GKV-Krise, Medikamente

GKV-Krise 2027: Medikamente +50%, Zahnersatz weniger bezuschusst

04.07.2026 - 12:09:48 | boerse-global.de

Die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf ein Milliarden-Defizit zu. Ein Reformpaket sieht höhere Zuzahlungen für Versicherte ab Januar 2027 vor.

GKV-Defizit: Milliardenloch und höhere Zuzahlungen ab 2027
GKV-Krise - Ein Stapel deutscher Euro-Banknoten, teilweise verdeckt von einem Stethoskop, auf einer dunklen Oberfläche. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Von Januar bis Juli 2026 stiegen die Einnahmen nur um vier Prozent – die Ausgaben aber doppelt so stark. Besonders Krankenhäuser verteuerten sich um neun Prozent, Arztpraxen um sieben und Medikamente um 6,5 Prozent.

Für 2027 zeichnet sich eine Finanzierungslücke ab. Schätzungen gehen von 18,8 Milliarden Euro aus. Expertenkommissionen beziffern das Defizit unter Einbeziehung weiterer Faktoren sogar auf über 40 Milliarden Euro.

Sondersitzung im Juli

Der Gesetzgeber reagiert mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der Gesundheitsausschuss tagt dazu am 7. Juli 2026 in einer Sondersitzung. Die Abstimmung im Bundestag ist für den 10. Juli 2026 geplant – der Bundesrat soll noch am selben Tag entscheiden.

Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbandes, warnte eindringlich vor einer Aufweichung des Sparpakets. Sollten Einsparungen bei Pharmaunternehmen und Ärzten dem Lobbydruck zum Opfer fallen, drohten den Versicherten deutlich steigende Beiträge. Kliniken und Ärzteschaft müssten ihren Beitrag leisten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte vor allem den engen Zeitplan.

Versicherte müssen tiefer in die Tasche greifen

Das Reformpaket sieht mehrere Maßnahmen vor. Der dynamische Herstellerrabatt für Medikamente soll durch einen fixen Abschlag ersetzt werden – geplant sind 15,5 Prozent.

Ab Januar 2027 kommen auf Versicherte spürbare Mehrbelastungen zu:

  • Medikamentenzuzahlungen steigen um 50 Prozent. Statt 5 bis 10 Euro sind künftig 7,50 bis 15 Euro fällig.
  • Krankenhausaufenthalte kosten statt 10 nun 15 Euro pro Tag.
  • Zahnersatz wird weniger bezuschusst. Ohne Bonusheft sinkt der Zuschuss von 60 auf 50 Prozent, mit Bonusheft von 75 auf 65 Prozent.
  • Familienmitversicherung soll ab 2028 einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent erhalten.
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Die Härtefallregelungen und die Belastungsgrenze von zwei Prozent des Bruttoeinkommens (ein Prozent für chronisch Kranke) bleiben bestehen. Parallel plant die Koalition Steuerentlastungen ab 2027 – unter anderem durch höhere Grundfreibeträge und mehr Kindergeld.

Streit um Bundeszuschuss

GKV-Chef Blatt und Uwe Klemens, Verbandsvorsitzender des vdek, fordern mehr Geld vom Bund. Konkret geht es um jährlich zwölf Milliarden Euro für die Gesundheitskosten von Grundsicherungsbeziehern. Klemens lehnt eine weitere Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze oder zusätzliche Zuzahlungen ab.

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Auch die soziale Pflegeversicherung steht unter Druck. Für 2027 wird ein Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro erwartet. Expertenkommissionen empfehlen darüber hinaus weitergehende Schritte – etwa die Streichung von Homöopathie-Leistungen oder die Abschaffung der beitragsfreien Ehegattenversicherung.

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