GKV-Defizit, Höhere

GKV-Defizit 2027: Höhere Zuzahlungen und Apothekenabschlag ab Januar

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 17:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant ein Maßnahmenpaket gegen das Rekorddefizit der Krankenkassen, das Kürzungen, neue Steuern und höhere Zuzahlungen vorsieht.

GKV-Defizit 2027: Milliardenloch und geplante Reformen
GKV-Defizit - Ein stilisiertes Finanzbuch oder eine Bilanz mit Zahlen und Symbolen, überlagert von subtilen medizinischen Symbolen, die Gesundheitsfinanzen und Reformen darstellen. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Für 2027 prognostiziert die Bundesregierung eine Deckungslücke von knapp 19 Milliarden Euro. Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Lücke stopfen – mit einem Bündel aus Kürzungen, neuen Steuern und höheren Zuzahlungen.

Weniger Geld vom Staat, neue Zuckersteuer

Ursprünglich wollte die Regierung den Bundeszuschuss um 2 Milliarden Euro kürzen. Aktuelle Entwürfe vom Juli 2026 sehen eine geringere Reduzierung um 1,35 Milliarden Euro vor. Der Zuschuss läge 2027 dann bei 13,15 Milliarden Euro. Ab 2028 ist eine weitere Absenkung auf 12,95 Milliarden Euro geplant.

Zum Ausgleich soll eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke kommen. Schätzungen zufolge bringt sie 2027 Mehreinnahmen von 650 Millionen Euro – direkt für die GKV. In den Folgejahren rechnet der Staat mit rund 450 Millionen Euro jährlich.

Gleichzeitig erhöht der Bund seine Beiträge für Grundsicherungsempfänger schrittweise. 2027 fließen eine Milliarde Euro, bis 2031 steigt der Betrag auf dauerhaft 2,75 Milliarden Euro.

Apotheken und Pharmaindustrie zur Kasse gebeten

Ab dem 1. Januar 2027 steigt der Apothekenabschlag pro verschreibungspflichtiger Packung von 1,77 Euro auf 2,07 Euro. Die ABDA kritisiert den Schritt scharf – die Zahl der Apothekenstandorte sei bereits rückläufig.

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Für Arzneimittelhersteller sieht der Entwurf einen festen Herstellerabschlag von 15,5 Prozent vor. Bisher war der Satz teilweise dynamisch gestaltet. Zudem steigt der Rabattfaktor pro 100 Millionen Euro Umsatz von 1 auf 1,5 Prozent. Ein Preismoratorium für Impfstoffe ist bis 2030 geplant – mit einem Abschlag von 9 Prozent.

Höhere Zuzahlungen, neue Beiträge für Ehepartner

Auch Versicherte müssen tiefer in die Tasche greifen. Die Zuzahlungen für Medikamente steigen von bisher 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro. Eine ursprünglich geplante jährliche Dynamisierung wurde in den Beratungen gestrichen.

Eine grundlegende Neuerung betrifft die Familienversicherung: Ab 2028 sollen Ehepartner einen Beitrag von 2,5 Prozent zahlen. Ausnahmen gelten für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren. Ohne diese Reformen warnen Experten vor einem Anstieg der Zusatzbeiträge um 0,9 Prozentpunkte allein im Jahr 2027.

Zeitplan und Kritik

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Die Pläne stoßen auf Widerstand. Der GKV-Spitzenverband kritisiert ein „Schonprogramm“ für die Pharmaindustrie. Die Bundesärztekammer bemängelt eine unzureichende Finanzierung versicherungsfremder Leistungen und zunehmende Bürokratie.

Der Gesundheitsausschuss berät am 8. Juli 2026 über das Gesetz. Die abschließende Verabschiedung im Bundestag und die Befassung im Bundesrat sind für den 9. und 10. Juli geplant. Das Ziel: Das Defizit von knapp 19 Milliarden Euro durch Effizienzsteigerungen, Steuerzuschüsse und Beitragsanpassungen abzufedern.

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