Gen Z unter Druck: 62% fühlen sich überfordert, 75% fürchten Altersarmut
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen Monaten spürbar verschärft. Während junge Arbeitnehmer der Generation Z lange Zeit als privilegierte Zielgruppe in einem Arbeitnehmermarkt galten, deutet die aktuelle Entwicklung auf einen grundlegenden Wandel hin. In Deutschland liegt die Erwerbslosenquote mittlerweile bei über 5 % und weist eine steigende Tendenz auf. Diese veränderten Rahmenbedingungen führen zu einem wachsenden psychischen Druck auf junge Erwerbstätige, da sich das Machtgefüge zunehmend zugunsten der Arbeitgeber verschiebt.
Rekordwerte bei stressbedingten Erkrankungen
Die psychischen Auswirkungen dieses veränderten Umfelds spiegeln sich deutlich in aktuellen Gesundheitsdaten wider. Laut Auswertungen der KKH für das Jahr 2025 erreichten arbeitsbedingte Belastungen in Deutschland einen neuen Höchststand. Demnach wurden 119 stressbedingte Krankheitstage je 100 Versicherte registriert, was einem Anstieg von 80 % im Vergleich zum Jahr 2017 entspricht, als dieser Wert noch bei 66 Tagen lag. Stress gilt mittlerweile als dritthäufigster Grund für Krankschreibungen.
Ergebnisse einer Jugendstudie der MetallRente aus dem Juni 2025 untermauern dieses Bild. Von den 2.500 befragten Personen im Alter von 17 bis 27 Jahren gaben 62 % an, sich überfordert zu fühlen. Neben der unmittelbaren Arbeitsbelastung spielen dabei auch finanzielle Sorgen eine wesentliche Rolle: 75 % der Befragten fürchten sich vor Altersarmut, und 54 % gaben an, bereits aktiv zu sparen. Das Durchschnittsgehalt in der Altersgruppe der 18- bis 28-Jährigen beläuft sich laut den Studiendaten auf 38.856 Euro brutto pro Jahr, was monatlich 3.238 Euro entspricht.
Diskrepanz zwischen Sinnsuche und ökonomischer Realität
Internationale Untersuchungen zeigen eine ähnliche Tendenz. Eine Harvard-Studie verdeutlicht, dass 70 % der Angehörigen der Generation Z von Angstzuständen oder Depressionen berichten. Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen beruflichen Idealen und der Realität: Während 79 % eine Tätigkeit anstreben, in der sie anderen Menschen helfen können, gaben nur 56 % an, tatsächlich in einem solchen Bereich zu arbeiten. Die wirtschaftliche Notwendigkeit scheint dabei idealistische Ziele zunehmend zu verdrängen. Laut der Studie würden 46 % der Befragten für ein doppeltes Gehalt eine Stelle annehmen, die sie als weniger sinnvoll erachten.
Gleichzeitig verändern sich die Karrierestrategien. Eine Umfrage von KPMG unter 900 Praktikanten ergab, dass die Karriereentwicklung mittlerweile der wichtigste Faktor bei der Arbeitgeberwahl ist und damit Aspekte wie die Work-Life-Balance oder das Gehalt überholt hat. Rund 93 % der Befragten streben eine Position im Top-Management an. Als Schlüsselqualifikation für diesen Aufstieg identifizierten 76 % die Fähigkeit zum kritischen Denken.
Die Sorge vor Altersarmut ist bei der Gen Z weit verbreitet – 75% der 17- bis 27-Jährigen teilen sie. Doch wer jetzt die richtigen Schritte geht, kann aktiv gegensteuern. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit einfachen Methoden stressfrei sparen und Ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Jetzt kostenlosen Guide anfordern
Rückläufige Einstellungszahlen und strukturelle Hürden
Der Einstieg in das Berufsleben gestaltet sich für junge Menschen derweil objektiv schwieriger. In Belgien sank der Anteil neuer Festverträge für unter 25-Jährige im ersten Quartal 2026 auf lediglich 0,49 %. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag dieser Wert noch bei 0,77 % und im Jahr 2025 bei 0,60 %. Dies geschieht trotz gestiegener Einstiegsgehälter, die in Belgien innerhalb von fünf Jahren um 22,8 % zunahmen; Universitätsabsolventen verdienen dort durchschnittlich 3.084 Euro brutto pro Monat.
Auch auf dem US-Arbeitsmarkt zeigen sich im Juli 2026 deutliche Bremsspuren mit einem Rückgang von 23.000 Stellen. Die Suche nach einer neuen Tätigkeit dauert dort im Schnitt fast sechs Monate. Besonders prekär ist die Lage für junge Berufseinsteiger ohne Erfahrung (20 bis 24 Jahre), deren Arbeitslosenquote im zweiten Quartal 2026 bei 8,7 % lag – der höchste Stand seit 2016. Die Nachfrage nach unerfahrenen Kräften sank in diesem Zeitraum um 3,2 %.
Regionale Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt
In Deutschland zeigt sich auf dem Ausbildungsmarkt ein gemischtes, aber tendenziell rückläufiges Bild. Die IHK Aachen registrierte 2.566 neue Ausbildungsverträge, was einem Rückgang von 13,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ähnliche Entwicklungen meldete das mittlere Ruhrgebiet mit einem Minus von 11 %. Während Unternehmen dort teilweise weniger ausbilden, bei gleichzeitig steigendem Bewerberinteresse, gibt es Ausnahmen wie den Maschinenbauer Vogelsang, der seine Azubi-Zahl von acht auf zehn erhöhte.
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Im Gegensatz dazu verzeichnete die IHK Hannover im Landkreis Göttingen einen Anstieg der Verträge um 9,6 %. Dennoch konnten dort wie auch in anderen Regionen über die Hälfte der Betriebe nicht alle Plätze besetzen, da Angebot und Nachfrage oft nicht zusammenfinden. In Nordrhein-Westfalen insgesamt sank die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse um 9,3 % auf 42.662.
Diese Daten verdeutlichen, dass der früher oft zitierte Arbeitnehmermarkt in vielen Bereichen einem Arbeitgebermarkt gewichen ist. Für die Generation Z bedeutet dies, dass wieder verstärkt zusätzliche Anstrengungen gefordert sind, um sich in einem härter werdenden Umfeld zu behaupten.
