GLP-1-Spritzen: 157.000-Patienten-Studie zeigt 18% weniger Augenerkrankungen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Abnehmspritzen könnten das Risiko fĂŒr eine hĂ€ufige Augenerkrankung deutlich senken. Gleichzeitig warnen Behörden vor seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen am Sehnerv. Ein Ăberblick ĂŒber die aktuelle Studienlage.
Schutz vor Makuladegeneration? Daten von 157.000 Patienten
Eine im Fachjournal âDiabetes, Obesity and Metabolismâ veröffentlichte Studie liefert Hinweise auf einen schĂŒtzenden Effekt von GLP-1-PrĂ€paraten gegen die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Mehr als 157.000 ĂŒbergewichtige Patienten ab 60 Jahren ohne Diabetes nahmen daran teil.
Das Ergebnis: Anwender von GLP-1-Medikamenten erkrankten 18 Prozent seltener an AMD. Bei unspezifizierten Formen lag die Risikoreduktion sogar bei 30 Prozent. Bei der trockenen AMD zeigte sich ein positiver Trend, wÀhrend bei der feuchten Variante kein signifikanter Effekt nachweisbar war.
Eine retrospektive US-Analyse im Fachblatt âOphthalmologyâ stĂŒtzt diese Beobachtung: Semaglutid wurde darin nicht mit einem erhöhten Risiko fĂŒr neovaskulĂ€re AMD in Verbindung gebracht.
Tirzepatid: Keine Beschleunigung bei diabetischer Retinopathie
FĂŒr Typ-2-Diabetiker mit hohem Augenrisiko liefern Studien aus diesem Jahr Entwarnung. Tirzepatid beschleunigt offenbar nicht die Progression einer bestehenden diabetischen Retinopathie. In einigen FĂ€llen deutete sich sogar ein geringeres Risiko fĂŒr eine Verschlechterung an.
Mediziner empfehlen dennoch eine Untersuchung des Augenfundus vor Therapiebeginn. In Brasilien verschĂ€rften die Behörden bereits im Vorjahr die Verschreibungsvorschriften fĂŒr die Wirkstoffklasse.
Seltene Sehnerv-Erkrankung: Behörden warnen
Wer GLP-1-Spritzen nutzt oder erwĂ€gt, sollte die neuen Studiendaten kennen: 18% geringeres AMD-Risiko, aber auch seltene Sehnerv-Warnungen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Augen schĂŒtzen und die Vorteile nutzen. Jetzt kostenlosen Augen-Guide anfordern
Die australische Arzneimittelbehörde TGA warnt vor der nicht-arteriitischen anterioren ischĂ€mischen Optikusneuropathie (NAION). Insgesamt 36 FĂ€lle dieser Sehnerv-Störung wurden im Zusammenhang mit GLP-1-PrĂ€paraten registriert â 23 unter Semaglutid, zehn unter Tirzepatid.
Auch die britische MHRA erfasste zahlreiche ZwischenfĂ€lle: Bei rund 150.000 Meldungen zu Abnehmspritzen wurden zwischen 15.000 und 18.000 schwere Nebenwirkungen dokumentiert. Die Behörden betonen jedoch: Eine Meldung belegt keine gesicherte KausalitĂ€t. Das Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis bleibt fĂŒr die Mehrheit der Patienten positiv.
Screening: Netzhaut-Fotografie als neuer Standard?
Das IQWiG hat im Auftrag des G-BA Verfahren zur FrĂŒherkennung bewertet. Ergebnis: Die jĂ€hrliche Fundusfotografie bietet einen vergleichbaren Nutzen wie die herkömmliche Ophthalmoskopie â und das ohne medikamentöse Pupillenerweiterung.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Da bei 90 bis 95 Prozent der Untersuchten eine normale Netzhaut festgestellt wird, lassen sich klinische AbklĂ€rungen effizient steuern. In ThĂŒringen testet ein Projekt derzeit die Akzeptanz solcher Screening-Angebote.
Nebenwirkung Haarausfall: 37 Prozent höheres Risiko
Ihre Augen verdienen mehr Aufmerksamkeit: Die jĂ€hrliche Netzhaut-Fotografie erkennt VerĂ€nderungen frĂŒh â ohne Tropfen. Erfahren Sie im Leitfaden, wie Sie das Screening optimal nutzen und welche Fragen Sie Ihrem Arzt stellen sollten. Leitfaden Netzhaut-Screening jetzt sichern
DĂ€nische Registerdaten und Forschungsergebnisse der Duke University zeigen auch wirtschaftliche Effekte: Patienten unter GLP-1-Therapie wiesen 17,3 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf.
Doch es gibt auch Schattenseiten: Eine BMJ-Studie der University of Pennsylvania assoziiert die Medikamente mit einem erhöhten Risiko fĂŒr nicht vernarbende Alopezie. Im Vergleich zu SGLT-2-Hemmern lag das Risiko fĂŒr Haarausfall um 37 Prozent höher â Experten fĂŒhren das auf den Mechanismus des Telogeneffluviums zurĂŒck.
