GLP-1-Therapie: Kombination mit Training senkt Fettmasse um 1,01
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der pharmazeutischen und lebensmitteltechnischen Industrie rückt die Begleitung von GLP-1-basierten Abnehmtherapien zunehmend in den Fokus der Forschung. Ein zentrales Vorhaben in diesem Bereich wird von Novonesis in Kooperation mit Novo Nordisk vorangetrieben. Das Unternehmen gab bekannt, in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erste Ergebnisse aus der gemeinsamen Forschung zu Mikrobiom-Ergänzungen für GLP-1-Medikamente zu erwarten.
Fokus auf Mikrobiom und Stoffwechselparameter
Die Partnerschaft zwischen Novonesis und Novo Nordisk untersucht gezielt, wie sich die Kombination aus Synbiotika, Probiotika und Präbiotika auf Patienten auswirkt, die GLP-1-Präparate einnehmen.
Laut der Vorstandsvorsitzenden von Novonesis, Ester Baiget, stehe dabei die Analyse von Blutzuckerwerten, Cholesterinspiegeln und die Beschaffenheit des Darmmikrobioms im Vordergrund. Ziel sei es, ergänzende Lösungen zu entwickeln, die den therapeutischen Effekt unterstützen oder die Verträglichkeit verbessern könnten.
Parallel dazu bereitet Novo Nordisk die Markteinführung der Wegovy-Tablette (Semaglutide) in Deutschland vor. Das rezeptpflichtige Medikament soll ab dem 1. September 2026 verfügbar sein, wobei die Kosten von den Patienten selbst getragen werden müssen.
Im Gegensatz zur wöchentlichen Injektion erfordert die Tablette eine tägliche Einnahme am Morgen in nüchternem Zustand. Zulassungsstudien bescheinigten dem oralen Wirkstoff einen Gewichtsverlust von 17 Prozent sowie eine Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos um 20 Prozent.
Novo Nordisk verzeichnete bereits im zweiten Quartal 2026 mit oralen Darreichungsformen einen Umsatz von circa 500 Millionen US-Dollar und startete jüngst eine weitere Studie mit 450 übergewichtigen Personen, um niedrige Dosierungen bis zum Jahr 2028 zu testen.
Strategien gegen Nebenwirkungen und Muskelverlust
Neben der Mikrobiomforschung adressieren Lebensmittelkonzerne die Begleiterscheinungen einer rasanten Gewichtsabnahme. Nestlé entwickelt derzeit spezielle Produkte, die Nebenwirkungen wie dem sogenannten Ozempic-Gesicht oder dem Verlust von Muskelmasse entgegenwirken sollen. Der Konzern nutzt hierfür die KI-Plattform Food Genie, um klinische Studien auszuwerten und gezielte Rezepturen zu erstellen.
Das Portfolio umfasst laut dem Chief Technology Officer Stefan Palzer unter anderem Kollagenproteine, Proteinshakes sowie patentierte Wirkstoffe, die gegen den sogenannten Rebound-Hunger nach dem Absetzen der Medikation helfen sollen.
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Palzer bezeichnete die wachsende Gruppe der GLP-1-Nutzer als riesige Chance für das Unternehmen, da diese zwar weniger essen, aber einen erhöhten Bedarf an proteinreichen Produkten aufweisen. Ernährungsexperten merkten jedoch kritisch an, dass derartige Spezialprodukte oft deutlich kostspieliger seien als frische Lebensmittel.
Neue Wirkstoffkandidaten und Erhaltungsstrategien
In der klinischen Forschung werden zudem neue Ansätze untersucht, um den Gewichtsverlust nach einer initialen Therapiephase zu stabilisieren. Eli Lilly präsentierte Daten aus der ATTAIN-MAINTAIN-Studie mit 376 Patienten. Dabei wurde untersucht, ob ein Wechsel von injizierbaren Wirkstoffen wie Tirzepatid oder Semaglutid auf das orale Orforglipron (36 mg pro Tag) den Erfolg sichern kann.
In der Tirzepatid-Kohorte konnte der Gewichtsverlust bei 74,7 Prozent der Teilnehmer erhalten werden, verglichen mit 49,2 Prozent in der Placebo-Gruppe. In der Semaglutid-Kohorte lag dieser Wert bei 79,3 Prozent gegenüber 37,6 Prozent unter Placebo.
Zusätzlich zeigt die Forschung Interesse an neuen Molekülen wie ENV-308 von Enveda. In einer Phase-1-Studie mit 88 gesunden Freiwilligen erwies sich das orale Lac-Phe-Mimetikum als gut verträglich. Es wurde eine Reduktion des Hormons Leptin beobachtet, insbesondere bei Teilnehmern mit hohen Ausgangswerten.
Eine Phase-2-Studie sei geplant, um den Einsatz bei Patienten nach dem Absetzen von GLP-1-Präparaten zu prüfen. Fachleute fordern hierzu jedoch weitere Daten zu Parametern wie dem Appetit und der Leberfunktion.
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Bedeutung von strukturiertem Training
Ergänzend zur medikamentösen und supplementgestützten Therapie unterstreichen aktuelle Metaanalysen die Bedeutung von Bewegung. Eine in Obesity Reviews veröffentlichte Analyse von neun randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass die Kombination von GLP-1-Rezeptor-Agonisten mit strukturiertem Training signifikante Verbesserungen beim Körpergewicht (SMD -1,04) und der Fettmasse (-1,01) erzielt.
Zudem verbesserten sich das Taille-Hüfte-Verhältnis und die Insulinresistenz im Vergleich zu Placebo-Gruppen deutlich, während positive Effekte auf das HDL-Cholesterin beobachtet wurden.
