Ginseng-Krise: Codonopsis pilosula als Alternative nach 4 Jahren Forschung
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 13:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Extreme Preissteigerungen und immer mehr Fälschungen setzen dem als „nationalen Schatz“ geltenden Heilkraut zu. Alternative Pflanzen rücken deshalb in den Fokus von Landwirtschaft und Wissenschaft.
Der echte Ngoc Linh Ginseng wächst nur in Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern und enthält 52 verschiedene Saponine – das macht ihn zu einem der wertvollsten Heilkräuter weltweit. Die Preise für echte Wurzeln liegen bei mehreren hundert Millionen VND pro Kilogramm. Kein Wunder also, dass Fälscher auf den Plan treten.
Aktuell werden vermehrt Wurzeln der Art Panax notoginseng als echter Ngoc Linh Ginseng verkauft. Der Haken: Diese kosten nur rund 700.000 VND pro Kilogramm. Die Differenz ist enorm.
Festival soll Marke schützen
Ho Quang Buu, Vizepräsident von Da Nang, fordert einen stärkeren Markenaufbau und eine konsequente Verfolgung von Fälschungen. Vom 1. bis 3. August 2026 plant die Stadt ein internationales Festival. Neben wissenschaftlichen Konferenzen soll dort der jährliche Ehrentag des Ginsengs begangen werden. Ziel: die Tiefenverarbeitung und den kontrollierten Anbau fördern.
Codonopsis pilosula als Ginseng-Ersatz
In der Provinz Quang Ngai setzt man auf eine andere Strategie. Nach vierjähriger Forschungsarbeit gelang dort die Domestizierung von Codonopsis pilosula (Sâm b? chính). Die Ergebnisse der organischen Testanbauflächen sind vielversprechend:
- Der Saponin-Gehalt ist mit bekannten Ginseng-Sorten vergleichbar
- Die Ernteerträge liegen bei etwa 7,5 Zentnern pro Sào nach 14 bis 16 Monaten Wachstumszeit
- Produkte wie Tee-Extrakte stärken bereits die regionale Wertschöpfungskette
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Wildpflanzen als „Superfoods“
Auch wildwachsende Pflanzen rücken in den Fokus der Forschung. Peperomia pellucida (Rau càng cua) etwa ist reich an Vitamin C, Beta-Carotin, Kalium und Calcium. Studien weisen auf entzündungshemmende und magenschützende Wirkungen hin.
Persicaria perfoliata (Ngh? xuyên lá) gewinnt im grenzüberschreitenden Handel zwischen Vietnam und China an Bedeutung. Getrocknet wird sie bereits für 65.000 bis 155.000 VND pro Kilogramm gehandelt. Lokale Heilkräuter wie Pimpernelle, Frauenmantel oder Roter Sonnenhut werden ebenfalls verstärkt nachgefragt. Experten warnen jedoch vor den Folgen des Klimawandels – Wasserknappheit erschwert den Anbau zunehmend.
Industrie reagiert – Kritik wächst
Die Lebensmittelindustrie springt auf den Trend auf. Mitte Juli 2026 brachte ein Hersteller eine neue Supplement-Serie auf den Markt, die neben Ginseng auch Löwenmähne und Probiotika enthält.
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Doch die Kritik an überteuerten Produkten wird lauter. Foodwatch verlieh Mitte Juli einen Negativpreis an ein Saftkonzentrat für 100 Euro pro Liter. Die Organisation kritisierte isolierte Vitamine und Fruchtsaftkonzentrate zu einem Preis, der in keinem Verhältnis zum Nährwert stehe. Der Hersteller stoppte daraufhin bestimmte Werbeaussagen.
Auch das Robert Koch-Institut geriet in die Kritik. Neue Indikatoren zur Überwachung nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Surveillance) seien methodisch fragwürdig, so Fachleute. Die Zusammenfassung verschiedener Antwortkategorien könne zu verzerrten Ergebnissen führen.
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