Gemini Robotics 2: Google macht Roboter deutlich autonomer
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google DeepMind bringt mit Gemini Robotics 2 eine neue Generation künstlicher Intelligenz auf den Markt – und macht Roboter damit deutlich eigenständiger. Der US-Konzern stattet damit auch den Vierbeiner Spot von Boston Dynamics aus, der künftig komplexe Industrieinspektionen autonom bewältigen soll.
Die am 30. Juli gestartete Software-Suite markiert einen wichtigen Schritt in der Robotik-Entwicklung. Erstmals kombiniert DeepMind dabei fortschrittliche Entscheidungsfindung mit präziser Motorsteuerung in einem kommerziell verfügbaren Paket. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich damit neue Möglichkeiten in der Fabrikautomation – ein Bereich, in dem hiesige Firmen wie Siemens oder Kuka bislang weltweit führend sind.
Drei Modelle fĂĽr unterschiedliche Aufgaben
Die neue Suite besteht aus drei spezialisierten Komponenten. Das Gemini Robotics ER 2 fungiert als strategische Planungsinstanz – quasi das „Gehirn“, das mehrstufige Aufgaben orchestriert und komplexe Entscheidungen trifft. Ergänzt wird es durch sogenannte Vision-Language-Action-Modelle (VLA), die für die direkte Motorsteuerung zuständig sind. Ein drittes Modell läuft direkt auf der Hardware und ermöglicht eine schnelle Anpassung an neue Geräte.
Bei Boston Dynamics kam zunächst die ältere Version ER 1.6 zum Einsatz. Ende August soll diese jedoch vollständig durch die leistungsfähigere ER-2-Architektur ersetzt werden. Der Umstieg verspricht besseres logisches Denken und eine zuverlässigere Interaktion mit nicht standardisierten Industrieanlagen.
Spot wird zum eigenständigen Inspektor
Die Integration verändert den Einsatzbereich des vierbeinigen Roboters grundlegend. Statt starr programmierter Patrouillen kann Spot nun eigenständig Leckagen erkennen, analoge Messinstrumente ablesen und Gefahrenquellen identifizieren – ganz ohne menschliche Anweisung.
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Besonders beeindruckend: Der Roboter nutzt Google Search und andere digitale Werkzeuge, um Informationen zu verifizieren. Zeigt ein Messgerät einen ungewöhnlichen Wert, gleicht das System die Daten ab und ermittelt selbstständig die nächsten Schritte. Das dürfte vor allem in Anlagen interessant sein, in denen menschliche Inspektionen gefährlich oder schwer zugänglich sind.
Deutliche Fortschritte bei Geschicklichkeit
Die Testwerte der neuen Suite können sich sehen lassen. Beim Glühbirnen-Wechsel – einer Aufgabe, die Industrierobotern seit jeher Schwierigkeiten bereitet – erreichte das VLA-Modell eine Erfolgsquote von 92 Prozent. Beim Aufnehmen von Gegenständen aus Regalen waren es 76 Prozent, beim Abräumen von Tischen 68 Prozent.
Auch bei der Planung überzeugt das System: 91,3 Prozent Genauigkeit bei der Erkennung entscheidender Momente, mit einer mittleren Abweichung von weniger als einer Sekunde. Bei der Fortschrittsklassifizierung – also der Fähigkeit zu erkennen, wie weit eine mehrstufige Aufgabe gediehen ist – erzielte das Modell 57,4 Prozent.
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Roboter im Team
Ein weiteres Highlight: Die Suite ermöglicht koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Roboter. In Vorführungen arbeiteten der humanoide Roboter Apollo 2 von Apptronik, der Franka F3 Duo und Bostons Spot als eingespieltes Team. Der ER 2 verteilt dabei Aufgaben basierend auf den physischen Stärken und Werkzeugen jedes einzelnen Roboters.
Sicherheit als Kernprinzip
Angesichts zunehmend autonomer Systeme hat DeepMind auch einen neuen Sicherheitsstandard eingeführt. Der ASIMOV-Agentic-Benchmark testet Risiken im Umgang mit autonomen Agenten. Die Modelle stoppen sofort, wenn sich Menschen in unmittelbarer Nähe befinden. Bei unklaren Anweisungen oder unbekannten Umgebungen pausiert das System und fordert menschliche Unterstützung an.
Entwickler und Industriepartner können die Gemini-Robotics-2-Suite über die Gemini-API und AI Studio nutzen. Für Großkunden gibt es zudem eine Enterprise-Vorschau. Zu den ersten Anwendern zählen Apptronik, Agile Robots und Boston Dynamics – mehr als 100 Tester arbeiten bereits mit der Plattform.
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