Gesundheitsdaten-Vernetzung, OECD

Gesundheitsdaten-Vernetzung: OECD beziffert Nutzen auf 6,6%

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Interoperable Gesundheitssysteme könnten laut OECD bis zu 6,6 Prozent der Ausgaben einsparen. Deutschland bereitet sich mit neuen Studiengängen und Dateninfrastruktur auf den EU-Datenraum vor.

OECD-Studie: Vernetzte Gesundheitsdaten sparen Milliarden – Deutschland rüstet für EHDS
Moderner Krankenhaus-Serverraum mit digitalen holografischen medizinischen Datenvisualisierungen, die die Gesundheitsinfrastruktur darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die internationale Gemeinschaft treibt die Vernetzung von Gesundheitsdaten massiv voran – mit enormem wirtschaftlichem Potenzial. Eine neue OECD-Studie beziffert den möglichen Nutzen auf bis zu 6,6 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben. Für Deutschland gewinnt das Thema durch den EU-Gesundheitsdatenraum (EHDS) zusätzlich an Brisanz.

OECD: Milliarden durch vernetzte Gesundheitsdaten

Die am 30. Juli veröffentlichte Analyse der OECD zeigt: Vollständig interoperable Gesundheitssysteme könnten Einsparungen zwischen 2,7 und 6,6 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben ermöglichen. Die Empfehlung an die Mitgliedstaaten: einheitliche Rahmenwerke und internationale Standards wie HL7 FHIR, SNOMED CT, ICD, LOINC und openEHR einführen.

Parallel dazu ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Open Health Stack Software Foundation beigetreten, einer Initiative der Linux Foundation. Ziel ist es, Mitgliedsstaaten beim Aufbau interoperabler digitaler Gesundheitssysteme durch offene Software-Ressourcen zu unterstützen.

Nigeria und Irland setzen auf nationale Digitalstrategien

Nigeria präsentierte beim Insights Learning Forum 2026 in Abuja einen umfassenden Plan für ein sicheres digitales Gesundheitsökosystem. Das Gesundheitsministerium verfolgt dabei das Prinzip „Ein Patient, eine Gesundheitsakte". Die Behörden schätzen das Potenzial auf umgerechnet rund 11,5 Milliarden Euro jährlich – zusätzlich könnten etwa zwei Milliarden Euro vermieden werden, die derzeit durch Medizintourismus ins Ausland fließen. Zur Finanzierung schlägt die Regierung eine Anhebung des Basic Health Care Provision Fund auf zwei Prozent vor.

Irland positioniert sich derweil als Wachstumsmarkt für elektronische Patientenakten. Eine Erhebung von Black Book Research zeigt: 88 Prozent der befragten Entscheidungsträger priorisieren die Vorbereitung auf das nationale Programm „One Health Record". Der irische Fahrplan 2024–2030 sieht den universellen Zugang zu digitalen Patientenakten vor – eine direkte Reaktion auf die Verwundbarkeiten, die ein Cyberangriff auf den Gesundheitsdienst HSE im Jahr 2021 offengelegt hatte.

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Globale Forschungsnetzwerke wachsen

Die Vernetzung schreitet auch auf institutioneller Ebene voran. Die Mayo Clinic und das Einstein Hospital Israelita gaben bekannt, dass klinische Daten des brasilianischen Krankenhauses nun über die Mayo Clinic Platform verfügbar sind. Damit ist Südamerika in einem globalen Datensatz vertreten, der auch Partner aus Kanada, Israel, Kenia, Südkorea und den USA umfasst.

Im Vereinigten Königreich übernimmt Health Data Research UK die Leitung eines neuen Population Research Gateway. Mit einer Förderung von umgerechnet rund 1,9 Millionen Euro sollen Längsschnittstudien verschiedener akademischer Einrichtungen gebündelt und der Zugang für Forscher vereinfacht werden.

Technische Innovationen und neue Standards

Das Unternehmen Proteotype Diagnostics stellte seine Plattform Alchemi vor, die den Multi-Krebs-Bluttest Enlighten unterstützt. Die Plattform standardisiert Labormessungen und steuert Machine-Learning-Workflows. Ein 15-monatiges Entwicklungsprogramm startet am 1. September – gefördert mit rund 499.000 Euro aus dem EIC Pre-Accelerator.

In Saudi-Arabien erreichte die Sultan Bin Abdulaziz Humanitarian City die höchste digitale Reifestufe HIMSS EMRAM Stage 7. Die Einrichtung mit 510 Betten nutzt dafür das System TrakCare von InterSystems.

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Deutschland rüstet sich für den EU-Gesundheitsdatenraum

Die Umsetzung des EHDS verändert auch den deutschen Arbeitsmarkt: Gefragt sind künftig vor allem Fachkräfte für Datenqualität und IT-Sicherheit. Universitäten wie die TU München und die Charité Berlin haben deshalb neue Masterstudiengänge für Datenschutz und Dokumentation aufgelegt.

Das Deutsche Humangenom-Phenom-Archiv (GHGA) hat zudem einen neuen sicheren Upload-Workflow für sein Datenportal gestartet. Damit werden nationale Omics-Daten in die europäische Forschungsinfrastruktur integriert.

Fristen und Ausschreibungen: Der Druck steigt

Bis zum 1. Januar 2027 müssen US-Gesundheitsorganisationen FHIR-basierte Schnittstellen für die Vorabgenehmigung und den Datenaustausch implementieren. Die CMS-Verordnung setzt damit einen verbindlichen Zeitrahmen.

In Deutschland schreibt der Gesundheitskonzern Vivantes ein webbasiertes Portal zur Freigabe medizinischer Bilddaten aus. Gefordert sind DICOM-Viewer und fallbasierte Freigabeprotokolle. Angebote können noch bis zum 25. August eingereicht werden.

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