Gesang und Demenz: Wiener Studie prĂŒft Wirkung bei 100 Erkrankten ĂŒber 65
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Projekte zur Stimmbildung und wissenschaftliche Untersuchungen zur lebenslangen LernfĂ€higkeit verdeutlichen, welchen Stellenwert stimmliche und kognitive Aktivierung fĂŒr die mentale Gesundheit bis ins hohe Alter einnehmen. Aktuelle Forschungsinitiativen und Praxisprogramme zeigen, wie musikalisches Training die geistige VitalitĂ€t unterstĂŒtzen, Demenzerkrankungen vorbeugen und neue Lernprozesse anstoĂen kann.
Gesang und DemenzprÀvention im wissenschaftlichen Fokus
An der UniversitĂ€t Wien widmet sich das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Forschungsprojekt âMusik fĂŒr das GedĂ€chtnisâ unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui der Frage, ob Gesangsunterricht einer Alzheimer-Demenz vorbeugen kann. Die auf den Zeitraum von 2025 bis 2029 angelegte Untersuchung bindet 100 Personen im Alter von ĂŒber 65 Jahren ein, die an Alzheimer-Demenz erkrankt sind und keine musikalischen Vorkenntnisse besitzen.
Die Teilnehmenden an Standorten in Wien, Norwegen und Argentinien erhalten ĂŒber ein Jahr hinweg Gesangsunterricht, entweder einmal monatlich oder zweimal pro Woche. Die Forschenden analysieren mithilfe von Elektroenzephalografie (EEG) und Magnetresonanztomografie (MRT), wie sich das Gehirn im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe gleichen Alters verhĂ€lt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob neue Musik erlernbar bleibt und das musikalische GedĂ€chtnis andere kognitive Funktionen positiv beeinflusst, wobei gezielt neue Lieder einstudiert werden. FĂŒr das Vorhaben werden derzeit weitere Probanden gesucht.
Sensorische Bewegungskonzepte in der Pflege
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Neben der Gesangsstimme werden auch neue technische AnsĂ€tze zur Aktivierung erforscht. Ein Team um David Unbehaun an der UniversitĂ€t Siegen erhĂ€lt fĂŒr ein entsprechendes Projekt eine Förderung ĂŒber 199.000 Euro von der Alzheimer Forschung Initiative. Es handelt sich um das zweite Vorhaben innerhalb des seit 2025 bestehenden Förderschwerpunkts Pflegeforschung.
Die Wissenschaftler entwickeln elastische BÀnder mit integrierten Sensoren, die auf Bewegungen reagieren und Töne oder Musik erzeugen. Das niedrigschwellige Angebot soll Menschen mit Demenz in verschiedenen Krankheitsstadien aktivieren und kann von bis zu vier Personen gleichzeitig genutzt werden.
Die Erprobung findet gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen und PflegekrÀften in mehreren Pflegeeinrichtungen statt; zudem ist eine digitale Anwendung zur individuellen Anpassung geplant.
Praktische Stimmbildung fĂŒr ChorsĂ€nger
Neben musikalischen AktivitĂ€ten gibt es weitere wissenschaftlich fundierte Methoden, um die Konzentration und das GedĂ€chtnis nachhaltig zu stĂ€rken. In diesem kostenlosen Ratgeber erfahren Sie 11 praktische AlltagsĂŒbungen, mit denen Sie Ihr Gehirn aktiv trainieren und geistig fit bleiben können. Kostenlosen Gehirntraining-Guide hier herunterladen
Parallel zu den wissenschaftlichen Projekten entstehen Angebote zur Stimmförderung in der Praxis. Der Philharmonische Chor Augsburg öffnet seine StimmAkademie erstmals fĂŒr SĂ€ngerinnen und SĂ€nger aus Augsburg und Umgebung. Das Kursprogramm lĂ€uft bis zum Herbst 2027 und umfasst klassische Stimmbildung sowie Rhythmusarbeit nach der TaKeTiNa-Methode.
Am Samstag, 24. Oktober, stellt der Chor die Inhalte von 10 bis 14 Uhr bei einem kostenlosen Projekttag vor. Sechs Coaches, darunter Dozenten des Leopold-Mozart-College der UniversitĂ€t Augsburg und der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf, leiten die Workshops. Im Anschluss ist eine Anmeldung fĂŒr die begrenzten KursplĂ€tze möglich.
Musikalische Förderung ĂŒber die gesamte Lebensspanne
Dass musikalisches Training ĂŒber alle Altersgruppen hinweg wirkt, unterstreichen begleitende Bildungsstudien. An der UniversitĂ€t Karlstad untersuchte das von 2021 bis 2026 laufende Projekt âSinging for Health in School â A Matter of Social Concernâ unter Leitung von Pia BygdĂ©us die Effekte tĂ€glichen Singens bei 241 GrundschĂŒlern.
Nach einer fĂŒnfwöchigen Intervention mit tĂ€glich 15 Minuten Gesang an vier Tagen pro Woche zeigten sich positive Effekte auf Gemeinschaft, Gesundheit, Lernen und Sprachentwicklung. Laut BygdĂ©us singen rund 5 bis 6 Prozent der schwedischen Bevölkerung in Chören; das Abschlussseminar der Studie ist fĂŒr den 13. Oktober in Stockholm geplant.
Vor diesem Hintergrund binden die Kommune und Musikschule Karlstad im Herbst 2026 rund 600 ErstklĂ€ssler in tĂ€gliche Sing-Einheiten ein. Auch in Deutschland setzt sich die Breitenförderung fort: FĂŒr das Projekt âKlasse! Wir singenâ vom 12. bis 14. MĂ€rz 2027 in Meisenheim sind bereits 24 Schulen registriert, weitere Anmeldungen laufen bis zum 3. November.
