Führungskräfte-Burnout: Nur 11% fühlen sich an Firma gebunden
15.06.2026 - 19:32:40 | boerse-global.de
Nur noch elf Prozent der Führungskräfte fühlen sich stark an ihr Unternehmen gebunden – ein historischer Tiefstand. Gleichzeitig sucht jeder Dritte aktiv nach einem neuen Job.
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Innere Kündigung erreicht die Chefetage
Der Gallup-Engagement-Index zeigt einen dramatischen Absturz: 2020 waren noch 27 Prozent der Manager emotional mit ihrem Arbeitgeber verbunden, 2025 nur noch 18 Prozent. Aktuell sind es gerade einmal elf Prozent. Parallel dazu steigt die Zahl der Ausgebrannten: Jeder fünfte Chef fühlt sich häufig oder ständig erschöpft.
Drei von zehn Führungskräften sind bereits auf Jobsuche. Die Folge: „Quiet Quitting“ macht längst nicht mehr nur vor Angestellten halt.
Heike Bruch, Leadership-Professorine an der Universität St. Gallen, sieht die Ursache in einer strukturellen Überlastung. Rund 75 Prozent der Unternehmen stecken demnach in einer „Beschleunigungsfalle“. Wertschätzung und bewusster Druckabbau bleiben auf der Strecke.
KI als zusätzlicher Stressfaktor
Der technologische Wandel verschärft die Lage. Eine Pew-Studie aus 2025 ergab: 62 Prozent der Berufstätigen fühlen sich durch KI verunsichert. Fast die Hälfte befürchtet einen Leistungsabfall.
Dabei wird Künstliche Intelligenz oft als Lösung für den Fachkräftemangel angepriesen – bis 2028 fehlen in Deutschland rund 770.000 Arbeitskräfte durch den Renteneintritt der Babyboomer. Doch die Realität sieht anders aus: Statt zu entlasten, schafft die Einführung neuer Tools oft zusätzliche Belastungen. Echte Produktivitätssprünge bleiben vielerorts aus.
Strategien für mehr Krisenfestigkeit
Topmanager wie Eon-Chef Leonhard Birnbaum, Commerzbank-CEO Bettina Orlopp oder Hensoldt-Chef Oliver Dörre setzen auf radikale Fokussierung. Birnbaums Devise: sich auf eine wesentliche Aufgabe konzentrieren, um der Komplexität der Transformation Herr zu werden.
Der Neurologe Volker Busch bestätigt: Dauerhafter Fokusverlust verstärkt Stressreaktionen massiv.
Die Zahlen geben den Strategen recht: Eine McKinsey-Studie aus 2025 belegt, dass professionelles Resilienz-Coaching die Entscheidungsqualität um 23 Prozent steigert. Gleichzeitig sinkt die Fluktuation um 15 Prozent.
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Cybersicherheit als neue Führungsaufgabe
Hinzu kommt eine wachsende rechtliche Verantwortung. Die EU-KI-Verordnung und die NIS-2-Richtlinie zwingen vor allem KMU-Chefs, sich intensiv mit Cybersicherheit auseinanderzusetzen. Laut Weltwirtschaftsforum wird KI von der Mehrheit der Organisationen sowohl als Abwehr- als auch als Angriffswerkzeug im Cyberbereich wahrgenommen.
Die Botschaft ist klar: Wer heute führt, muss technologische Kompetenz mit psychologischer Standfestigkeit verbinden. Alles andere gefährdet die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
