Führungsstress: 71 Prozent der Führungskräfte berichten von mehr Belastung
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachveranstaltungen und Wirtschaftsforen rücken die Stärkung der Resilienz zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Agenden. Angesichts geopolitischer Spannungen, personeller Engpässe und technologischer Umbrüche wird die Widerstandskraft von Organisationen, Belegschaften und gesellschaftlichen Verbänden nicht mehr nur als operatives Beiwerk, sondern als grundlegende Voraussetzung zur Bewältigung komplexer Herausforderungen betrachtet.
Druck auf Führungskräfte treibt akademischen Wandel
Die Notwendigkeit neuer Belastbarkeitskonzepte spiegelt sich in aktuellen Branchendaten wider. Laut dem DDI Global Leadership Forecast 2025, für den 10.796 Führungskräfte befragt wurden, berichteten weltweit 71 % der Führungskräfte von erhöhtem Stress. Im Jahr 2022 lag dieser Anteil noch bei 63 %.
Internationale Business Schools reagieren auf diese Entwicklung und verankern Themen wie Resilienz und persönliches Wohlbefinden fest in ihren Executive-MBA-Programmen. Institutionen wie das IMD, die HEC Paris, die Rotterdam School of Management und die Essec passen ihre Lehrinhalte entsprechend an.
Das IMD nahm das Thema Energiemanagement für nachhaltige Leistung in sein Kerncurriculum auf, während die Essec ihr Coaching für Führungskräfte über die gesamte 18-monatige Programmdauer hinweg anbietet.
Gesundheitssysteme zwischen ziviler Vorsorge und Rehabilitation
Auch im Gesundheitssektor gewinnt die Krisenvorsorge an Dringlichkeit. Beim Weltgesundheitsgipfel in Berlin erläuterte Gesundheitsminister Carsten Linnemann, dass Deutschland aus den Erfahrungen der Ukraine lernen und das heimische Gesundheitssystem gezielter auf kriegsbedingte Krisen vorbereiten wolle.
Den Hintergrund bilden unter anderem Zahlen des ukrainischen Gesundheitsministeriums, wonach dort 2.698 Gebäude von 849 Gesundheitseinrichtungen beschädigt und 340 vollständig zerstört wurden, neben mehr als 200.000 m² beschädigter oder zerstörter Lager- und Logistikinfrastruktur.
Angesichts der steigenden Belastung im Berufsalltag wird es für Verantwortliche immer wichtiger, die eigene Widerstandskraft und die des Teams zu fördern. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit konkreten Übungen dabei, Stress zu reduzieren und eine gesunde Balance zu finden. 5 Sofortmaßnahmen für mehr Ausgeglichenheit jetzt herunterladen
In Deutschland entfallen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung rund 600 Mio. Behandlungsfälle pro Jahr auf Praxen. Das Statistische Bundesamt registrierte zudem für das Jahr 2025 etwa 17,5 Mio. stationäre Krankenhausfälle. Hinzu kommen globale Abhängigkeiten: Bei bestimmten Arzneimitteln bezieht Deutschland nach Angaben Linnemanns zwei Drittel der Wirkstoffe aus nur zwei Ländern.
Vor diesem Hintergrund soll der Entwurf des Gesundheitssicherstellungsgesetzes nach aktueller Planung Anfang 2027 im Kabinett beraten werden, mit dem Ziel, bis 2029 die vollständige Einsatzfähigkeit der entsprechenden Strukturen zu erreichen.
Parallel dazu betont die Bundesärztekammer die präventive Dimension und stellte das Positionspapier „Reha stärkt Resilienz“ vor. Das Papier definiert vier zentrale Handlungsfelder: den Rehabilitationsbedarf früh zu erkennen und bereits in der Akutversorgung mitzudenken, wohnortnahe sowie mobile Angebote vor allem für ältere Menschen auszubauen, individuelle Konzepte bei komplexen Erkrankungen und Multimorbidität zu schaffen und die Rehabilitation verbindlich in Krisenvorsorge, Bevölkerungsschutz sowie die zivile Verteidigung zu integrieren. Zudem regt die Bundesärztekammer Krisenpläne, rehabilitative Behandlungspfade und spezialisierte Kompetenzzentren für Schwerverletzte an.
Regionale Initiativen und gesellschaftlicher Dialog
Auf kommunaler und regionaler Ebene wird Resilienz ebenfalls praktisch erprobt. Bei der Immobilienmesse Expo Real in München diskutierten Vertreter Südhessens unter dem Titel „Aus der Forschung in die Region: Digitale Resilienz für Südhessen“ über strategische Vorsorgekonzepte.
Wer in Zeiten des Wandels die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz sichern möchte, benötigt fundierte Strategien zur Stressbewältigung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Zeitdiebe eliminieren und dauerhaft für mehr innere Ruhe im Arbeitsalltag sorgen. Kostenlosen Work-Life-Balance-Guide sichern
Im Kreis Groß-Gerau wird digitale Resilienz dabei als Fähigkeit verstanden, Verwaltungen, Unternehmen und kritische Infrastrukturen bei Störungen handlungsfähig zu halten. Während Rettungsdienst und Katastrophenschutz dort bereits über die Kreisgrenzen hinweg kooperieren, sollen digitale Vernetzung und Telemedizin künftig die Zusammenarbeit weiter optimieren.
Im Wirtschaftsraum Augsburg bündelt die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH die Wochen der Nachhaltigkeit vom 02. bis 26.11.2026 zum zehnten Mal. Die vom Regionalmanagement Bayern geförderten Aktionswochen widmen sich schwerpunktmäßig der unternehmerischen Resilienz angesichts von Fachkräftemangel, technologischem Wandel und wirtschaftlichen Unsicherheiten.
Im Rahmen der Initiative ist für den 19.11.2026 von 14 bis 19 Uhr der Nachhaltigkeitstag Wirtschaft A³ angesetzt, nachdem im Vorjahr mehr als 20 Veranstaltungen über 1.000 Teilnehmende zusammengebracht hatten.
Gleichzeitig greift die Fachwelt die sozialen Dimensionen des Wandels auf. Der VPSA-Fachtag widmet sich unter dem Leitmotiv „Gesellschaftliche Transformation“ Problemfeldern wie Migration, Digitalisierung, Klimawandel, sozialer Unsicherheit und politischer Polarisierung, um den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Sozialer Arbeit zu vertiefen.
