Gesunde, Küche

Gesunde Küche: Kärntner Gütesiegel zeichnet Ernährungskonzept für 31 Bewohner aus

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 14:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gemeinsames Kochen prägt das Verpflegungskonzept der Einrichtung; weitere Beispiele zeigen Chancen und wirtschaftliche Herausforderungen der Gemeinschaftsgastronomie.

Lebenswelt St. Antonius erhält Kärntens 67. Gütesiegel für gesunde Küche
Eine professionelle, helle Großküche in einer sozialen Einrichtung mit frischem Gemüse und Edelstahlarbeitsflächen. Illustration mit AI erstellt.

Die Sicherstellung einer hochwertigen Ernährung in sozialen Einrichtungen rückt verstärkt in den Fokus von Qualitätsmanagement und öffentlicher Gesundheitsförderung. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Lebenswelt St. Antonius in Spittal an der Drau, eine Einrichtung der Stiftung Liebenau. Diese erhielt im Rahmen der Kärntner Landesinitiative das 67. Gütesiegel „Gesunde Küche“.

Die Auszeichnung verdeutlicht den Trend, Ernährungsstandards nicht nur als administrativen Aspekt, sondern als integrativen Bestandteil des pädagogischen und lebensweltlichen Konzepts zu verstehen.

Partizipative Küchenkonzepte als Qualitätsmerkmal

In der Lebenswelt St. Antonius leben 31 erwachsene Personen mit Behinderung. Das dortige Verpflegungskonzept zeichnet sich durch einen hohen Grad an Partizipation aus: Die Klienten sind täglich aktiv an der Zubereitung der Speisen beteiligt und kochen gemeinsam mit der Küchenleitung für das gesamte Haus sowie das Personal. Diese enge Verzahnung von hauswirtschaftlicher Versorgung und pädagogischer Begleitung war maßgeblich für die Zertifizierung durch das Land Kärnten.

Gesundheitslandesrätin Beate Prettner überreichte die Urkunde an Küchenleiterin Nicole Oberrainer, Hausleiterin Kirsten Ratheiser und die pädagogische Leiterin Margit Ropatsch.

Die Einrichtung ist damit die 67. zertifizierte Institution in einem stetig wachsenden Netzwerk, das Kindergärten, Schulen, Pflegeheime und Kantinen umfasst. Solche Zertifizierungen dienen als Orientierungshilfe für die Umsetzung wissenschaftlich fundierter Ernährungsleitlinien in der Gemeinschaftsgastronomie.

Inklusion und regionale Wertschöpfung in der Praxis

Ähnliche Ansätze zur Verbindung von Gastronomie und sozialer Teilhabe zeigen sich auch in anderen Regionen. Im Bistro Weitblick des Alexianer Klinikums Hochsauerland in Arnsberg-Neheim wird seit Mitte September 2026 eine Zusammenarbeit mit der Caritas Werkstatt Arnsberg und dem ABZ Oeventrop umgesetzt.

Immer mittwochs unterstützen Beschäftigte der Werkstätten den Betrieb des barrierefrei erreichbaren Bistums. Das Angebot soll zudem um Produkte aus den Caritas-Werkstätten erweitert werden. Bis zum Jahresende ist eine Prüfung geplant, ob die Kooperation und die Öffnungszeiten, die derzeit werktags von 7:30 Uhr bis 14:00 Uhr liegen, ausgeweitet werden können.

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Parallel dazu gewinnen ökologische und regionale Kriterien an Bedeutung, wie das Forschungsprojekt „WissensWert regional“ unterstreicht. Das Projekt, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert wird, untersucht die Erfolgsfaktoren bioregionaler Ernährungssysteme.

Die Forscher identifizierten bereits zentrale Hürden für das Scheitern vieler Modellprojekte, darunter eine einseitige Risikoverteilung zulasten der Erzeugerbetriebe in Lieferverträgen sowie eine mangelnde Berücksichtigung ökologischer Kriterien in öffentlichen Ausschreibungen.

Fachliche Standards und Wettbewerb in der Institutionellen Verpflegung

Dass die institutionelle Verpflegung fachlich auf höchstem Niveau agieren kann, belegen Branchenwettbewerbe. Die Stiftung Solina aus Spiez gewann am 19. September 2026 mit einem dreiköpfigen Kochteam die SWISS SVG-Trophy im Verkehrshaus in Luzern.

In diesem Finale mussten die Köche Yannik Wagner, Felix Jund und Benjamin Kappeler ein 3-Gang-Menü für 60 Personen im eigenen Betrieb unter Zeitdruck zubereiten, was die Anforderungen an Effizienz und Qualität in der Heim- und Gemeinschaftsgastronomie unterstreicht.

Während einige Einrichtungen wie die Lebenswelt St. Antonius oder die Stiftung Solina auf Eigenregie und Zertifizierung setzen, führt der wirtschaftliche Druck in anderen Bereichen zu Konsolidierungen. Im Altenpflegeheim St. Elisabeth in Gammertingen wurde die eigene Küche geschlossen; die Verpflegung wird künftig durch Mariaberg übernommen.

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Steigende Anforderungen und wirtschaftlicher Druck führen dazu, dass Einrichtungen ihre eigene Küche schließen und die Verpflegung auslagern. Wer die Küche halten will, braucht ein tragfähiges Konzept — von regionaler Beschaffung bis zur Beteiligung der Bewohner. Die Checkliste zeigt, welche Stellschrauben zählen. Checkliste für Ihre Einrichtungsküche sichern

Die Entwicklungen im Herbst 2026 zeigen, dass die Gemeinschaftsverpflegung in sozialen Einrichtungen vor einer doppelten Herausforderung steht: Einerseits gilt es, durch Zertifizierungen und pädagogische Konzepte die Ernährungsqualität zu sichern, andererseits müssen stabile regionale Lieferketten und wirtschaftlich tragfähige Betriebsformen gefunden werden.

Experten und politische Entscheidungsträger, wie Umweltministerin Petra Berg und Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung beim Ernährungskongress in Saarbrücken im September 2026 betonten, sehen in der Verpflegung von Kitas, Schulen und Heimen eine zentrale Aufgabe der Prävention und der Bewusstseinsbildung.

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