Gertrude Abercrombie: 30-Dollar-Gemälde erzielt über 1,35 Millionen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Traum von Nachlassjägern, in vermeintlich wertlosen Hinterlassenschaften vergessene Meisterwerke oder historische Kostbarkeiten aufzuspüren, fasziniert Sammler und Kunstinteressierte gleichermaßen. Immer wieder bestätigen spektakuläre Funde bei Entrümpelungen, auf Flohmärkten oder in privaten Nachlässen, dass kunsthistorisch bedeutende Werke über Jahrzehnte unentdeckt im Verborgenen überdauern können.
Millionengewinn mit einem 30-Dollar-Fund
Ein bemerkenswerter Fund ereignete sich im Juli 2026 im US-Bundesstaat Michigan. Bei einem Nachlassverkauf wurde ein Ölgemälde der Künstlerin Gertrude Abercrombie für lediglich 30 US-Dollar erworben. Das 20 mal 28 Zentimeter große Bild mit dem Titel „Alderman Merriam's Shells“ stammt aus dem Jahr 1951 und zeigt zehn Muscheln.
Die Kunsthistorikerin Susan Weininger von der Roosevelt University bestätigte die Echtheit der Arbeit, die anschließend von Julian Baumgartner restauriert wurde. Bei der darauffolgenden Versteigerung im Auktionshaus Freeman's lag der Schätzpreis zwischen 150.000 und 250.000 US-Dollar.
Der Hammer fiel schließlich bei über 1,35 Millionen US-Dollar. Dies markiert mehr als das Fünffache der oberen Schätzung und stellt einen neuen Auktionsrekord für Abercrombie dar, deren bisheriger Bestwert bei dem Werk „Message for Mercy“ lag, das 2025 für 1,02 Millionen US-Dollar versteigert worden war.
Das 1951 vollendete Gemälde galt fast 75 Jahre als verschwunden. In den Jahren 1952 und 1953 war es auf sechs Einzelausstellungen zu Preisen zwischen 50 und 150 US-Dollar unverkauft geblieben, ehe die Künstlerin es als Gegenleistung für medizinische Leistungen an einen Arzt in Kalamazoo im Bundesstaat Michigan übergab.
Skulpturenfund auf dem Schrottplatz
Wer sich mit dem Wert von Nachlässen befasst, erkennt schnell, wie wichtig eine rechtssichere Dokumentation für die eigene Familie ist. Dieser kostenlose Ratgeber bietet geprüfte Vorlagen für Testamente und Vorsorgedokumente, um Klarheit zu schaffen und Streitigkeiten zu vermeiden. Rechtssichere Nachlass-Vorlagen jetzt kostenlos herunterladen
Nicht nur in privaten Wohnräumen, auch an ungewöhnlichen Orten tauchen verloren geglaubte Arbeiten auf. In der englischen Grafschaft Wiltshire wurde auf einem Schrottplatz eine 68 Zentimeter hohe Marmorskulptur entdeckt und für umgerechnet 360 Euro veräußert. Der Finder blieb laut BBC anonym.
Recherchen ergaben, dass es sich um eine Maquette des Bildhauers Pietro Bracci handelt – ein vorbereitendes Modell für eine lebensgroße Bronzestatue von Papst Clemens XII., deren Original im Jahr 1798 eingeschmolzen worden war. Mark Yuan-Richards vom Auktionshaus Woolley and Wallis erklärte, das Werk sei zuvor lediglich durch einen alten Kupferstich bekannt gewesen.
Für eine Auktion in Salisbury am 8. Oktober 2026 wurde die Skulptur auf 5.000 bis 10.000 Pfund geschätzt. Experten halten allerdings deutlich höhere Gebote für möglich, da vergleichbare Stücke rund 200.000 Euro erzielten.
Zufallsfunde auf dem internationalen Kunstmarkt
Ähnliche Muster offenbaren sich bei Gemälden alter Meister. Der Dokumentarfilm „Ecce Homo – Der verlorene Caravaggio“ unter der Regie von Alvaro Longoria thematisiert die Wiederentdeckung einer Darstellung des gegeißelten Christus. Das Gemälde hing über lange Zeit in einer Madrider Wohnung und stand in einem spanischen Auktionshaus ursprünglich für 1.500 Euro zum Verkauf.
Über den Onlinekatalog aufmerksam gewordene Fachleute äußerten jedoch den Verdacht, es handle sich um einen echten Caravaggio. Nach der Sicherung durch ein Konsortium aus Kunsthändlern folgten eine eingehende Prüfung der Besitzgeschichte, eine Reinigung und Restaurierung sowie ein breiter Expertenkonsens über die Urheberschaft.
Schließlich ging das Werk an einen Privatsammler, verbunden mit der Auflage, es im Madrider Prado der Öffentlichkeit zu zeigen, wo es bis 2027 zu sehen ist. Solche Neubewertungen erinnern an die Versteigerung des Werks „Salvator Mundi“, das 2017 für 450 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte, wenngleich dessen Zuschreibung an Leonardo da Vinci umstritten bleibt.
Viele Menschen machen beim Thema Erben und Vererben kostspielige Fehler, die ihre Angehörigen belasten können. Ein kostenloser Report zeigt nun auf, wie Sie Ihren Nachlass unkompliziert regeln und dabei sogar erhebliche Summen an Steuern sparen können. Kostenlosen Report zur Nachlass-Vorsorge sichern
Geduld und Dokumentation als Werttreiber
Auch über Generationen hinweg entfalten Nachlassstücke oft erst spät ihren tatsächlichen Wort. Die Eltern einer Moderatorin des Formats Antiques Roadshow erwarben 1939 das Ölgemälde „The Drugstore“ von Joseph Kleitsch für 100 US-Dollar direkt von der Witwe des Malers, acht Jahre nach dessen Tod im Jahr 1931 im Alter von 49 Jahren. Das um 1925 entstandene Werk im Format von 40 mal 40 Zoll zeigt Rankin's Drugstore in Laguna Beach; der originale Kaufbeleg blieb erhalten.
Im Jahr 2014 bezifferte die Expertin Debra Force den Verkaufswert in New York auf eine Schätzung von 500.000 US-Dollar. 2016 kauften John und Patricia Dilks das Gemälde für einen nicht öffentlich genannten Preis, der Berichten zufolge bei über 500.000 US-Dollar lag. Das Werk wurde 2016 im Irvine Museum und 2023 im Laguna Art Museum präsentiert.
Dass verschollene Werke auch nach Jahrzehnten an ihren Ursprungsort zurückkehren können, zeigte sich zudem in Meckenbeuren bei Friedrichshafen: Dort hatte die katholische Gemeinde über 80 Jahre lang ein wertvolles Marienbild des oberschwäbischen Malers Fidelis Bentele vermisst, das nun wieder aufgefunden wurde.
