Gehirn-Immunsystem: Austausch der Mikroglia ab 50 Jahren entdeckt
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende der Stanford University haben erstmals nachgewiesen, dass Blutstammzellen ab dem mittleren Lebensalter die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Die am 30. Juli in Nature veröffentlichte Studie zeigt: Die eingewanderten Zellen entwickeln sich zu Mikroglia, den Immunzellen des Gehirns. Damit verändert sich die Zusammensetzung des zerebralen Immunsystems grundlegend.
Austauschprozess im Hippocampus entdeckt
Eine zweite Studie, veröffentlicht am 7. August in Science, bestätigt den Befund anhand von Gewebeproben von 40 Verstorbenen. Der Austausch findet demnach besonders im Hippocampus zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr statt. Die ursprünglichen Mikroglia werden dabei durch Zellen ersetzt, die ein entzündlicheres Profil aufweisen.
Besonders bemerkenswert: Dieses Phänomen scheint spezifisch für den Menschen zu sein. Vergleichbare Studien an Mäusen oder Primaten zeigten diesen Effekt nicht.
Was bedeutet das für die Alzheimer-Forschung?
Die einwandernden Zellen zeigen eine höhere Entzündungsneigung – ein möglicher Zusammenhang mit der Entstehung von Alzheimer liegt nahe. Fachleute erhoffen sich neue Ansätze für Immuntherapien, die gezielt auf diese Zellpopulationen einwirken.
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Parallel liefert eine Phase-3-Studie zum Wirkstoff Donanemab Hoffnung: Bei früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit verlangsamte das Medikament den kognitiven Abbau. Nach 18 Monaten maßen die Forschenden eine Reduktion von 0,7 Punkten auf der CDR-SB-Skala, nach 36 Monaten sogar 1,1 Punkte im Vergleich zur Kontrollgruppe.
3D-Modell aus München eröffnet neue Testmöglichkeiten
Die LMU München geht einen anderen Weg: Forschende entwickelten ein neuartiges 3D-Gewebemodell aus Stammzellen, das Neuronen, Astrozyten und Mikroglia bildet. Wie in Nature Neuroscience vom 7. August berichtet, ließen sich darin Amyloid-Aggregate erzeugen – und anschließend mit medikamentösen Ansätzen wieder auflösen.
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Weitere Faktoren der Hirnalterung
Auch andere Forschungsarbeiten liefern neue Puzzle-Stücke:
- Protein DIP-?: Eine Studie an Fruchtfliegen in eLife (6. August) deutet darauf hin, dass das Oberflächenprotein auf Gliazellen Alterungsprozesse verlangsamt. Künstlich erhöhte Produktion verlängerte die Lebensspanne der Tiere – ob sich das auf Menschen übertragen lässt, ist offen.
- Metformin-Effekt: Das Diabetesmittel wirkt offenbar direkt im Hypothalamus. In Mäusestudien senkte der Wirkstoff den Blutzucker über die Hemmung des Proteins Rap1 – ein Hinweis auf die zentrale Steuerung des Stoffwechsels durch das Gehirn.
Die neuen Erkenntnisse rücken die Interaktion zwischen peripherem Immunsystem und Gehirn in den Fokus. Ein Projekt in Leipzig will diese Themen nun einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen: Seit Anfang August vermitteln grafische Darstellungen im öffentlichen Raum aktuelle Aspekte der Hirnforschung.
