GefĂ€Ăalterung: Atlas kartiert 375.829 Endothelzellen aus 12 Geweben
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Alterung von Blut- und LymphgefĂ€Ăen gilt als zentraler Faktor fĂŒr viele chronische Erkrankungen, doch die molekularen Mechanismen auf zellulĂ€rer Ebene waren bislang nur lĂŒckenhaft kartiert.
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Laura de Rooij und mit Erstautorin Sarah Dobner vom CeMM Forschungszentrum fĂŒr Molekulare Medizin der Ăsterreichischen Akademie der Wissenschaften hat in der Fachzeitschrift Nature Aging (DOI 10.1038/s43587-026-01247-3) am 23. Oktober 2026 den sogenannten Human Aging Endothelial Cell Atlas vorgestellt.
Die Veröffentlichung bietet eine systematische Bestandsaufnahme altersbedingter VerĂ€nderungen in menschlichen Endothelzellen ĂŒber verschiedene Organe hinweg.
Umfassende Datengrundlage aus Einzelzellanalysen
FĂŒr den Atlas trug das CeMM-Team GenaktivitĂ€tsdaten aus 34 zuvor publizierten Einzelzellstudien zusammen. Der resultierende Datensatz umfasst 290 Proben aus 12 menschlichen Geweben und deckt insgesamt 375.829 Endothelzellen ab. Um physiologische Alterungsprozesse möglichst unverfĂ€lscht abbilden zu können, beschrĂ€nkte sich die Analyse auf Gewebeproben, die als gesund oder zumindest frei von diagnostizierten Erkrankungen eingestuft wurden.
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Der Atlas differenziert methodisch zwischen arteriellen, kapillĂ€ren, venösen sowie lymphatischen Endothelpopulationen. Die Auswertungen verdeutlichen, dass sich AltersverĂ€nderungen je nach GefĂ€Ăabschnitt und Gewebe teils deutlich unterscheiden und keine einheitliche zellulĂ€re Reaktion ĂŒber den gesamten Organismus hinweg vorliegt.
GefĂ€Ăspezifische Profile und zellulĂ€re Seneszenz
Zu den zentralen Befunden zĂ€hlt das Verhalten venöser GefĂ€Ăabschnitte. Venöse Endothelzellen Ă€lterer Menschen zeigen demnach eine geringere AktivitĂ€t mehrerer Gene, die fĂŒr die GefĂ€Ăsprossenbildung zustĂ€ndig sind. Das CeMM wertet dies als Hinweis auf eine reduzierte ErneuerungsfĂ€higkeit, betont jedoch zugleich, dass die funktionelle RegenerationskapazitĂ€t im Rahmen der Studie nicht direkt gemessen wurde.
Gleichzeitig wiesen die Forschenden in mehreren Geweben eine erhöhte AktivitĂ€t von Genen nach, die mit EntzĂŒndungsprozessen und zellulĂ€rer Seneszenz verknĂŒpft sind. Ăber verschiedene Gewebe hinweg zeigten sich zudem verĂ€nderte Signale der extrazellulĂ€ren Matrix und der Mechanotransduktion.
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Ein weiterer organspezifischer Befund betrifft die menschliche Haut: In Proben Àlterer Spender findet sich das YAP-Protein hÀufiger im Zellkern von Endothelzellen wieder, wobei dessen genaue biologische Funktion in diesem Kontext noch unklar ist.
Ansatzpunkte fĂŒr Therapien und methodische Grenzen
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Untersuchung p21-assoziierten Genen. Deren AktivitĂ€t ist im Alter erhöht, wenngleich sie in der Fachwelt nicht als eindeutiger oder zuverlĂ€ssiger Seneszenz-Marker gelten. Das identifizierte p21-assoziierte Seneszenz-Programm wurde vom CeMM in In-vitro- und In-vivo-Modellen bestĂ€tigt und gilt nun als möglicher Zielpunkt fĂŒr den Einsatz senolytischer Wirkstoffe, die seneszente Zellen gezielt abbauen sollen.
Trotz der breiten Datenbasis weist das Forschungsteam auf methodische Limitationen hin. Da es sich um einen Querschnittsvergleich verschiedener Altersgruppen und nicht um eine longitudinale LÀngsschnittstudie handelt, belegen die gefundenen Assoziationen keine KausalitÀt. Zudem lagen unvollstÀndige Lebensstil- und Krankheitsdaten zu den Spendern vor.
Eine ungleiche Altersverteilung mit einer geringen ReprĂ€sentation sehr hoher Altersgruppen schrĂ€nkt die Ăbertragbarkeit der Ergebnisse auf Hochbetagte weiter ein. Dennoch liefert die publizierte Kartierung einen grundlegenden Referenzrahmen fĂŒr die Erforschung altersassoziierter GefĂ€ĂverĂ€nderungen.
