Genesungsbegleiter: Psychisch Erkrankte unterstĂŒtzen Patienten professionell
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der modernen psychiatrischen Versorgung gewinnt die Einbindung von Menschen mit eigener Krisenerfahrung, die sogenannten Genesungsbegleiter, zunehmend an Bedeutung. Dieses Modell, das auf dem Konzept des âExperienced Involvementâ (Ex-In) basiert, zielt darauf ab, die Perspektive der Betroffenen direkt in den klinischen Alltag zu integrieren.
WÀhrend der Einsatz von Peer-Support in der allgemeinen Psychiatrie bereits etabliert ist, zeigt sich nun auch in spezialisierten Fachbereichen wie der Gerontopsychiatrie eine verstÀrkte Professionalisierung dieses Ansatzes.
Qualifizierung und praktische Integration
Ein Beispiel fĂŒr diese Entwicklung findet sich in der gerontopsychiatrischen Versorgung in Nordrhein-Westfalen. Claudia Pohl schloss im August 2026 ihre offizielle Ausbildung zur Genesungsbegleiterin ab.
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Diese Qualifizierung folgt dem Curriculum des Ex-In-Programms, das Teilnehmer darauf vorbereitet, ihre persönlichen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen und deren BewĂ€ltigung methodisch aufzuarbeiten und anderen Patienten unterstĂŒtzend zur Seite zu stehen.
Die Integration in den Klinikbetrieb erfolgte in diesem Fall bereits deutlich vor dem formellen Ausbildungsabschluss. Claudia Pohl ist bereits seit zwei Jahren in der Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Viersen tÀtig.
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Dieser Zeitraum verdeutlicht, dass die praktische Einbindung von Genesungsbegleitern oft als langfristiger Prozess angelegt ist, bei dem die praktischen Erfahrungen auf der Station und die theoretische Ausbildung parallel verlaufen können.
In der Gerontopsychiatrie, die sich primÀr der Behandlung psychischer Erkrankungen im höheren Lebensalter widmet, stellen die FachkrÀfte und Begleiter oft komplexe Anforderungen fest, da hier psychische Symptome hÀufig mit altersbedingten körperlichen oder kognitiven EinschrÀnkungen einhergehen.
Klinische Bewertung des Modells
Die Akzeptanz der Genesungsbegleitung durch das medizinische Fachpersonal gilt als entscheidender Faktor fĂŒr den Erfolg des Ex-In-Modells. In der LVR-Klinik Viersen wird dieser Ansatz von der Ă€rztlichen Leitung unterstĂŒtzt. Chefarzt Dr. Strotmann-Tack bezeichnete die Genesungsbegleitung als eine wertvolle ErgĂ€nzung fĂŒr die Versorgung im Bereich der Gerontopsychiatrie.
Die Einbindung von Personen wie Claudia Pohl soll dabei helfen, eine BrĂŒcke zwischen dem medizinisch-pflegerischen Personal und den Patienten zu schlagen. Durch die eigene Historie können Genesungsbegleiter hĂ€ufig ein tieferes VerstĂ€ndnis fĂŒr die Ăngste und Vorbehalte der Patienten aufbringen, was insbesondere in der Arbeit mit Senioren, die oft unter Isolation oder dem Verlust von Autonomie leiden, von Bedeutung sein kann.
Ausblick auf die Peer-UnterstĂŒtzung im Gesundheitswesen
Die Entwicklung in Viersen steht exemplarisch fĂŒr einen trend innerhalb der psychiatrischen Versorgungslandschaft, Rollenbilder aufzubrechen und die Expertise von ehemals Betroffenen als festen Bestandteil der therapeutischen Teams zu etablieren. Die Ausbildung zur Genesungsbegleitung stellt dabei sicher, dass diese UnterstĂŒtzung nicht rein intuitiv, sondern auf Basis reflektierter Standards erfolgt.
FĂŒr KrankenhĂ€user und psychiatrische Einrichtungen bedeutet die Etablierung solcher Stellen jedoch auch einen organisatorischen Anpassungsprozess. Die Zusammenarbeit zwischen akademisch ausgebildetem Personal und Genesungsbegleitern erfordert klare Rollendefinitionen und eine offene Kommunikationskultur, um das Potenzial dieser ergĂ€nzenden Versorgungsform vollstĂ€ndig auszuschöpfen.
Experten beobachten in diesem Zusammenhang, dass die Gerontopsychiatrie durch die spezifischen BedĂŒrfnisse Ă€lterer Patienten ein wachsendes Einsatzfeld fĂŒr solche multiprofessionellen AnsĂ€tze darstellt.
