Gesundheitsspanne, Deutschen

Gesundheitsspanne: 69% der Deutschen sehen Potenzial fĂŒr mehr VitalitĂ€t

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 02:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Healthspan-Trend gewinnt an Bedeutung: Unternehmen, Forschung und Verbraucher richten den Fokus stĂ€rker auf gesunde Jahre statt bloße Lebensdauer.

Healthspan statt Longevity: Gesundheitsbranche setzt auf LebensqualitÀt
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit Blick in einen ruhigen japanischen Garten, der VitalitÀt und Gesundheit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

In der Gesundheitsbranche und der medizinischen Forschung zeichnet sich eine deutliche Fokusverschiebung ab. WĂ€hrend ĂŒber Jahre die reine VerlĂ€ngerung der Lebensdauer (Longevity) im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, rĂŒckt nun zunehmend die sogenannte Gesundheitsspanne (Healthspan) in den Mittelpunkt. Experten und Marktbeobachter betonen, dass das Ziel einer hohen LebensqualitĂ€t im Alter die bloße Anzahl der Lebensjahre als primĂ€re Kennzahl ablöst.

Strategische Neuausrichtung in der Industrie

Dieser Wandel schlĂ€gt sich bereits in den GeschĂ€ftsmodellen fĂŒhrender Akteure nieder. Das Unternehmen BioTRUST vollzieht laut Angaben seiner PrĂ€sidentin Rachel Sexton derzeit eine Transformation weg von einem rein produktgetriebenen GeschĂ€ft.

Die neue Strategie ziele auf eine Plattformlösung ab, die personalisierte Beratung, Coaching und Community-Elemente verbindet. Das Leitmotiv laute hierbei, weniger Produkte, dafĂŒr aber qualitativ hochwertigere und individuellere PlĂ€ne anzubieten.

Auch Marktprognosen unterstreichen die ökonomische Relevanz dieses Sektors. Laut Untersuchungen von The Business Research Company wird der Markt fĂŒr Longevity-Supplemente von 8,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf voraussichtlich 14,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 anwachsen.

Hintergrund dieser Entwicklung ist unter anderem der demografische Wandel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet damit, dass die Zahl der ĂŒber 60-JĂ€hrigen weltweit von rund einer Milliarde im Jahr 2020 auf etwa 1,4 Milliarden im Jahr 2030 steigen wird.

Akzeptanz und Barrieren in der Bevölkerung

Eine Umfrage von DAK und Forsa, die im August 2026 unter 1.043 Personen durchgefĂŒhrt wurde, zeigt ein hohes Bewusstsein fĂŒr das Thema in der deutschen Bevölkerung. Demnach sehen 69 Prozent der Befragten im Longevity-Konzept das Potenzial fĂŒr mehr gesunde Lebensjahre.

WĂ€hrend die HĂ€lfte der Teilnehmer den Begriff bereits kennt – wobei Frauen mit 54 Prozent eine höhere Bekanntheit angeben als MĂ€nner mit 46 Prozent –, Ă€ußerten 74 Prozent die Bereitschaft, fĂŒr eine lĂ€ngere Gesundheit mehr Sport zu treiben. Als grĂ¶ĂŸte Hindernisse wurden das Älterwerden als natĂŒrlicher Prozess (49 Prozent) sowie Zeitmangel (40 Prozent) identifiziert.

Die Branche identifiziert derzeit drei zentrale Wachstumsfelder: Funktionalisierung, Digitalisierung sowie den Aufbau umfassender Ökosysteme. Marktforscher von Euromonitor gehen davon aus, dass jene Anbieter erfolgreich sein werden, die diese Bereiche miteinander verknĂŒpfen. Ein Beispiel fĂŒr die Vernetzung der Fachwelt ist der Nutra Healthspan Summit, der im November 2026 in London stattfinden soll.

Daten zur Krankheitslast als Grundlage fĂŒr PrĂ€vention

Das Robert Koch-Institut (RKI) liefert mit aktuellen Daten zur Krankheitslast fĂŒr den Zeitraum von 2017 bis 2022 eine wissenschaftliche Grundlage fĂŒr die notwendige PrĂ€vention. Die Analyse unterscheidet zwischen verlorenen Lebensjahren durch vorzeitigen Tod (YLL) und eingeschrĂ€nkten Lebensjahren durch Erkrankung (YLD).

