GeDIG-Gesetz: 445 Millionen Euro Entlastung durch Digitalisierung
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 20:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskabinett hat am heutigen Mittwoch das „Gesetz zur digitalen Modernisierung des Gesundheitswesens“ (GeDIG) verabschiedet. Die Neuregelung schreibt einen verbindlichen Zeitplan für das Ende des Faxgeräts in Arztpraxen sowie die Einführung digitaler Überweisungen und Rezepte vor.
Schluss mit der analogen Kommunikation
Ein Kernstück des GeDIG ist die Abschaffung der Fax-Kommunikation im Gesundheitswesen. Bis zum Herbst 2029 müssen Arztpraxen ihre Faxgeräte durch die digitalen Kommunikationsstandards KIM (Kommunikation im Medizinwesen) und TIM (Telematikinfrastruktur-Messenger) ersetzen.
Parallel dazu führt die Regierung schrittweise die elektronische Überweisung (E-Überweisung) ein. Ab dem 1. September 2029 müssen sämtliche Überweisungen zwischen Ärzten digital erfolgen. Die Umstellung soll Verwaltungsabläufe verschlanken und den bürokratischen Aufwand für Praxen und Patienten reduzieren.
Elektronische Patientenakte wird ausgebaut
Das Gesetz sieht einen konkreten Stufenplan für die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) vor:
- Anfang 2027: Einführung einer Volltext-Suche in der ePA für bessere Datenzugänglichkeit
- Mitte 2027: Digitaler Impfpass mit integriertem Impf-Erinnerungssystem
- Fortlaufend: Integration digitaler Terminbuchungssysteme sowie Ausbau des E-Rezepts auf häusliche Krankenpflege und Heilmittel
Die nationale Digitalagentur Gematik erhält erweiterte Befugnisse – darunter das Recht, Zertifizierungen für Software oder Systeme zu entziehen, die nicht den aktualisierten Standards entsprechen.
Wirtschaftliche Entlastung in Milliardenhöhe
Die Verabschiedung des GeDIG erfolgte im Rahmen einer Sitzung des sogenannten Entlastungskabinetts, das sich auf den Abbau von Bürokratiekosten konzentriert. Die Bundesregierung beziffert die jährliche Verwaltungsentlastung allein durch die GeDIG-Maßnahmen auf rund 445 Millionen Euro.
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Digitalminister Wildberger zufolge beläuft sich die Gesamtwirkung aller in dieser Sitzung beschlossenen Entlastungsmaßnahmen auf etwa 600 Millionen Euro pro Jahr. Seit November 2025 haben verschiedene Digitalisierungs- und Deregulierungsinitiativen laut Regierungsangaben ein kumuliertes jährliches Entlastungsvolumen zwischen 9,8 und 10,4 Milliarden Euro erreicht.
Gemischte Reaktionen aus der Branche
Während der GKV-Spitzenverband die Digitalisierungsoffensive begrüßte, äußerten andere Verbände konkrete Bedenken. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisierte die umfangreichen Datenzugriffsrechte für Krankenkassen.
AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann unterstützte den Fokus des Gesetzes auf datengestützte Risikoerkennung und digitale Primärversorgung, äußerte jedoch Einwände gegen die Ausweitung der Gematik-Befugnisse sowie Änderungen bei den Direktabrechnungsprozessen. Der VDAB, der private soziale Dienstleister vertritt, forderte eine bessere Integration des Pflegesektors in die digitale Infrastruktur.
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Patientenakzeptanz bleibt Herausforderung
Das Gesetz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Bewusstsein der Patienten für digitale Tools eine Stagnation erreicht hat. Eine aktuelle Umfrage der SBK vom Juli 2026 zeigt: Zwar kennen 90 Prozent der Versicherten die elektronische Patientenakte, die aktive Nutzung oder Nutzungsabsicht ist jedoch nur moderat auf 29 Prozent gestiegen – gegenüber 21 Prozent im Mai 2025.
Die Erhebung offenbart zudem ein Kommunikationsdefizit: 69 Prozent der Befragten gaben an, noch nie mit ihrem Arzt über die ePA gesprochen zu haben. Branchenexperten zufolge wird der Erfolg der GeDIG-Initiative maßgeblich davon abhängen, ob Patienten klare medizinische Vorteile erkennen – etwa die von 63 Prozent der Mehrfachmedikamentierten gewünschten strukturierten Medikationspläne.
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