Gesundheitsdaten, FTC

Gesundheitsdaten: FTC verklagt Telemedizin-Anbieter wegen 2,5 Millionen Verstöße

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 09:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Behörden verschärfen Aufsicht nach Datenschutzverstößen. Hims & Hers verklagt, neue Hackerwarnung und steigende Kosten belasten die Branche.

Hackerangriffe und Klagen: US-Gesundheitsbranche unter Druck
Leuchtendes digitales Sicherheitsschild über einem modernen Serverraum im Gesundheitswesen, das Datenschutz symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nach einer Serie schwerwiegender Datenschutzverstöße und gezielter Hackerangriffe haben US-Regulierungsbehörden die Aufsicht über die Gesundheitsbranche massiv verschärft.

Millionen Patienten betroffen: Klage gegen Telemedizin-Anbieter

Die US-Wettbewerbsbehörde FTC verklagte am 29. Juli gemeinsam mit den Behörden aus Utah und Kalifornien den Telemedizinanbieter Hims & Hers. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll Gesundheitsdaten von rund 2,5 Millionen Abonnenten ohne ausreichende Einwilligung an Meta und Snap weitergegeben haben.

Konkret setzte die Firma laut Klageschrift Tracking-Pixel und sogenannte Custom-Audience-Tools ein, um sensible Patientendaten an die Social-Media-Plattformen weiterzuleiten. Hinzu kommen Vorwürfe fragwürdiger Abrechnungspraktiken – Patienten sollen häufig vor der eigentlichen Konsultation zur Kasse gebeten worden sein. Auch die Kündigung von Abonnements gestaltete sich offenbar schwierig. Die Klage wurde auf Basis des FTC-Gesetzes eingereicht, nicht unter HIPAA. Die Aktie des Unternehmens brach nach Bekanntwerden um 16 Prozent ein.

Vishing-Angriffe: Hacker zielen auf Single-Sign-On-Zugänge

Eine separate Warnung des Gesundheits-Analysezentrums Health-ISAC vom selben Tag schlägt Alarm: Die Hackergruppe ShinyHunters setzt vermehrt auf Vishing – also sprachgestütztes Phishing –, um Single-Sign-On-Konten (SSO) zu kompromittieren. Gelingt der Zugriff, dringen die Angreifer in Cloud-Plattformen wie Microsoft 365 und Salesforce ein und stehlen sensible Daten.

Zu den jüngsten Zielen der Kampagnen zählen namhafte Gesundheitskonzerne wie Medtronic, DentaQuest, iRhythm und OneMedical. Sicherheitsexperten empfehlen dringend den Einsatz phishing-resistenter Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und die Einstufung von SSO-Plattformen als Tier-0-Assets – also Systeme mit höchster Schutzpriorität.

Anzeige

Ob Vishing oder klassisches Phishing – Cyberkriminelle nutzen immer häufiger psychologische Tricks, um an sensible Unternehmensdaten zu gelangen. Dieser kostenlose Report enthüllt die aktuellen Methoden der Hacker und zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Unternehmen wirksam schützen können. Anti-Phishing-Paket jetzt gratis herunterladen

Ransomware und steigende Kosten: Die Bedrohungslage

Die IBM-Studie zu Datenverlustkosten von 2026 zeigt: Ein Gesundheitsdaten-Leck kostet im Schnitt 6,64 Millionen Euro. Zwar ist das ein Rückgang um 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch die Branche liegt immer noch deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5 Millionen Euro.

Phishing bleibt mit 17 Prozent der Vorfälle der häufigste Einfallstor. KI-gestützte Attacken haben sich im letzten Jahr um 56 Prozent erhöht. Die konkreten Folgen zeigen zwei spektakuläre Fälle:

Der Ransomware-Angriff der Gruppe PEAR auf MCBS Ende September 2025 betraf über 1,26 Millionen Menschen. Die Täter erbeuteten 3,3 Terabyte an Daten, darunter Sozialversicherungsnummern und Krankenakten. Im Februar 2026 wurde zudem ein Angriff auf NYC Health + Hospitals bekannt, der 1,8 Millionen Menschen betrifft.

Neue Verteidigungsstrategie: „CI Fortify“ für kritische Infrastruktur

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA veröffentlichte am 29. Juli gemeinsam mit internationalen Partnern einen neuen technischen Leitfaden. Unter dem Titel „CI Fortify“ beschreibt das Dokument eine sechsstufige Strategie zur Isolierung von Betriebstechnologie (OT) während aktiver Cyberangriffe. Ziel: kritische Systeme vor Kaskadeneffekten zu schützen.

Anzeige

Angesichts steigender Kosten durch Datenverluste und immer neuer KI-gestützter Angriffsszenarien ist proaktive IT-Sicherheit für Unternehmen überlebenswichtig. Erfahren Sie im kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken ohne teure Investitionen schließen und aktuelle gesetzliche Anforderungen erfüllen. Gratis Cyber-Security-Leitfaden sichern

Die Empfehlungen decken sich mit Erkenntnissen der FBI-Operation Winter SHIELD aus dem Jahr 2026. Demnach nutzen 95 Prozent der Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen bekannte Schwachstellen – etwa fehlende Offline-Backups oder mangelhaftes Schwachstellenmanagement. Geheimdienstinformationen zufolge setzen staatliche Akteure aus China, Russland, Iran und Nordkorea zunehmend unabhängige Cyberkriminelle als Auftragnehmer ein.

Schwachstelle Erholung: Nur jeder Fünfte ist gut vorbereitet

Trotz aller Abwehrmaßnahmen bleibt die Wiederherstellung nach einem Angriff das größte Problem. Eine Umfrage von Health-ISAC unter 76 Sicherheitsverantwortlichen ergab: Nur 22 Prozent bewerten die Wiederherstellungsfähigkeiten ihrer Organisation als hoch entwickelt. Experten fordern daher, dass Krankenhausvorstände die Geschäftskontinuitäts- und Notfallplanung endlich zur Chefsache machen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69898842 |