Glasfaser-Paradox: 27,5% Nutzung trotz 28,7 Mio. Anschlüsse
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trotz des fortschreitenden Ausbaus der digitalen Infrastruktur bleibt die tatsächliche Nutzung von Glasfaseranschlüssen in Deutschland hinter den Erwartungen zurück.
Wie aus einem aktuellen Bericht von IW Consult und dem Branchenverband Breko hervorgeht, lag die sogenannte Aufnahmerate (Take-up-Rate) im Juni 2026 bei lediglich 27,5 %. Damit verharrt das Interesse der Verbraucher an der Hochgeschwindigkeitstechnologie auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.
Diskrepanz zwischen Netzausbau und Aktivierung
Die Daten verdeutlichen eine wachsende Lücke zwischen der technischen Verfügbarkeit und der tatsächlichen Buchung der Anschlüsse. Demnach verfügen inzwischen 28,7 Millionen Haushalte und Unternehmen über einen Glasfaseranschluss direkt vor der Tür (Homes Passed). Von diesem Potenzial werden jedoch nur 7,9 Millionen Anschlüsse aktiv genutzt (FTTH).
Dieser Trend setzt sich bereits seit längerer Zeit fort. Zum Vergleich: Mitte 2025 lag die Zahl der verfügbaren Anschlüsse noch bei 24,3 Millionen, während 6,6 Millionen Anschlüsse aktiviert waren.
Zwar stieg die allgemeine Glasfaser-Ausbauquote laut IW Consult im Jahr 2026 auf 62 % der Haushalte und Unternehmen an – nach 53 % im Vorjahr –, doch die Umsetzungsgeschwindigkeit bei den Endkunden hält mit diesem Wachstum nicht Schritt.
Branchenexperten gehen davon aus, dass bis zum Jahresende zwar zwei Drittel der Standorte erschlossen sein könnten, die tatsächliche Anbindungsrate jedoch bei rund 30 % verbleiben dürfte.
Ursachenforschung und regionales Gefälle
Als wesentliche Gründe für die verhaltene Nachfrage werden vor allem die Preisgestaltung der Glasfaser-Tarife sowie die Leistungsfähigkeit der bestehenden Infrastruktur angeführt.
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Viele Verbraucher bewerten das vorhandene VDSL-Netz weiterhin als ausreichend für ihren aktuellen Bedarf, was den Wechselwillen bremst. Laut einer Prognose des Verbandes VATM werden Ende 2026 voraussichtlich noch immer 57,2 % der Haushalte auf DSL- oder VDSL-Technologie setzen.
Regional zeigen sich zudem erhebliche Unterschiede beim Ausbaustand. Während die nördlichen Bundesländer und Stadtstaaten eine hohe Abdeckung erreichen, hinkt der Süden hinterher. Schleswig-Holstein führt das Ranking mit einer Quote von 94 % an, gefolgt von Hamburg mit 93 % und Bremen mit 89 %. Im Gegensatz dazu erreicht Bayern lediglich eine Quote von 53 %, während Baden-Württemberg mit 45 % das Schlusslicht bildet.
Strategische Debatte über die DSL-Abschaltung
Angesichts der stagnierenden Nutzerzahlen ist in der Branche eine Diskussion über die Zukunft der Kupfernetze entbrannt. Der Verband Breko fordert eine verbindliche Abschaltung der herkömmlichen DSL-Infrastruktur bis zum Jahr 2035, um die Migration auf Glasfaser zu beschleunigen. Die Deutsche Telekom hingegen vertritt die Position, über den Zeitpunkt einer möglichen Abschaltung in eigener Regie entscheiden zu wollen.
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Neben der Nachfrageproblematik sieht sich die Branche mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Rund 27 % der Netzbetreiber berichten von stark steigenden Materialkosten, die den weiteren Ausbau belasten.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleibt hingegen der technologische Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz: 64 % der Anbieter gaben an, ihre Rechenzentren aufgrund des KI-Booms zu erweitern, was langfristig den Bedarf an leistungsfähigen Glasfaserverbindungen weiter erhöhen dürfte.
