Glaukom, Betroffenen

Glaukom: 83 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele GlaukomfĂ€lle bleiben unerkannt; regelmĂ€ĂŸige Untersuchungen helfen, Risiken frĂŒhzeitig abzuklĂ€ren und SehschĂ€den zu erkennen.
Ein minimalistisch eingerichteter Untersuchungsraum in einer Augenarztpraxis bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine nachlassende Sehkraft im höheren Lebensalter wird von vielen Betroffenen zunĂ€chst als unvermeidlicher Alterungsprozess oder einfacher Grauer Star wahrgenommen. Fachmediziner und Gesundheitsorganisationen weisen jedoch darauf hin, dass regelmĂ€ĂŸige Kontrolluntersuchungen bei Senioren und bestimmten Risikogruppen unverzichtbar sind.

Viele schwerwiegende Augenerkrankungen verlaufen im Anfangsstadium vollkommen beschwerdefrei, und nicht jede Sehverschlechterung lĂ€sst sich allein auf eine TrĂŒbung der Augenlinse zurĂŒckfĂŒhren.

Sehverschlechterung: Grauer Star ist nicht die einzige Ursache

Dr. Lin Jingchun vom Taipei City Hospital Heping-Fuyou erklĂ€rt, dass die als Grauer Star bekannte Katarakt keineswegs die einzige Ursache fĂŒr einen Verlust an SehschĂ€rfe darstellt.

Auch Hornhauterkrankungen, ein Glaukom, Makula- und Netzhauterkrankungen, Uveitis sowie Erkrankungen des Sehnervs können die Sehkraft beeintrĂ€chtigen. Zudem stimmen der festgestellte TrĂŒbungsgrad der Linse und das tatsĂ€chliche Ausmaß der SeheinschrĂ€nkung nicht immer ĂŒberein.

Vor einem operativen Eingriff an einer Katarakt ist daher eine umfassende diagnostische AbklĂ€rung erforderlich. Diese umfasst Sehtests, Untersuchungen mit der Spaltlampe, die Beurteilung der Hornhaut und des Augendrucks sowie PrĂŒfungen auf EntzĂŒndungen der Vorderkammer, Kontrollen des Sehnervs und des Augenhintergrunds bis hin zur optischen KohĂ€renztomografie.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit hochgradiger Kurzsichtigkeit, Diabetes, frĂŒheren AugenentzĂŒndungen, vorbestehenden Glaukom- oder Netzhauterkrankungen sowie frĂŒheren Augenverletzungen oder Operationen.

Ein chirurgischer Eingriff sollte erst erfolgen, wenn andere bestehende Erkrankungen kontrolliert sind und BeeintrÀchtigungen im Alltag beim Lesen, Arbeiten oder Autofahren auftreten.

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Glaukom als schleichende Gefahr: Hohe Dunkelziffer

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Katarakt, Refraktionsfehler, Glaukom, diabetische Retinopathie und die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zu den Hauptursachen fĂŒr Sehbehinderungen.

WĂ€hrend eine Katarakt Symptome wie verschwommenes Sehen, Blendempfindlichkeit und nachlassendes Farbsehen hervorruft, verlĂ€uft das Glaukom oft ĂŒber Jahre hinweg unbemerkt. Es fĂŒhrt zu einem fortschreitenden, irreversiblen Verlust des peripheren Gesichtsfelds.

Prof. dr. Sophie Lemmens, Glaukomspezialistin am ZOL Genk, verweist auf eine Glaukom-PrÀvalenz von 2 bis 5 Prozent. Ab dem 65. Lebensjahr steige die Zahl der Patienten stark an; die Mehrheit der Betroffenen sei 65 Jahre oder Àlter. Meist schÀdigt ein zu hoher Augeninnendruck den Sehnerv unwiderruflich.

FĂŒr Verwandte ersten Grades besteht ein erhöhtes Risiko, weshalb ab einem Alter von 40 bis 45 Jahren Vorsorgeuntersuchungen ratsam sind. Etwa ein Zehntel der Glaukompatienten benötigt letztlich eine Operation. Eine SLT-Laserbehandlung zeigt bei rund 8 von 10 Patienten Wirkung, bleibt jedoch bei 2 von 10 unzureichend.

