GefĂ€ĂŸverkalkung, Erwachsenen

GefĂ€ĂŸverkalkung bei jungen Erwachsenen: 1 von 13 hat bereits Ablagerungen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung findet Arterienplaques bei 57,1 Prozent der Teilnehmenden; intensive Therapie verringerte Ablagerungen stÀrker als Standardbehandlung.
Abstrakte, organische Strukturen in Rot- und Weißtönen, die an menschliche GefĂ€ĂŸverlĂ€ufe erinnern. Illustration mit AI erstellt.

GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen entwickeln sich oft ĂŒber Jahrzehnte unbemerkt, bevor klinische Symptome auftreten. Eine groß angelegte Untersuchung dĂ€nischer und spanischer Wissenschaftler, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, liefert nun neue Einblicke in die tatsĂ€chliche Verbreitung dieser Ablagerungen.

An der Untersuchung nahmen 16.800 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren teil, bei denen zuvor keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt waren. Bei 57,1 Prozent der Teilnehmenden stellten die Forscher bereits Plaques in den Arterien fest. In der Altersgruppe der 60- bis 70-JĂ€hrigen lag dieser Anteil sogar bei 90 Prozent.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und Grenzen gÀngiger Risikomodelle

Die Auswertung der Daten verdeutlicht deutliche Unterschiede im zeitlichen Verlauf der Plaquebildung: MĂ€nner entwickeln die GefĂ€ĂŸablagerungen demnach fĂŒnf bis zehn Jahre frĂŒher als Frauen. Allerdings verzeichneten die Forscher bei Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr einen besonders starken Anstieg der Plaquemenge.

Gleichzeitig stießen etablierte Diagnoseverfahren an ihre Grenzen. Herkömmliche Risiko-Scores erkannten laut der Studie nur einen kleinen Teil der Betroffenen mit einer solchen stillen Arteriosklerose.

Als mögliche kĂŒnftige Lösung schlugen die Wissenschaftler den Einsatz tragbarer Ultraschalltechnik vor, wozu jedoch weitere klinische Studien erforderlich seien. Studienleiter Borja Ibåñez betonte, dass sich die Erkrankung durch moderne AnsĂ€tze nun direkt vor dem Auftreten eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls erkennen lasse.

Dass GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen keineswegs erst im Seniorenalter beginnen, belegen auch weitere demografische Erhebungen: DĂ€nische Daten zeigen, dass bereits 1 von 13 Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren entsprechende Ablagerungen aufweist.

Bei den 60- bis 70-JĂ€hrigen weisen hingegen lediglich 1,9 Prozent der MĂ€nner und 8,1 Prozent der Frauen keinerlei Arteriosklerose auf. Wenn bei jĂŒngeren Erwachsenen im Alter von 30 bis 45 Jahren ausgeprĂ€gte Kalziumablagerungen in den Koronararterien vorliegen, geht dies mit einem deutlich erhöhten Risiko fĂŒr einen vorzeitigen Tod aus verschiedenen Ursachen einher.

Neue AnsÀtze zur Diagnostik und Risikobewertung

Neben Ultraschallverfahren kommen bildgebende Verfahren und KI-Modelle zum Einsatz, um kardiovaskulĂ€re Risiken frĂŒher zu erfassen. Ein CAC-Scan mittels Computertomografie dauert etwa zehn Minuten und kostet rund 100 US-Dollar. Er macht kalzifizierte Plaques in den HerzkranzgefĂ€ĂŸen sichtbar.

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Ein CAC-Wert von 0 ist meist mit einem niedrigeren Risiko verbunden, wĂ€hrend ein Wert von ĂŒber 100 fĂŒr einen möglichen Nutzen medikamentöser PrĂ€ventionsmaßnahmen spricht. Dies gewinnt vor allem vor dem Hintergrund Bedeutung, dass beispielsweise in den USA jĂ€hrlich ĂŒber 800.000 Menschen einen Herzinfarkt erleiden.

WÀhrend genetische Faktoren etwa die HÀlfte des kardiovaskulÀren Risikos erklÀren, belaufen sich die Behandlungskosten nach einem solchen Ereignis auf rund 50.000 US-Dollar.

