Gastronomie-Steuersenkung, Gerichten

Gastronomie-Steuersenkung: Nur 1 von 100 Gerichten wurde billiger

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 13:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Mehrwertsteuer sank, doch Restaurantpreise gingen kaum zurück. Die NGG meldet stabile bis höhere Kosten und kritisiert fehlende Vorteile.

Gastronomie-Steuersenkung: Gäste zahlen trotz Entlastung mehr
Ein leerer, minimalistisch gestalteter Gastraum eines Restaurants mit Holztischen und Stühlen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die steuerliche Entlastung für das Gastgewerbe sollte Betriebe stützen und Spielräume schaffen. Doch bei den Gästen in Restaurants und Gaststätten schlägt sich die Maßnahme kaum auf der Rechnung nieder.

Berichten vom 17. September 2026 zufolge kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dass die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent in der Gastronomie nicht an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde.

Die Preise für Restaurantbesuche sind demnach nicht gesunken. Während die Branche von den steuerlichen Erleichterungen profitierte, blieb ein preisdämpfender Effekt für Gäste in der Regel aus.

Kaum Veränderungen auf den Speisekarten

Nach Angaben der NGG spiegeln die aktuellen Daten eine weitgehende Stagnation oder gar Verteuerung wider. Nur rund 1 von 100 Gerichten wurde tatsächlich billiger angeboten. Bei 91 Prozent der Gerichte blieben die Preise unverändert, während sie bei rund 8 Prozent der Speisen sogar stiegen. Über alle erfassten Angebote hinweg ergab sich laut Gewerkschaft insgesamt ein durchschnittlicher Preisanstieg von 0,5 Prozent.

Die Erwartung, dass geringere Steuersätze zu spürbaren Preisnachlässen für Konsumenten führen würden, hat sich damit in der Praxis nicht bestätigt.

Deutliche Teuerungen bei einzelnen Gerichten

Anzeige

Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wurde von 19 auf 7 Prozent gesenkt — doch auf Ihrer Rechnung kommt davon kaum etwas an. Nur rund 1 von 100 Gerichten wurde tatsächlich billiger, bei etwa 8 Prozent stiegen die Preise sogar. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen, welche Klassiker besonders betroffen sind und wie Sie versteckte Preiserhöhungen auf der Speisekarte sofort erkennen. Preis-Guide jetzt kostenlos anfordern

Ein Blick auf regionale Auswertungen verdeutlicht, dass in Teilen der Gastronomie trotz der reduzierten Mehrwertsteuer spürbare Preiserhöhungen vorgenommen wurden. In Nordrhein-Westfalen zogen die Preise laut NGG bei 8 Prozent aller Gerichte an. Dabei stiegen die Preise bestimmter Angebote besonders deutlich:

  • Bowls verteuerten sich um 14 Prozent
  • Schnitzel wurden um 11 Prozent teurer
  • Steaks verzeichneten einen Preisanstieg von 10 Prozent

Diese selektiven Preissprünge verdeutlichen, dass Betriebe die gewonnene steuerliche Spanne vielfach nicht zur Preisstabilisierung nutzten.

Entlastungsmilliarden und Belastung der Beschäftigten

Auf wirtschaftlicher Ebene bedeutete die Maßnahme für die Branche hingegen einen erheblichen finanziellen Puffer. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert das Entlastungsvolumen durch die Steuersenkung bundesweit auf 4 Milliarden Euro.

Anzeige

Bowls wurden in Nordrhein-Westfalen um 14 Prozent teurer, Schnitzel um 11 Prozent, Steaks um 10 Prozent — trotz reduzierter Mehrwertsteuer. Wenn Sie beim nächsten Restaurantbesuch nicht blind draufzahlen wollen, hilft Ihnen unsere Checkliste mit den 10 Klassikern und ihren aktuellen Preistrends. Preis-Checkliste jetzt sichern

Gleichzeitig verweist die Gewerkschaft auf anhaltende Probleme bei den Arbeitsbedingungen in den Betrieben. Eine NGG-Befragung von über 2.100 Beschäftigten, die im Juni und Juli 2026 durchgeführt wurde, verdeutlicht den Druck auf das Personal: 79 Prozent der befragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichteten von kurzfristigen Dienstplanänderungen.

Die Gewerkschaft sieht daher weder aufseiten der Kundschaft noch bei den Arbeitnehmern einen spürbaren Nutzen aus den staatlichen Entlastungsmilliarden.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70117292 |