Ghost, Pairing

Ghost Pairing bei WhatsApp: Fremde lesen Nachrichten über verknüpfte Geräte

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Betrüger lesen Nachrichten mit und fordern Geld über gekaperte Konten; Ermittler melden erste Fälle in Bayern.
Ein minimalistisch eingerichtetes Wohnzimmer im Dämmerlicht mit einem leeren Glas auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Das Polizeipräsidium Oberpfalz warnt vor einer Betrugsmethode namens Ghost Pairing und registriert erste Fälle in Bayern. Kriminelle koppeln dabei unbemerkt ein fremdes Gerät mit dem WhatsApp-Konto eines Opfers, um heimlich Nachrichten mitzulesen und im Namen des Betroffenen Mitteilungen zu verschicken. Nach Angaben der Ermittler ist das Phänomen nicht auf Bayern beschränkt.

Hoher Schaden im Landkreis Neustadt an der Waldnaab

Wie die Masche in der Praxis abläuft, zeigt ein Fall aus der Oberpfalz: Am 15. Oktober 2026 erstattete ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab Anzeige bei der Polizeiinspektion Neustadt an der Waldnaab.

Zuvor hatte der Mann nach einer Geldforderung über das kompromittierte WhatsApp-Konto eines Bekannten einen hohen dreistelligen Eurobetrag überwiesen. Erst nach einer zweiten Zahlungsaufforderung rief er den Bekannten direkt an, woraufhin der Schwindel aufflog. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an.

Für den Zugriff auf das Profil benötigen die Angreifer keine Schadsoftware. Stattdessen missbrauchen sie die reguläre Funktion zur Geräteverknüpfung von WhatsApp per QR-Code oder über einen achtstelligen Kopplungscode. Die Täter locken ihre Opfer auf eine Phishing-Seite, auf der diese ihre Telefonnummer eintragen.

Die gefälschte Webseite leitet die Daten an die echte WhatsApp-Funktion zur Geräteverknüpfung per Rufnummer weiter. Daraufhin erzeugt der Messenger einen achtstelligen Code, den die Getäuschten auf der Fake-Seite eingeben und damit den Kriminellen unwissentlich Zugriff gewähren.

Anzeige

Wer sich mit der Sicherheit seiner mobilen Kommunikation befasst, sollte sein Android-Gerät umfassend gegen moderne Angriffe wappnen. Ein kostenloser PDF-Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, mit denen Sie Ihr Smartphone sofort effektiv gegen Hacker und Viren absichern können. 5 sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen entdecken

Sicherheitsforscher analysieren Missbrauch von Messenger-Funktion

Laut einer Untersuchung von Gen Digital stellt weder das Passwort noch ein Einmalcode die Schwachstelle dar. Der Angreifer verbleibt stattdessen als unsichtbares verknüpftes Gerät dauerhaft im Benutzerkonto. Das Sicherheitsunternehmen Norton stuft die Vorgehensweise ebenfalls als gezielten Missbrauch der Verknüpfungsfunktion ein.

Da WhatsApp verbundene Geräte erst nach einer Inaktivität von 30 Tagen automatisch abmeldet, bemerken Kontoinhaber den fremden Zugriff laut Hinweisen vom 29. Oktober 2026 oft über einen langen Zeitraum nicht.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt eine Variante dieses Vorgehens als Vote-for-me-Scam, bei dem Nutzer unter dem Vorwand einer Online-Abstimmung geködert werden.

Das Sicherheitsunternehmen Kaspersky hatte entsprechende Betrugsversuche über angebliche Wettbewerbe mit Namen wie Sophie oder Eliska bereits vor einem Jahr beschrieben. Aktuell kursiert diese Betrugsmasche unter anderem in Frankreich. Auch die finnische Cybersicherheitsbehörde Traficom Kyberturvallisuuskeskus warnte bereits vor einer vergleichbaren Masche.

Anzeige

Der Schutz persönlicher Daten beginnt bei der Sensibilisierung für die Methoden der Cyberkriminellen, die gezielt Sicherheitslücken im mobilen System ausnutzen. Erfahren Sie in diesem gratis Report, wie IT-Experten die Sicherheit von Android-Smartphones bewerten und welche Maßnahmen Ihre privaten Daten dauerhaft vor Missbrauch schützen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen

Empfehlungen für Verbraucher und Kritik an WhatsApp

Sicherheitsexperten fordern unterdessen Anpassungen von den Plattformbetreibern: WhatsApp sollte die Gerätebestätigung erschweren, beispielsweise durch deutlichere Warnhinweise, Schutzwartezeiten sowie zusätzliche Benachrichtigungen beim Hinzufügen neuer Geräte.

Polizei und Verbraucherschützer raten Anwendern, in den WhatsApp-Einstellungen regelmäßig den Bereich für verknüpfte Geräte zu kontrollieren und unbekannte Sitzungen sofort zu trennen. Kopplungscodes sollten niemals an andere Personen weitergegeben und externe QR- oder Kopplungscodes prinzipiell als verdächtig eingestuft werden.

Zudem wird die Aktivierung der Zwei-Schritt-Verifizierung empfohlen. Bei Geldforderungen von Bekannten sollten Betroffene immer über einen alternativen Kommunikationsweg Rücksprache halten. Ist bereits ein finanzieller Schaden entstanden, rieten Verbraucherschützer am 29. Oktober 2026 dazu, umgehend die eigene Bank und die Polizei zu informieren.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70432957 |