Wie verbreitet unentdeckte Erkrankungen sind, unterstreicht die im Fachjournal British Journal of Ophthalmology publizierte Auswertung der KNHANES-Daten (2019–2021) an 18.710 Erwachsenen ab 20 Jahren.

Die gewichtete Glaukom-PrĂ€valenz lag bei 3,9 Prozent und stieg von 0,8 Prozent bei den 20- bis 29-JĂ€hrigen auf fast 12 Prozent bei den ĂŒber 80-JĂ€hrigen an, wobei MĂ€nner mit 4,9 Prozent hĂ€ufiger betroffen waren als Frauen mit 3,1 Prozent. Nach den ISGEO-Kriterien wussten lediglich 17 Prozent der Erkrankten von ihrem Zustand; 83 Prozent waren undiagnostiziert.

Ein höheres Risiko fĂŒr ein unentdecktes Glaukom wiesen insbesondere Personen aus lĂ€ndlichen Regionen, einkommensschwache Haushalte, Hypertoniker sowie Menschen mit hochgradiger Myopie auf. Bemerkenswert: 45 Prozent der Undiagnostizierten hatten im Vorjahr einen Augenarzt aufgesucht, ohne dass die Diagnose gestellt wurde.

Risikogruppen und empfohlene Untersuchungsintervalle

Auf die Notwendigkeit von Kontrollen auch ohne bestehende Symptome wies unter anderem Prof. Budu vom indonesischen AugenĂ€rzteverband PERDAMI anlĂ€sslich des Weltgesundheitstags Sehen hin. Er hob fĂŒnf zentrale Risikogruppen hervor: Kinder im Schuleingangsalter, Personen mit Diabetes und Bluthochdruck, Arbeiter mit arbeitsbedingtem Verletzungsrisiko, Personen ab 40 Jahren sowie Menschen mit familiĂ€rer Vorbelastung fĂŒr Glaukome oder starke Kurzsichtigkeit. Bei Verschwommenheit, Schwindel oder rascher ErmĂŒdung der Augen sei eine AbklĂ€rung dringend anzuraten.

Dr. PhĂčng V?n Th?nh vom High-Tech Eye Center des TĂąm Anh General Hospital verweist auf Empfehlungen der American Academy of Ophthalmology (AAO):
* Erwachsene ohne Risikofaktoren unter 40 Jahren: alle 5 bis 10 Jahre
* 40 bis 54 Jahre: alle 2 bis 4 Jahre
* 55 bis 64 Jahre: alle 1 bis 3 Jahre
* Ab 65 Jahren: alle 1 bis 2 Jahre

FĂŒr Glaukom-Risikogruppen empfiehlt sich ein Kontrollintervall von 1 bis 2 Jahren. Patienten mit Typ-2-Diabetes sollten unmittelbar nach der Diagnose eine Augenuntersuchung mit Pupillenerweiterung wahrnehmen, bei Typ-1-Diabetes spĂ€testens innerhalb von fĂŒnf Jahren nach Diagnose, gefolgt von mindestens jĂ€hrlichen Kontrollen. Das National Eye Institute empfiehlt ab einem Alter von 60 Jahren eine vollstĂ€ndige Untersuchung mit erweiterter Pupille alle ein bis zwei Jahre.

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Gleichzeitig warnen Fachmediziner vor falschen Verhaltensweisen ab dem 40. Lebensjahr: Sehprobleme sollten nicht leichtfertig allein auf die Alterssichtigkeit geschoben werden. Treten plötzliche Schatten, Lichtblitze oder schwarze Punkte auf, ist unverzĂŒgliche Ă€rztliche Hilfe nötig.

Auch der eigenmĂ€chtige Kauf von Lesebrillen ohne vorherige Untersuchung sowie die unkontrollierte Anwendung von Augentropfen – insbesondere kortikoidhaltigen PrĂ€paraten, die den Augeninnendruck steigern können – bergen erhebliche Risiken fĂŒr die Sehkraft.

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