GemĂŒse-Mangel: 87,4% der Deutschen verfehlen die Richtmarke
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verschiedene ernĂ€hrungswissenschaftliche Ratgeber und Fachleute befassen sich zunehmend mit Methoden zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens. Im Fokus stehen dabei ausgewogene ErnĂ€hrungsweisen, darunter das sogenannte 80/20-Prinzip, funktionale Konzepte fĂŒr Sportlerinnen und Sportler sowie spezifische ErnĂ€hrungsempfehlungen zur Linderung von zyklusbedingten Beschwerden.
Empfehlungen der Fachgesellschaften und Verzehrgewohnheiten
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt eine ErnĂ€hrungsweise, die zu 75 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht. TĂ€glich sollten demnach drei Portionen GemĂŒse (400 Gramm) und zwei Portionen Obst (250 Gramm) verzehrt werden, ergĂ€nzt um vier Portionen Getreideprodukte, drei Portionen Milchprodukte sowie zwei Portionen essenzielle FettsĂ€uren und 1,5 Liter FlĂŒssigkeit.
Beim Fleischkonsum rĂ€t die DGE zu maximal 300 Gramm pro Woche, bei Fisch zu ein bis zwei Portionen pro Woche sowie tĂ€glich zu etwa 20 Gramm NĂŒssen. SĂŒĂigkeiten sollten maximal 150 Kilokalorien pro Tag ausmachen, was etwa vier Schokoladenquadraten entspricht, wĂ€hrend fĂŒr ungekochte Pasta eine PortionsgröĂe von 75 Gramm pro Person empfohlen wird.
FĂŒr Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren lauten die Richtwerte auf etwa 300 Gramm GemĂŒse und 250 Gramm Obst pro Tag, 0,9 Gramm EiweiĂ pro Kilogramm Körpergewicht, 70 Gramm Fisch pro Woche sowie 120 Mikrogramm Jod pro Tag.
DemgegenĂŒber stehen die tatsĂ€chlichen Konsummuster in Deutschland: Frauen nehmen tĂ€glich im Schnitt 270 Gramm Obst und 129 Gramm GemĂŒse zu sich, MĂ€nner verzehren 222 Gramm Obst und 112 Gramm GemĂŒse. Rund 59 Prozent der Bevölkerung essen zu wenig Obst, und 87,4 Prozent verfehlen die Richtmarke von 400 Gramm GemĂŒse am Tag.
Rhythmus und NĂ€hrstoffauswahl im Alltag
Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln, plĂ€diert fĂŒr eine am Biorhythmus orientierte ErnĂ€hrung ohne strikte Verbote. Er rĂ€t dazu, morgens energiereich mit Kohlenhydraten zu frĂŒhstĂŒcken â maximal 1 bis 1,5 Stunden nach dem Aufstehen â, mittags vitalstoffreich zu essen und abends auf eiweiĂreiche Kost fĂŒr nĂ€chtliche Regenerationsprozesse zu setzen.
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Zwischen FrĂŒhstĂŒck und Mittagessen empfiehlt er einen Abstand von vier bis fĂŒnf Stunden und rĂ€t dazu, Zwischenmahlzeiten zur Stabilisierung des Insulinspiegels zu meiden.
Zu den besonders nÀhrstoffdichten Lebensmitteln zÀhlt Froböse unter anderem Haferflocken, bei denen 40 Gramm pro Tag bereits 90 Prozent des Tagesbedarfs an Mangan sowie 20 Prozent an Kupfer und Zink decken.
Cashewkerne enthalten 42 Gramm Fett, 270 Milligramm Magnesium und 450 Milligramm Tryptophan pro 100 Gramm. Chia-Samen bieten das FĂŒnffache an Kalzium im Vergleich zu Milch und liefern bei 15 Gramm bereits 5,6 Gramm Ballaststoffe.
Sport, Gewichtskontrolle und der Erhalt der Muskulatur
FĂŒr die Gewichtsregulierung wird ein moderates Kaloriendefizit von 300 bis 500 Kilokalorien pro Tag empfohlen, das einen Verlust von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche ohne ĂŒbermĂ€Ăige Stoffwechselbelastung ermöglicht.
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Ein Kilogramm Körperfett entspricht dabei rund 7.000 Kilokalorien. Zum Schutz vor Muskelabbau raten ErnÀhrungsexperten zu einer Proteinzufuhr von 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag kombiniert mit Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Der Fitnesstrainer Stefan Weissgerber rechnet vor, dass ein Kilogramm Muskulatur etwa 10 bis 13 Kilokalorien pro Tag verbrennt, wĂ€hrend ein Kilogramm Fett lediglich rund 4 Kilokalorien verbraucht. Der Aufbau von fĂŒnf Kilogramm Muskelmasse bei gleichzeitigem Verlust von fĂŒnf Kilogramm Fett steigert den tĂ€glichen Grundverbrauch somit nur um etwa 30 bis 45 Kilokalorien.
Zyklusbedingte Beschwerden und hormonelle Faktoren
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zyklusgesundheit von Frauen. Bis zu 70 Prozent leiden wÀhrend der Menstruation unter Beschwerden. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigte, dass rund 45 Prozent der 40- bis 49-JÀhrigen, etwa 60 Prozent der 30- bis 35-JÀhrigen und rund 70 Prozent der 18- bis 29-JÀhrigen unter Regelschmerzen litten.
Fast 90 Prozent der Betroffenen berichteten von mĂ€Ăigen bis starken BeeintrĂ€chtigungen. Mandy Mangler, GynĂ€kologin in Berlin, fĂŒhrt die Schmerzen auf Kontraktionen der GebĂ€rmutter durch Schmerzbotenstoffe zurĂŒck und verweist neben WĂ€rme und Bewegung auch auf NĂ€hrstoffe wie Magnesium, Vitamin B1, Vitamin B6 und Omega-3-FettsĂ€uren als unterstĂŒtzende MaĂnahmen.
Dem Trend des sogenannten Cycle Syncing â der Anpassung von Training und ErnĂ€hrung an den Menstruationszyklus â stehen Wissenschaftlerinnen differenziert gegenĂŒber. Jana Strahler, Professorin fĂŒr Sportpsychologie an der UniversitĂ€t Freiburg, betont, dass die Datenlage hierzu lĂŒckenhaft sei.
Da ZykluslĂ€ngen und der Zeitpunkt des Eisprungs erheblich schwanken, gebe es bisher keine wissenschaftlich belegten standardisierten TrainingsplĂ€ne fĂŒr die verschiedenen Phasen. LeistungsfĂ€higkeit hĂ€nge vielmehr von einem Zusammenspiel aus Schlaf, Stress, Erholung und ausgewogener ErnĂ€hrung ab.
