Führungskräfte, Druck

Führungskräfte unter Druck: 67% der Jobs durch KI ersetzbar

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: KI kann kritisches Denken fördern, doch falscher Einsatz birgt Risiken. Unternehmen und Hochschulen entwickeln neue Strategien für den Umgang mit der Technologie.

KI-Transformation: Wie Führungskräfte und Bildung auf den Wandel der Arbeitswelt reagieren
Eine konzentrierte Führungskraft sitzt nachdenklich vor einem ausgeschalteten Computerbildschirm in einem modernen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Untersuchungen im August 2026 verdeutlichen eine tiefgreifende Verschiebung in der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz (KI). Sozialwissenschaftler Michael Gerlich von der SBS Swiss Business School weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine fehlerhafte Anwendung von KI-Tools dazu führen könne, dass Anwender sich letztlich selbst ersetzen.

Richtig eingesetzt, biete die Technologie jedoch das Potenzial, das kritische Denken massiv zu fördern. In der Unternehmensführung und der akademischen Ausbildung zeichnen sich dabei Strategien ab, die den Fokus weg von der reinen Automatisierung hin zur bewussten Steuerung lenken.

Der wachsende Druck auf das Management

Die Dringlichkeit einer kompetenten Auseinandersetzung mit KI-Systemen wird durch statistische Erhebungen untermauert. Daten der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2025 belegen einen Anstieg der arbeitslosen Führungskräfte um 14,3%. Parallel dazu prognostiziert der sogenannte Job-Futuromat, dass bereits 67% der typischen Führungsaufgaben durch Algorithmen ersetzbar seien.

Vor diesem Hintergrund passen Personalberater ihre Auswahlprozesse an. Ein Fachanwalt für Führungskräfte-Recruitment, wie Bernhard Stieger, prüfe die KI-Kompetenz potenzieller Kandidaten mittlerweile durch spezifische Fragestellungen in den Bewerbungsgesprächen.

Auch das „AI Jobs Barometer“ von PwC, das mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen auswertete, zeigt eine Beschleunigung des Anforderungswandels in Berufen, die stark durch KI geprägt sind.

Strategische Defizite und operative Gegenmodelle

Trotz der technologischen Möglichkeiten herrscht in vielen Konzernen Unzufriedenheit über den Fortschritt der digitalen Transformation. Laut Christina Ellringmann, Deutschlandchefin der Unternehmensberatung Bain, seien 80% der globalen Spitzenmanager nicht zufrieden mit der bisherigen KI-Umsetzung in ihren Häusern.

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Ein bloßer „KI-Flickenteppich“ generiere keinen echten Mehrwert. Bain selbst verzeichnet im DACH-Raum ein zweistelliges Wachstum und plant eine Steigerung der Neueinstellungen um 25%.

Um der Gefahr der Selbstersetzung entgegenzuwirken, empfiehlt Michael Gerlich Unternehmen, gezielt Reibungspunkte in Arbeitsprozessen zu fördern. Als Beispiel nannte er Formate wie die „Campfire“-Meetings des Spielwarenherstellers Lego. Ziel sei es, den Austausch und das kritische Hinterfragen von automatisierten Prozessen zu institutionalisieren.

Auf der operativen Ebene zeigt der CEO von PwC, Paul Griggs, wie eine individuelle Integration aussehen kann. Er nutze seit etwa einem Jahr täglich einen persönlichen KI-Agenten namens „PG’s Whisperer“, um Informationen zu verarbeiten, Redemanuskripte zu optimieren oder Ideen vorab zu testen. Er betrachte dieses Werkzeug als wesentlichen Wettbewerbsvorteil, während PwC gleichzeitig einen Rekordzuwachs bei Neukunden vermeldet.

Bildung und kritisches Denken als Gegenentwurf

In der Ausbildung wird der Umgang mit der Technologie zunehmend restriktiver und zugleich spezialisierter gestaltet. Während eine Erhebung der Hochschule Darmstadt zeigt, dass bereits 92% der deutschen Studierenden KI-Tools verwenden, greifen internationale Institutionen zu neuen Methoden der Qualitätssicherung.

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Die University of Chicago Law School etwa hat für Erstsemester ein Laptop-Verbot im Unterricht sowie bei Prüfungen eingeführt. Damit soll primär die Fähigkeit zum kritischen Denken gestärkt werden, bevor die Studierenden im späteren Verlauf des Studiums Zugang zu spezialisierten juristischen KI-Tools wie Harvey oder Legora erhalten. Der Unterricht zur Funktionsweise von KI werde dort zeitgleich ausgebaut.

Wertschöpfung jenseits technischer Automatisierung

Die Debatte über die Kompetenzentwicklung erreicht auch die Kreativ- und Beratungsbranche. Markenexpertin Gemma Vallet sieht den eigentlichen Wert künftig in der strategischen Fragestellung, was durch KI überhaupt entstehen soll.

Die herkömmliche Abrechnung nach Stundenhonoraren stoße in Agenturen durch die Effizienzgewinne der Technologie zunehmend an ihre Grenzen. Der Fokus müsse sich verschieben von der reinen Ausführung hin zur kuratorischen und steuernden Kompetenz des Menschen.

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