Gen Z) liegt dieser Wert sogar bei 74 %. In der Priorisierung rangiert die Work-Life-Balance laut Randstad-Daten mit 83 % inzwischen vor dem Gehalt (82 %).
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Herausforderungen für das Gesundheitssystem
Die Auswirkungen dieser Entwicklungen belasten zunehmend das soziale Sicherungssystem. Psychische Erkrankungen waren im ersten Halbjahr 2026 der häufigste Grund für Krankschreibungen, was einem Anstieg von 9 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Seit dem Jahr 2000 haben sich Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen mehr als verdoppelt. Im britischen öffentlichen Dienst machten psychische Leiden im Jahr bis März 2025 bereits 47,1 % aller Langzeitabwesenheiten aus.
Obwohl die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2024 rund 686 Millionen Euro in die Gesundheitsförderung investierten und damit 8,9 Millionen Menschen erreichten, bleibt die Versorgungslage angespannt.
In Berlin etwa besteht rechnerisch eine Überversorgung von 166 %, dennoch bleibt die Suche nach Therapieplätzen schwierig, da die Bedarfsplanung auf Daten aus dem Jahr 1999 basiert. Gleichzeitig steht die gesetzliche Krankenversicherung unter erheblichem finanziellem Druck und verzeichnete für 2024 ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro.
Experten weisen darauf hin, dass die rein strukturelle Konsolidierung der Kassenlandschaft die grundlegenden Finanzprobleme nicht lösen werde, während Studien der Techniker Krankenkasse betonen, dass jeder in Psychotherapie investierte Euro langfristig Einsparungen von zwei bis vier Euro generiere.
