Fußdruckmessung, Pedar-X

Fußdruckmessung: Pedar-X erfasst Belastungen mit 400 Hertz

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drucksensoren erfassen Belastungsmuster und Gangparameter; bei fortgeschrittenen Nervenschäden bleibt fachliche Kontrolle zentral.
Ein klinisches Ganglabor mit bodenintegrierter Sensorik zur biomechanischen Analyse der Druckverteilung. Illustration mit AI erstellt.

Technische Verfahren zur Erfassung der plantaren Druckverteilung gewinnen bei der Prävention von Folgeschäden durch Nervenerkrankungen an Bedeutung. Fehlbelastungen, die infolge von peripheren Neuropathien oder Diabetes mellitus entstehen, lassen sich durch druckbasierte Messmethoden frühzeitig lokalisieren.

Da Betroffene aufgrund von Sensibilitätsverlusten Druckspitzen oft nicht rechtzeitig wahrnehmen, zielt der Einsatz moderner Messtechnik darauf ab, Gewebeschäden und Fußgeschwüre rechtzeitig abzuwenden.

Sensorgestützte Ganganalyse zur Früherkennung von Gewebeschäden

In der rehabilitativen Ganganalyse kommen zunehmend hochdichte Sensorarrays zum Einsatz. Diese erfassen die Druckverteilung unter der Fußsohle in Echtzeit und quantifizieren komplexe biomechanische Parameter. Zu den relevanten Patientengruppen zählen Personen mit diabetischer peripherer Neuropathie, Zuständen nach Schlaganfall mit Hemiplegie, Rückenmarksverletzungen, Zerebralparese, Parkinson sowie Prothesenträger.

Die Systeme dokumentieren Messgrößen wie das plantare Druckverteilungsbild, lokale Spitzendrücke, das Druck-Zeit-Integral, die Kontaktfläche sowie die Trajektorie des Druckzentrums. Ergänzend erfassen sie zeitliche Gangparameter, darunter Schrittlänge, Schrittweite, Gangzyklusphasen, Doppelstandzeiten, Kadenz und Gehgeschwindigkeit.

Über Symmetrieindizes sowie Be- und Entlastungsraten lassen sich subtile Ausweichbewegungen darstellen, die mit einfachen Funktionstests wie reinen Gehtests mit Stoppuhr nicht sichtbar werden.

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Während Stoppuhr-Tests primär die funktionelle Gehgeschwindigkeit abbilden, ermöglicht die druckbasierte Sensorik eine differenzierte biomechanische Diagnosegenauigkeit. Die Untersuchungen gelten als nicht-invasiv sowie strahlungsfrei; für vollständige Auswertungen werden Befunddauern von mehreren Werktagen veranschlagt.

Ergänzend zu reinen Druckmessungen werden dynamische vierdimensionale Scansysteme erprobt. Diese erfassen dreidimensionale Formveränderungen des Fußes während der Bewegung in Echtzeit. Dadurch lassen sich funktionelle Veränderungen des medialen Längsgewölbes sowie Pronations- und Supinationsbewegungen abbilden, die bei rein statischen Messungen verborgen bleiben. Solche Daten dienen unter anderem der optimierten Konstruktion von Schutzschuhen und Leisten.

Systeme für statische Diagnostik und dynamisches Alltagsmonitoring

In der Praxis kommen für verschiedene diagnostische Fragestellungen, beispielsweise bei Fußdeformitäten wie dem Plattfuß, abgestufte Untersuchungsabläufe zum Einsatz. Ein typisches Vorgehen kombiniert ein initiales statisches Screening auf Messplattformen mit dynamischen Messungen über sensorgestützte Einlegesohlen und anschließenden Aufzeichnungen im Alltagsverlauf.

Stationäre Druckmessplattformen wie das Emed-System nutzen unabhängig kalibrierte kapazitive Sensoren, um standardisierte Untersuchungen durchzuführen. Für die dynamische Datenerfassung während des Gehens und Laufens stehen kabellose Einlegesohlensysteme wie Pedar-X zur Verfügung, die mit 99 Sensoren pro Sohle arbeiten und Daten mit einer Abtastrate von 400 Hertz erfassen.

Für das längerfristige Monitoring stehen leichtere mobile Messsohlen zur Verfügung. Technische Leitfäden zur Verarbeitung solcher Sensordaten beschreiben den Einsatz mathematischer Interpolationsmethoden und Konturmaskierungen, um die diskreten Druckwerte in kontinuierliche Druckkarten umzurechnen.

Feedback-Systeme und Anforderungen an das klinische Management

Über die reine Diagnostik hinaus wird an aktiven Schutzsystemen gearbeitet. An der Frankfurt University of Applied Sciences entwickelte Stefan Resch im Rahmen einer Dissertation eine sensorisierte Fußorthese.

Das System kombiniert Messsohlen mit Nutzerschnittstellen: Bei einer drohenden Überlastung erhält der Träger unmittelbares Feedback über Vibrationssignale, die entweder direkt an der Orthese oder am Griff einer Gehhilfe ausgelöst werden.

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Begleitende Smartphone-Anwendungen visualisieren die Belastungsmuster als Heatmap. Untersuchungen in virtuellen Umgebungen deuten darauf hin, dass visuelle Rückmeldungen das Gangbild und das Bewusstsein für Fehlbelastungen beeinflussen können.

Trotz technologischer Fortschritte bei Einlegesohlen und Hilfsmitteln verweisen Fachleute auf die Grenzen unüberwachter Maßnahmen. Ergänzende Methoden wie elektrische Muskelstimulation können zwar die lokale Durchblutung anregen, heilen Nervenschäden jedoch nicht und weisen klare Kontraindikationen auf, etwa bei implantierten Defibrillatoren, Herzschrittmachern oder offenen Wunden.

Bei fortgeschrittenen Nervenschäden oder bestehenden Wundhistorien bleibt die regelmäßige professionelle Begutachtung der entscheidende Schritt zur Ulkusprävention.

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