Führungskräfte, Krise

Führungskräfte in der Krise: Nur 11% fühlen sich verbunden

19.06.2026 - 01:31:11 | boerse-global.de

Viele Industriebetriebe haben Resilienzpläne, doch Bürokratie und Energiepreise bremsen. Psychische Belastung der Führungskräfte wird zum Kostenfaktor.

BDI-Studie: Deutsche Industrie setzt auf Resilienzstrategien
Führungskräfte - Geschäftsleute besprechen Daten in einem modernen Büro, symbolisierend Resilienz und strategische Anpassung an technologischen Wandel. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

77 Prozent der großen Industriebetriebe verfügen inzwischen über eine feste Resilienzstrategie. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) unter 154 Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern oder einem Umsatz ab 100 Millionen Euro. Weitere 16 Prozent arbeiten derzeit an entsprechenden Konzepten.

Doch BDI-Präsident Leibinger warnt: „Bürokratie und unsichere Energieversorgung bremsen die Umsetzung.“ Zwar schätzen über 80 Prozent der befragten Firmen ihre eigene Stabilität als hoch ein. Die Forderung nach weniger administrativen Hürden bleibt aber die zentrale Botschaft der Industrie.

Führungskräfte am Limit: Nur noch jeder Zehnte fühlt sich verbunden

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Während die Unternehmen strategisch aufrüsten, sieht es bei den Köpfen dahinter düster aus. Der Gallup-Index zeigt einen dramatischen Einbruch: Nur noch 11 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich stark mit ihrem Unternehmen verbunden. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. Fast jeder fünfte Chef in Deutschland berichtet zudem von häufigem oder dauerhaftem Burnout.

Die Zahlen passen zu den Ergebnissen des Robert Koch-Instituts (RKI). In dessen Panel „Gesundheit in Deutschland“ von 2024 gaben rund 20 Prozent von über 27.000 Befragten eine erhöhte Stressbelastung an. Besonders betroffen: Erwerbstätige, Frauen und Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss. Die Techniker Krankenkasse bestätigt den Trend: Der Anteil gestresster Menschen stieg von 57 Prozent (2013) auf 66 Prozent (2025).

Top-Manager wie Leonhard Birnbaum (Eon), Bettina Orlopp (Commerzbank) und Oliver Dörre (Hensoldt) betonen daher die Bedeutung individueller Stressbewältigung. Das RKI empfiehlt aktives Problemlösen und flexible Verhaltensstrategien – Verdrängung dagegen verstärke die Belastung.

KI als Resilienz-Booster: 20 Prozent der Firmen ernten 74 Prozent des Wertes

Künstliche Intelligenz wird zum entscheidenden Faktor für Widerstandsfähigkeit. Auf dem Technologieforum VivaTech im Juni diskutierten Experten von L'Oréal und PwC über die Parallelen zwischen menschlicher Vitalität und Unternehmensresilienz. Pauline Adam-Kalfon von PwC präsentierte eine ernüchternde Erkenntnis: Nur rund 20 Prozent der Unternehmen schöpfen satte 74 Prozent des gesamten Wertschöpfungspotenzials von KI ab. Diese Top-Performer arbeiten siebenmal produktiver.

Delphine Viguier von L'Oréal setzt auf datenbasierte Entscheidungen als Schutz vor kurzfristigen Markthypes. Der Kosmetikkonzern, der 2025 einen Umsatz von 44,05 Milliarden Euro erzielte, schulte bereits 73.000 Mitarbeiter im Umgang mit generativer KI. Ein Beispiel: die Kooperation mit OpenAI zur Kartierung des Hautmikrobioms für die Marke La Roche-Posay.

Deutschland war auf der VivaTech mit über 200 Startups als Partnerland vertreten. Regierungsvertreter wie Minister Wildberger sowie die Experten Reiche und Bär forderten mehr technologische Souveränität. Projekte wie die angekündigte Partnerschaft zwischen Foxconn und Bull für KI-Server sollen die Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren reduzieren.

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Psychische Gesundheit als Wirtschaftsfaktor: 30,5 Milliarden Euro Einsparpotenzial

Investitionen in psychische Gesundheit sind kein Luxus, sondern ökonomische Notwendigkeit. Eine gemeinsame Studie des BSI und des Centre of Economics & Business Research beziffert das Einsparpotenzial durch vertrauensorientiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) auf 30,5 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft. Die Summe ergibt sich aus weniger Fehlzeiten, weniger Präsentismus und geringerer Fluktuation.

Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) bereitet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) derzeit eine detaillierte Untersuchung vor. Über 3.000 Unternehmen sollen zum Umgang mit psychischen Belastungen befragt werden. Die Ergebnisse werden für das erste Quartal 2027 erwartet.

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