Gelenkschmerzen: Stanford-Forscher hemmen Alterungsenzym erfolgreich
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Bandscheibenvorfällen, Arthrose und chronischen Muskel-Gelenk-Schmerzen wird zunehmend eine Behandlungsmethode diskutiert, die auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt: die Ozontherapie.
Prof. Dr. ?rfan Koca, Facharzt fĂĽr Physikalische Medizin und Rehabilitation, berichtet ĂĽber ein steigendes Interesse an dieser Methode bei geeigneten Patienten mit Beschwerden im Lenden- und Halswirbelbereich sowie bei Osteoarthrose und myofaszialen Schmerzen mit Triggerpunkten.
Verschiedene Anwendungsformen
Laut Koca kommt die Ozontherapie in unterschiedlichen Formen zum Einsatz: lokal, intraartikulär – also direkt ins Gelenk –, an Muskeln beziehungsweise Triggerpunkten sowie systemisch in Form der sogenannten Majör-Ozontherapie. Bei Bandscheibenvorfällen sei zudem unter bestimmten Voraussetzungen eine intradiskale Ozon-Injektion unter Bildgebung möglich, so der Mediziner.
Ein standardisiertes Behandlungsschema existiert nach Kocas Angaben allerdings nicht. Die Zahl der notwendigen Sitzungen richte sich individuell danach, wie der jeweilige Patient auf die Therapie anspreche. Grundsätzlich gelte die Behandlung als meist gut verträglich, wobei vorübergehende Beschwerden auftreten können.
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Nicht angezeigt sei die Ozontherapie hingegen bei fortschreitenden neurologischen Befunden. Koca betont, dass die Anwendung bei muskuloskelettalen Erkrankungen individuell geplant werden mĂĽsse und die korrekte Auswahl der Patienten entscheidend fĂĽr den Erfolg sei.
Was die Studienlage zeigt
Die wissenschaftliche Bewertung der Methode fällt differenzierter aus als das öffentliche Interesse vermuten lässt. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026, die 16 randomisierte Studien mit insgesamt 1.172 Patienten zur Knie-Osteoarthrose auswertete, kommt zu dem Ergebnis, dass intraartikuläres Ozon kurzfristig zu einer Verbesserung von Schmerz und Funktion führen kann.
Nach einigen Monaten ließ dieser Effekt jedoch nach – die Langzeit-Evidenz gilt demnach als schwach. Eine ebenfalls 2026 veröffentlichte Umbrella Review stuft die Sicherheit der vorliegenden Evidenz zur Ozontherapie insgesamt als niedrig bis sehr niedrig ein.
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Ähnlich zurückhaltend äußert sich die Cochrane Collaboration zu einer verwandten Therapieform, den Stammzelleninjektionen bei Knie-Osteoarthrose. Auch hier zeigt sich kurzfristig eine leichte Verbesserung von Schmerz und Funktion, allerdings bei geringer Evidenzsicherheit. Welchen Effekt die Behandlung auf die Lebensqualität der Betroffenen hat, bleibt laut Cochrane unklar.
Die Leitlinien der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) empfehlen, nicht-chirurgische Behandlungsoptionen stets patientenindividuell zu bewerten. Die Therapieentscheidung solle sich nach Alter, Krankheitsgrad, Schmerzintensität und Beweglichkeit richten – ein pauschaler Verzicht auf eine Operation wird nicht empfohlen.
Forschung an alternativen Ansätzen
Parallel zur Debatte um Ozon und Stammzellen wird an grundlegend anderen Verfahren zur Knorpelregeneration geforscht. Forscherinnen um Helen Blau und Nidhi Bhutani von der Stanford Medicine berichten, dass eine Injektion, die das Alterungsenzym 15-PGDH hemmt, bei alten Mäusen den Gelenkknorpel regenerierte.
An menschlichem Knorpelgewebe aus Knieoperationen habe sich bereits nach einer Woche erstes neues Knorpelgewebe gebildet. Bei Mäusen mit einer Verletzung, die einem Kreuzbandriss ähnelt, verhinderte der Ansatz die Entstehung von Arthrose zu rund 50 Prozent und ließ belastbaren hyalinen Knorpel entstehen.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht; ein verwandter Wirkstoff in Tablettenform befindet sich den Forschenden zufolge bereits in klinischer Erprobung gegen altersbedingte Muskelschwäche.
Der Forschungsbedarf im Bereich Gelenkerkrankungen bleibt angesichts der Fallzahlen erheblich: Allein in den USA werden nach Angaben der Stanford-Forschenden jährlich mehr als 700.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Suche nach wirksamen, nicht-operativen Behandlungsalternativen – von der Ozontherapie bis zu neuen molekularen Ansätzen – vorerst Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Auseinandersetzung bleiben.