Eine weitere Perspektive auf die Gewebebeschaffenheit lieferte eine Studie der UniversitÀt Porto unter Leitung von Jennifer Mancio, die im August im International Journal of Obesity publiziert wurde.

Bei der Analyse von Computertomografien von 1.736 Erwachsenen ohne bekannte Koronarerkrankung zeigte sich, dass eine heterogenere Fetttextur mit der Verkalkung der Koronararterien als Atherosklerose-Indikator assoziiert ist.

Nach Angaben von Mancio erfassen MessgrĂ¶ĂŸen wie der Body-Mass-Index oder der Taillenumfang lediglich die Fettmenge, nicht jedoch deren Beschaffenheit. Eine identische Fettmenge könne folglich mit unterschiedlichen Risikoprofilen einhergehen.

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Auf digitale Diagnostik setzt das Projekt Aitheroscope des Hospital Universitario Infanta Leonor in Madrid in Zusammenarbeit mit Horus ML, ĂŒber das im European Heart Journal – Digital Health berichtet wurde.

In einer Kohorte von 931 Personen ohne frĂŒhere kardiovaskulĂ€re Erkrankung, von denen 50,8 Prozent eine subklinische Atherosklerose aufwiesen, erreichte das Modell allein anhand von Netzhautbildern eine Genauigkeit von 0,80. Unter Hinzuziehung weniger klinischer Daten stieg dieser Wert auf 0,86. Das System erkannte 93,4 Prozent der Betroffenen und lieferte in ĂŒber 90 Prozent der FĂ€lle ein zuverlĂ€ssig negatives Ergebnis, wobei es sich besonders bei jĂŒngeren Personen sowie bei niedrigem oder mittlerem Risiko bewĂ€hrte.

ZusĂ€tzlich spielen vermeidbare Lifestyle-Faktoren eine erhebliche Rolle: Eine beim SEC26-Kongress der Spanischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie vorgestellte Beobachtungsstudie des Hospital ClĂ­nico Universitario Virgen de la Arrixaca und der Universidad CatĂłlica San Antonio de Murcia untersuchte 2.753 Patienten aus den Jahren 2021 bis 2025. Unter den Behandelten waren 17,5 Prozent (482 Personen) maximal 50 Jahre alt, 3,3 Prozent (91 Personen) höchstens 40 Jahre alt.

Bei den bis zu 50-JĂ€hrigen wurden bei 22 Prozent Drogen nachgewiesen, bei den unter 40-JĂ€hrigen lag dieser Anteil bei 39,1 Prozent. Der Tabakkonsum lag in der Gesamtschau bei 42 Prozent.

ReversibilitĂ€t durch frĂŒhe und intensivierte Therapien

Hinsichtlich der therapeutischen Möglichkeiten deuten klinische Ergebnisse darauf hin, dass GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen gestoppt oder sogar abgemildert werden können. Eine in JAMA Cardiology veröffentlichte Studie begleitete 104 dĂ€nische Herzpatienten ĂŒber einen Zeitraum von 18 Monaten.

WÀhrend eine Standardbehandlung mit 40 Milligramm Atorvastatin tÀglich die Arteriosklerose im Schnitt um 14 Prozent verringerte, erzielte eine intensivierte Behandlung mit 40 Milligramm Rosuvastatin kombiniert mit 10 Milligramm Ezetimib tÀglich eine Reduktion um 21 Prozent.

Bei 9 von 10 Patienten in dieser intensiv behandelten Gruppe ging die Verkalkung der Herzkranzarterien zurĂŒck; der fettige Plaqueanteil sank um rund 30 Prozent.

Martin BĂždtker Mortensen vom Aarhus UniversitĂ€tshospital erklĂ€rte dazu, dass Arteriosklerose bei einer aggressiven und frĂŒhzeitigen Behandlung teilweise reversibel sei und in einen stabilen, ungefĂ€hrlichen Zustand ĂŒberfĂŒhrt werden könne. Die intensivierte Medikation verursacht nach Angaben des Studienleiters monatliche Kosten von lediglich rund 25 Kronen.

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