General Motors: Eyes-off-Fahren soll ab 2028 auch Benzin-SUVs erreichen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deGeneral Motors richtet seine Strategie für das automatisierte Fahren neu aus und blickt dabei über den reinen Autobahneinsatz hinaus. Langfristig peilt der US-Automobilkonzern einen Betriebsmodus an, in dem Fahrzeuge alltägliche Erledigungen wie Einkäufe oder den Weg zur Wäscherei vollkommen ohne Insassen an Bord bewältigen können. Dieser sogenannte Mission Mode soll die nächste Entwicklungsstufe darstellen, nachdem das Unternehmen den Start für ein System ankündigte, bei dem Fahrer auf Schnellstraßen sowohl die Hände vom Lenkrad als auch die Augen vom Verkehrsgeschehen abwenden dürfen.
Die Einführung dieser sogenannten Eyes-off-Technologie beginnt nach Konzernangaben im Jahr 2028 im Cadillac Escalade IQ. Anschließend soll das System nicht nur in der vierten Elektrofahrzeug-Generation und bei dreireihigen Crossovern zum Einsatz kommen, sondern auch auf volumenstarke Verbrennermodelle wie große Benzin-SUVs und leichte Pickups einschließlich des Chevrolet Silverado ausgeweitet werden. Spezifische Modelljahre für die benzinbetriebenen Fahrzeuge nannte General Motors noch nicht.
Verzicht auf klassische Übergabephasen
Bei der technischen Umsetzung schlägt das Unternehmen einen eigenständigen Pfad ein. Der Chefproduktoffizier von General Motors, Sterling Anderson, stellte klar, dass der Konzern keine herkömmliche Autonomie nach SAE-Level 3 anstrebe.
Stattdessen überspringe man die Übergabephase dieser Stufe zugunsten eines Systems, das ohne kontinuierliche menschliche Aufsicht auskommt. Zwar hatte General Motors zuvor das Projekt Cruise eingestellt, arbeitet laut Rashed Haq, dem Vizepräsidenten für autonome Fahrzeuge, jedoch weiterhin an Level-4-Lösungen mit Schwerpunkt auf Sicherheit und Fahrpraxis.
Wer sich mit dem technologischen Wandel der Automobilindustrie befasst, erkennt schnell das enorme Potenzial von Robotik und Künstlicher Intelligenz. Dieser kostenlose Report gibt Einblicke in die Unternehmen, die von den Milliarden-Investitionen in diese Zukunftstechnologien profitieren. Robotik und KI: So erkennen Sie die Profiteure der neuen Industrieära
Zunächst soll das freihändige Fahren ohne Blickkontakt auf Autobahnen freigeschaltet werden, bevor das Einsatzgebiet schrittweise auf Strecken abseits der Highways erweitert wird. Was die Nutzung des Systems für Kunden kosten wird, ließ das Unternehmen bislang offen. Auch ein genauer Zeitplan für den breiten Rollout über die ersten angekündigten Modelle hinaus steht noch nicht fest.
Massive Rechenleistung und Sensorik
Technologisches Herzstück ist eine neu vorgestellte flüssigkeitsgekühlte zentrale Rechnereinheit, die am 21. Oktober 2026 präsentiert wurde. Sie verfügt über rund das Vierzigfache der Rechenleistung heutiger GM-Fahrzeuge und bündelt die Steuerung von Autonomie, aktiver Sicherheit, Fahrwerk und Antrieb für Verbrenner sowie Stromer gleichermaßen.
Verbunden wird das System über zonale Steuergeräte und Hochgeschwindigkeits-Ethernet. Diese Struktur erlaubt eine 36-mal höhere Datenübertragung, spart jeweils 30 Prozent an Kabellänge sowie Kabelmasse ein und beschleunigt die Mobilfunkanbindung um bis zu 50 Prozent.
Der technologische Umbruch in der Industrie führt dazu, dass traditionelle Abläufe durch KI-gestützte Systeme grundlegend verändert werden. Erfahren Sie in diesem Spezialreport, welche Firmen die industrielle Revolution im Jahr 2026 wirklich vorantreiben und welche Namen hinter diesem Wandel stehen. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen
Für die Absicherung setzt der Konzern auf umfassende Redundanzen bei Lenkung, Bremsen und der 12-Volt-Bordnetzversorgung sowie auf eine Sensor-Kombination aus Kameras, Radar und LiDAR. Nach Angaben von Vorstandschefin Mary Barra legten Vorserienfahrzeuge innerhalb von acht Monaten über fünf Millionen Meilen beziehungsweise 8,0 Millionen Kilometer auf Straßen in den USA zurück.
Zugleich speist sich die Softwarebasis aus mehr als 1,2 Milliarden Meilen, die Kunden bereits mit dem Vorgängersystem Super Cruise in fast 750.000 Fahrzeugen absolviert haben, nachdem der Wert im Vorjahr noch bei 700 Millionen Meilen lag.
Während das aktuelle Super Cruise ständige Wachsamkeit verlangt und über 750.000 Meilen vorkartierte Strecken nutzt, sammelt eine Flotte aus hunderten Spezialfahrzeugen monatlich etwa eine Million Meilen an Multisensordaten.
Zudem führt General Motors täglich Simulationen über mehr als drei Milliarden virtuelle Meilen durch, was bei einem Tempo von 50 Meilen pro Stunde einer rechnerischen Flottengröße von rund 2,5 Millionen Fahrzeugen entspricht.
