GlobalProtect-Lücke: 167.000 VPN-Systeme für Qilin-Angreifer offen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hacker kapern VPN-Zugänge – über 167.000 Systeme weiter ungeschützt.
Die berüchtigte Qilin-Ransomware-Gruppe schlägt wieder zu. Ihre Helfer nutzen eine kritische Sicherheitslücke in Palo Alto Networks' GlobalProtect-VPN aus, um in Unternehmensnetzwerke einzudringen. Das geht aus aktuellen Untersuchungen der Cybersicherheitsfirma Arctic Wolf hervor, die mehrere Vorfälle im Juni 2026 dokumentierte. Die Angreifer verschaffen sich über den Fehler Zugang und legen dann ganze Firmendomänen lahm.
Schwachstelle mit hohem Risiko
Die Sicherheitslücke mit der Kennung CVE-2026-0257 hat einen CVSS-Score von 7,8 – sie gilt damit als hochriskant. Betroffen ist die GlobalProtect-Funktion des Betriebssystems PAN-OS. Das Problem: Angreifer können die Authentifizierung umgehen, wenn bestimmte Override-Cookies aktiviert sind. Arctic Wolf beobachtete, wie die Täter mit automatischen Scannern nach verwundbaren Systemen suchten und dann unbefugte VPN-Sitzungen aufbauten – häufig von Kali Linux aus.
Palo Alto Networks hatte zwar bereits am 13. Mai Sicherheitsupdates veröffentlicht. Auch die US-Cybersicherheitsbehörde CISA nahm die Lücke am 29. Mai in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen auf. Doch die Lage bleibt brisant: Aktuell sind noch über 167.000 GlobalProtect-Instanzen ungeschützt im Netz erreichbar. Zu den betroffenen Versionen zählen PAN-OS 12.1, 11.2, 11.1 und 10.2 – jeweils ohne die notwendigen Updates.
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Vom ersten Eindringen zur kompletten Übernahme
Haben die Qilin-Helfer erst einmal Fuß gefasst, wird es richtig gefährlich. Sie setzen auf eine breite Palette an Werkzeugen, um im Netzwerk zu bleiben und sich seitlich auszubreiten. Arctic Wolfs Bericht nennt Registry-Run-Keys, geplante Aufgaben und Fernwartungssoftware wie AnyDesk, Ngrok und LogMeIn.
Der Diebstahl von Zugangsdaten steht ganz oben auf der Agenda. Die Angreifer zielen auf den LSASS-Prozess (Local Security Authority Subsystem Service) ab und extrahieren NTDS.dit-Dateien, um sich Administratorrechte zu sichern. Für die laterale Bewegung nutzen sie PsExec und das Remote Desktop Protocol (RDP). Um nicht entdeckt zu werden, deaktivieren sie den Windows Defender und löschen die Systemereignisprotokolle – erst dann kommt die eigentliche Erpressungssoftware zum Einsatz.
Die Folgen variieren: Mal verschlüsseln die Angreifer nur die Daten, mal setzen sie auf eine doppelte Erpressung – Verschlüsselung plus Datendiebstahl. Wurden Daten gestohlen, kommt häufig das Tool Rclone zum Einsatz, um die Beute in Cloud-Speicher wie ProtonDrive oder MEGA zu verschieben.
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Qilin: Eine wachsende Bedrohung
Die Qilin-Ransomware-Gruppe ist seit 2022 aktiv. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte sie Mitte 2025 mit rund 100 Opfern pro Monat. Der aktuelle Trend, gezielt kritische Netzwerkinfrastruktur wie VPN-Lücken auszunutzen, zeigt: Die Angreifer umgehen klassische Perimetersicherheit und zielen auf ungepatchte Geräte ab. Sicherheitsexperten raten dringend, die Patches vom 13. Mai auf allen betroffenen PAN-OS-Versionen einzuspielen. Nur so lässt sich das Risiko eines unbefugten Zugriffs wirksam senken.
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