Die meisten verlorenen Lebensjahre entfallen laut RKI auf die koronare Herzkrankheit (KHK), gefolgt von Lungenkrebs und Schlaganfall. Bei den durch Krankheit beeintrĂ€chtigten Lebensjahren fĂŒhren hingegen unterer RĂŒckenschmerz, Kopfschmerz und Angststörungen die Statistik an. RKI-PrĂ€sident Lars Schaade betonte, dass diese Kennzahlen das Fundament fĂŒr gesundheitspolitische Entscheidungen sowie fĂŒr die Versorgungs- und Pflegeplanung bilden.

Anzeige

Wer sich fĂŒr die eigene Gesundheitsvorsorge interessiert, sollte die Bedeutung seiner Blutwerte kennen. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre VitalitĂ€t gezielt unterstĂŒtzen können. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich? Jetzt Gratis-Report sichern

Erkenntnisse aus der molekularen Alternsforschung

Wissenschaftliche Studien untermauern die KomplexitĂ€t des Alterungsprozesses. Forscher des King’s College London untersuchten ĂŒber einen Zeitraum von bis zu acht Jahren eine Kohorte von 335 Frauen.

Die in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass sich ĂŒber ein medianes Zeitfenster von sechs Jahren mehr als 5.000 Gene und 181 Metabolite verĂ€nderten. Besonders auffĂ€llig waren sinkende AktivitĂ€ten beim Tumorsuppressor-Gen TP53 sowie signifikante Unterschiede beim Marker CXCL9, der mit der Herzalterung in Verbindung gebracht wird.

Parallel dazu lieferte eine Multi-Omik-Analyse der 117-jĂ€hrigen Maria Branyas durch das Josep Carreras LeukĂ€mieforschungsinstitut interessante Einblicke. Trotz typischer Altersmerkmale wie kurzer Telomere wies sie eine genetische Neuro- und Kardioprotektion sowie ein spezifisches, an Bifidobakterien reiches Darmmikrobiom auf. Die Forscher warnen jedoch davor, daraus allgemeingĂŒltige ErnĂ€hrungsempfehlungen abzuleiten.

Anzeige

FĂŒr ein langes und aktives Leben ist das VerstĂ€ndnis der eigenen Körperwerte entscheidend, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen PDF-Leitfaden, wie Sie Ihre Laborwerte selbst interpretieren und Ihre Gesundheit proaktiv schĂŒtzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier herunterladen

Kommerzialisierung und Risiken am Markt

Der Trend zur Gesundheitsoptimierung fĂŒhrt zu einer Vielzahl neuer Angebote, birgt aber auch Risiken. In Frankfurt bietet das Start-up Recover Society Anwendungen wie hyperbare Sauerstofftherapie fĂŒr 150 Euro pro Stunde oder EisbĂ€der an.

Eine Yale-Studie, veröffentlicht in Nature Medicine, untersuchte 51 solcher Longevity-Interventionen und stellte zwar VerĂ€nderungen bei Alterungsmarkern fest, ließ jedoch die tatsĂ€chliche Wirkung auf die LebenslĂ€nge ungeklĂ€rt.

Kritische Entwicklungen zeigen sich auch in Polen. Berichten von Newsweek Polen zufolge verlangen spezialisierte Kliniken bis zu 30.000 Zloty fĂŒr Testpakete. Fachleute warnen dort vor der unkontrollierten Überdosierung von Substanzen wie Selen oder Protein sowie vor Nebenwirkungen bei der Einnahme von PrĂ€paraten wie Rapamycin oder Spermidin. Zudem sei die Wirkung von Resveratrol beim Menschen wissenschaftlich nicht belegt.

Traditionelle Standorte passen sich ebenfalls an. Die Stadt Bad Wörishofen, die auf eine 140-jĂ€hrige Tradition seit Sebastian Kneipps Veröffentlichung „Meine Wasserkur“ im Jahr 1886 zurĂŒckblickt, erweitert ihr Portfolio um moderne Longevity-Formate, die unter anderem Fasten und Schlafkuren umfassen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70101893 |