Gicht, Online-Tool

Gicht: Online-Tool Rheumatic? verkürzt Diagnoseweg für Patienten

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die aktualisierte S3-Leitlinie definiert klare Therapiekriterien bei Gicht. Ein neues Online-Tool soll Betroffenen helfen.

Gichtbehandlung: Neue Leitlinien und digitale Diagnosehilfen
Nahaufnahme eines entzündeten Großzehengelenks, das auf einen Gichtanfall hindeutet, mit verschwommenem medizinischem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ärzte müssen heute genau unterscheiden: Liegt nur ein erhöhter Laborwert vor oder eine ernsthafte Erkrankung?

Die S3-Leitlinie ist klar: Eine Therapie ist erst bei symptomatischer Hyperurikämie nötig – also beim akuten Gichtanfall oder chronischen Verlaufsformen. Eine reine Erhöhung der Harnsäure ohne Beschwerden hat keinen eigenständigen Krankheitswert und braucht keine Medikamente.

Bewährte Wirkstoffe und neue Strategien

Für akute Anfälle und deren Vorbeugung setzen Ärzte häufig Colchicin ein. Zur langfristigen Senkung des Harnsäurespiegels bleibt Allopurinol der Standard. Prof. Uta Kiltz erläuterte die Details in einem Fachvortrag im Februar 2026.

Allopurinol hemmt die Harnsäurebildung und beugt auch Nierensteinen vor. Üblich sind 300-mg-Tabletten, einmal täglich nach dem Essen eingenommen.

„Rheumatic?“: Online-Tool soll Diagnoseweg verkürzen

Ein neues digitales Angebot soll Patienten mit Gelenkbeschwerden schneller zur richtigen Diagnose führen. Das Universitätsklinikum Erlangen ist an der Entwicklung des kostenlosen Online-Tools „Rheumatic?“ beteiligt.

PD Dr. Harriet Morf und ihr Team haben einen wissenschaftlich fundierten Fragebogen entwickelt. Er ermöglicht eine erste Einschätzung der Symptome – auch bei Verdacht auf Gicht. Das Projekt ist Teil der EU-Initiative SPIDeRR.

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Das Tool liefert Betroffenen eine strukturierte Übersicht ihrer Beschwerden für das Arztgespräch. Parallel werden Studienteilnehmer gesucht, um die Genauigkeit solcher digitalen Helfer weiter zu verbessern.

Pflanzliche Alternativen und neue Forschung

Neben klassischen Medikamenten kommt auch Mädesüß zum Einsatz. Die „Wiesenkönigin“ enthält natürliche Salicylsäure und wirkt schmerzlindernd bei Gelenkbeschwerden – sofern keine Allergie gegen Salicylsäure besteht.

Die Abgrenzung der Gicht von anderen entzündlichen Erkrankungen bleibt komplex. In der Forschung rückten im ersten Halbjahr 2026 neue Wirkstoffe wie der TYK2-Inhibitor Zasocitinib in den Fokus. Er erzielte in Studien hohe Remissionsraten bei spezifischen Entzündungsformen.

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Die DEPAR-Studie bestätigte im Frühjahr 2026 zudem: Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Übergewicht verschlechtern die Krankheitsaktivität bei entzündlichen Gelenkerkrankungen. Für die Praxis bedeutet das: Ärzte müssen medikamentöse und lebensstilbezogene Maßnahmen zusammen denken.

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