GeDIG, Millionen

GeDIG beschlossen: 445 Millionen Euro Verwaltungsentlastung im Gesundheitswesen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 01:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BSI veröffentlicht IT-Sicherheitspaket fĂŒr Praxen, wĂ€hrend das GeDIG-Gesetz Milliardenentlastung verspricht. Kliniken zeigen DigitalisierungsrĂŒckstand.

Digitalisierung im Gesundheitswesen: BSI-Paket und GeDIG-Gesetz im Fokus
Tablet mit digitalen Patientenakten in einer modernen, sauberen Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens nimmt rasant Fahrt auf. Mit neuen Sicherheitsauflagen, dem Gesundheitsdigitalisierungsgesetz (GeDIG) und europĂ€ischen Vorgaben stehen Ärzte, ZahnĂ€rzte und KrankenhĂ€user vor einem grundlegenden Wandel. Das Ziel: effizientere AblĂ€ufe und besserer Patientenschutz – doch nicht alle sind von den PlĂ€nen ĂŒberzeugt.

BSI liefert Werkzeuge fĂŒr mehr IT-Sicherheit

Am 22. Juli 2026 veröffentlichte das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein umfassendes Informationspaket fĂŒr Arztpraxen. Es soll helfen, die verbindlichen IT-Sicherheitsvorgaben aus Paragraf 390 des Sozialgesetzbuchs V umzusetzen. Diese gelten seit Oktober 2025 fĂŒr die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) und seit Januar 2026 fĂŒr die KassenzahnĂ€rztliche Bundesvereinigung (KZBV).

Die neuen Hilfsmittel umfassen einen „Quick-Check" zur digitalen WiderstandsfĂ€higkeit, konkrete Handlungsempfehlungen und eine IT-Notfallkarte fĂŒr das Praxispersonal. Gerade kleinere Praxen sollen damit in die Lage versetzt werden, sensible Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (TI) wirksam zu schĂŒtzen.

GeDIG: Milliardenentlastung oder BĂŒrokratiemonster?

Bereits am 15. Juli 2026 gab das Bundeskabinett grĂŒnes Licht fĂŒr den Entwurf des Gesundheitsdigitalisierungsgesetzes (GeDIG). Die Bundesregierung verspricht sich davon jĂ€hrliche Verwaltungsentlastungen von rund 445 Millionen Euro. Kernpunkte sind der Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA): Eine Volltextsuche soll Anfang 2027 kommen, der digitale Impfpass bis Mitte 2027.

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Bis zum 1. September 2029 mĂŒssen zudem elektronische Überweisungen (E-Überweisungen) flĂ€chendeckend eingefĂŒhrt sein. Auch die Nutzung von TI-Messengern fĂŒr die sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern wird vorangetrieben.

Doch nicht alle jubeln. Der Hartmannbund Ă€ußerte am 22. Juli 2026 Bedenken: Die Gefahr fĂŒr die Ă€rztliche Entscheidungsfreiheit sei real, und der Datenzugriff fĂŒr Krankenkassen gehe zu weit. Ein Balanceakt zwischen Effizienz und Ă€rztlicher Autonomie.

Kliniken hinken hinterher

WĂ€hrend die Politik das Tempo vorgibt, zeigt die RealitĂ€t in den KrankenhĂ€usern ein ernĂŒchterndes Bild. Ein vom Bundesgesundheitsministerium am 22. Juli 2026 vorgestelltes DigitalRadar-Modell offenbart erhebliche InvestitionslĂŒcken in allen 16 BundeslĂ€ndern.

Laut Erhebungen des Deutschen Krankenhausinstituts haben nur 56 Prozent der Kliniken die notwendigen Updates ihrer Krankenhausinformationssysteme (KIS) fĂŒr die ePA abgeschlossen. Zwar haben 62 Prozent der Kliniken Zugang zur ePA, doch laut Gematik-TI-Dashboard nutzen von 1.800 Kliniken gerade einmal 650 die Akte aktiv. Dabei sind Ärzte bereits seit Oktober 2025 verpflichtet, die ePA zu befĂŒllen. Die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft gewaltig.

Europa gibt den Takt vor

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Die deutsche Digitalstrategie ist eng mit dem EuropĂ€ischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) verzahnt, der im MĂ€rz 2025 in Kraft trat. Die Umsetzung erfolgt gestaffelt: Nach den erwarteten EU-DurchfĂŒhrungsakten bis MĂ€rz 2027 sollen erste PrioritĂ€ten wie Patientenkurzberichte und E-Rezepte bis MĂ€rz 2029 grenzĂŒberschreitend funktionieren. Eine zweite Phase mit Bildgebung, Laborergebnissen und Entlassbriefen folgt bis MĂ€rz 2031.

Als technische Basis dient weiterhin der FHIR R4-Standard. Und seit MĂ€rz 2025 gilt die C5-Gleichwertigkeitsverordnung (C5GleichwV), die rĂŒckwirkend zum 1. Juli 2024 Sicherheitszertifikate fĂŒr Cloud-Dienste im Gesundheitswesen regelt und Standards wie DIN EN ISO/IEC 27001:2022 anerkennt.

Praxisprojekte zeigen, was möglich ist

Mehrere regionale Initiativen testen die neuen Werkzeuge bereits im Alltag. In Köln eröffnete die KV Nordrhein am 1. Juli 2026 die „MediTeam"-Praxis am Butzweilerhof. Auf 300 Quadratmetern wird dort als Reallabor der Einsatz KI-gestĂŒtzter Anwendungen und neuer OrganisationsablĂ€ufe erprobt.

Im HeiligenstĂ€dter Malteser-Gesundheitszentrum lĂ€uft ein sechsmonatiges Pilotprojekt: RettungssanitĂ€ter und HausĂ€rzte kommunizieren per TI-Messenger. Nach der Testphase soll das System dauerhaft integriert werden – inklusive Videofunktion.

Auch die Apotheker rĂŒsten auf. Am 22. Juli 2026 unterzeichneten der Deutsche Apothekerverband (DAV) und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apotheken-SoftwarehĂ€user (ADAS) eine AbsichtserklĂ€rung zur Verbesserung der ePA-Nutzerfreundlichkeit. Zeitgleich startete am 15. Juli 2026 eine neue Pilotphase mit einer erweiterten elektronischen Medikationsliste und dem elektronischen Medikationsplan (eMP).

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