Geflüchtete, Gesundheit

Geflüchtete und psychische Gesundheit: 990.000 Menschen brauchen Versorgung

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kommunen und Kliniken erweitern Beratungs- und Therapieangebote; weitere Einrichtungen sind für 2027 vorgesehen.
Ein heller, moderner Gemeinschaftsraum mit Sitzgelegenheiten in einem Kreis, der eine einladende und ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Lokale Einrichtungen, kommunale Netzwerke und Kliniken erweitern ihre ambulanten Beratungs- und Behandlungsangebote, um die psychosoziale Versorgung in den Gemeinden nachhaltig zu stärken.

Von offenen Informationsformaten und wohnortnahen Sprechstunden bis hin zu spezialisierten Praxisangeboten und baulichen Erweiterungen an Fachkliniken zeigen sich bundesweit verschiedene Ansätze, um Betroffenen den Zugang zu professioneller Unterstützung zu erleichtern.

Niedrigschwellige Beratung und offener Dialog vor Ort

Um Hemmschwellen abzubauen, setzen mehrere Regionen auf leicht zugängliche Formate direkt im Lebensumfeld der Bürger. In der emsländischen Gemeinde Geeste veranstaltete die Freiwilligenagentur EmslandCare gemeinsam mit Ehrenamtlichen der örtlichen Mittagstische aus Osterbrock, Geeste und Groß Hesepe eine Informationsveranstaltung zur psychosozialen Beratung, an der rund 90 Personen teilnahmen.

Im Rathaus Dalum bietet Franziska Fehnker vom Gesundheitsnetz Genial eG regelmäßige, kostenfreie und anonyme Sprechstunden an jeweils zwei Donnerstagen im Monat an; ein weiterer Vortrag ist dort für Januar geplant.

Im bayerischen Ochsenfurt informierten im Oktober 2026 das Gesundheitsamt Würzburg, die Volkshochschule, die Diakonie, die EUTB-Beratung sowie die Initiative Smarte Region über regionale Hilfsangebote. Der Anlass fand im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit statt, das seit 2006 aktiv ist.

Im Landkreis Osterholz initiiert der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreisgesundheitsamts ein neues Austauschformat: Am 29. Oktober 2026 startet im Guttemplerhaus in Osterholz-Scharmbeck ein Trialog, bei dem Betroffene, Angehörige und Fachkräfte ohne vorherige Anmeldung über persönliche Aspekte psychischer Gesundheit diskutieren können.

Neue ambulante Anlaufstellen in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren

Parallel zu den Beratungsdiensten entstehen neue ärztliche und psychotherapeutische Kapazitäten. Im baden-württembergischen Spaichingen hat das dortige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sein Leistungsspektrum um ambulante Psychotherapie für Erwachsene ab 18 Jahren erweitert.

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Behandlerin Miriam Sperling, die seit 2024 mit der Schmerzmedizin am Klinikum Landkreis Tuttlingen verbunden ist, bietet dort verhaltenstherapeutische Behandlungen sowie klinische Hypnose nach MEG-Standards an.

Zudem ist eine Kooperation mit dem Adipositaszentrum vorgesehen. Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde werden nach Vereinbarung sowie über die Terminservicestelle 116 117 koordiniert.

In Burglengenfeld eröffnete Anfang Oktober 2026 eine von einem Ärztepaar geführte Fachpraxis im Naabtal-Park. Das Team um Dr. Benedikt Kretner deckt neurologische Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose und Epilepsie ebenso ab wie psychische Störungen und Altersmedizin.

Erweiterung bestehender Klinikstrukturen

Auch stationäre Träger reagieren auf den Versorgungsbedarf. Die Günztalklinik Obergünzburg der Bezirkskliniken Schwaben, die im Oktober 2016 den Betrieb aufnahm, beging 2026 ihr zehnjähriges Bestehen mit der Fertigstellung eines Erweiterungsbaus.

Das Vorhaben umfasste 24 neue Einzelzimmer sowie Therapie- und Funktionsräume, kostete zehn Millionen Euro und wurde vollständig aus Eigenmitteln bestritten. Die ärztliche Leitung übernahm bereits im Juni Dr. Matthias Wagner.

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In Donaueschingen blickte die MEDICLIN Klinik am Vogelsang auf zehn Jahre Transkulturelle Psychosomatik unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan zurück. Die Einrichtung hält muttersprachliche Behandlungen auf Türkisch, Kurdisch und Arabisch vor.

Kizilhan wies in diesem Rahmen auf bundesweite Engpässe hin: Rund 990.000 Geflüchtete hätten in Deutschland potenziellen Versorgungsbedarf, während bestehende Zentren jährlich nur etwa 30.000 Menschen erreichten und Wartezeiten durchschnittlich über sechs Monaten lägen. Er sprach sich für verstärkte transkulturelle Ausbildungsinhalte sowie den Einsatz professioneller Dolmetscher aus.

Zusätzliche Kapazitäten sind bereits für die nahe Zukunft projektiert. Die Fachklinik St. Elisabeth in Lahnstein plant für das erste Quartal 2027 die Eröffnung einer neuen Akutstation mit 20 Betten für ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen, wofür rund 20 neue Stellen entstehen.

Am Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt soll ab Frühjahr 2027 ein neues Praxisgebäude für rund 18 Millionen Euro errichtet werden, das unter anderem eine psychiatrische Tagesklinik und eine Ambulanz beherbergen wird.

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