Gefühlsregulation, Gehirnscans

Gefühlsregulation: 2.175 Gehirnscans stellen gängige Lehrmeinung infrage

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 2.175 Personen zeigt: Einzelne Hirnsignale spiegeln den Erfolg beim Umgang mit Gefühlen nicht wider.
Abstrakte Darstellung neuronaler Vernetzungen als leuchtende Lichtfäden vor einem dunklen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Gängige Lehrmeinungen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns bei der Bewältigung von Emotionen geraten durch neue wissenschaftliche Untersuchungen ins Wanken. Eine internationale Forschungsarbeit unter Beteiligung der Universität Innsbruck hinterfragt fundamentale Grundsätze der Neurowissenschaften bezüglich der Gefühlsregulation.

Die Ergebnisse rücken dabei zugleich die Relevanz emotionaler Intelligenz in ein verändertes Licht, wie orf.at in einem Bericht vom 1. November 2026 darlegte.

Umfassende Datenauswertung widerlegt isolierte Aktivierungsmarker

Über viele Jahre galt in der Gehirnforschung die Annahme, dass bestimmte Aktivitäten in vorderen Hirnbereichen direkten Aufschluss darüber geben, wie effektiv emotionale Zustände kontrolliert und gesteuert werden können.

Um diese These auf den Prüfstand zu stellen, analysierte das internationale Forschungsteam die Daten funktioneller Magnetresonanztomografien (fMRT) von 2.175 Personen, die aus insgesamt 40 verschiedenen wissenschaftlichen Studien zusammengetragen worden waren.

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Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der Prozess der sogenannten kognitiven Neubewertung. Hierbei versuchen Probanden, emotional belastende Situationen mental umzudeuten, um deren affektive Wirkung abzuschwächen.

Die Auswertung der umfangreichen Bildgebungsdaten lieferte ein überraschendes Resultat: Die gemessene Stärke der präfrontalen Aktivierung während dieses mentalen Prozesses ließ keinerlei Rückschlüsse auf die tatsächliche Fähigkeit der einzelnen Personen zu, ihre Gefühle erfolgreich zu regulieren. Damit zeigt sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen der bloßen Signalstärke in bildgebenden Verfahren und dem tatsächlichen regulatorischen Erfolg.

Geleitet wurde das Forschungsprojekt gemeinschaftlich von Maurizio Sicorello und Jenny Zähringer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim sowie von Carmen Morawetz von der Universität Innsbruck.

Relevanz für klinische Forschung und therapeutische Ansätze

Die Erkenntnisse besitzen weitreichende Implikationen für künftige neurowissenschaftliche und psychiatrische Fragestellungen. Studienleiterin Carmen Morawetz von der Universität Innsbruck verdeutlichte in diesem Zusammenhang, dass der präfrontale Cortex für die Emotionsregulation keineswegs unwichtig sei.

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Allerdings greife der wissenschaftliche Ansatz zu kurz, einzelne Hirnareale isoliert als verlässliche biologische Marker zu betrachten. Dies gelte insbesondere für Fragestellungen innerhalb der klinischen Forschung.

Die Fixierung auf einzelne neuronale Indikatoren erweist sich den Ergebnissen zufolge als unzureichend, um komplexe psychische Vorgänge wie das Steuern von Gefühlen vollumfänglich zu verstehen. Stattdessen gewinnt das Zusammenspiel breiterer Netzwerke und individueller Faktoren der emotionalen Intelligenz an Bedeutung.

Für künftige Forschungsansätze und therapeutische Interventionen verdeutlicht die Untersuchung, dass isolierte physiologische Messgrößen im Gehirn nicht unkritisch mit der praktischen psychischen Bewältigungskompetenz eines Menschen gleichgesetzt werden dürfen.

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