GLP-1, Herzrisiko

GLP-1 und Herzrisiko: Semaglutid senkt schwere Ereignisse um 6 Prozent

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien beleuchten GLP-1-Wirkungen auf Herzrisiken, Gewichtsabnahme und Schwangerschaft; neue Wirkstoffe und ein Lizenzdeal erweitern die Entwicklung.

GLP-1-Medikamente: Neue Studiendaten zu Herzrisiken, Gewicht und Sicherheit
Ein gläsernes Laborgefäß mit einer klaren Flüssigkeit auf einem sterilen Labortisch in einem klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Forschung untersucht verstärkt die erweiterten therapeutischen Möglichkeiten von GLP-1-Rezeptoragonisten über die reine Gewichtsreduktion hinaus. Aktuelle Datenanalysen befassen sich mit der Senkung kardiovaskulärer Risiken, der Sicherheit während der Frühschwangerschaft sowie der Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten. Dabei steht auch die Notwendigkeit eines Konsenses zur Vermeidung von Fehlgebrauch im Fokus der Fachdiskussion.

Kardiovaskuläre Auswirkungen und Erweiterung des Patientenkreises

Auf der EASD-Jahrestagung in Mailand präsentierte Novo Nordisk im September 2026 Ergebnisse der retrospektiven COMPETE-SWITCH-Analyse. Die Untersuchung umfasste insgesamt 636.525 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes.

Ein Vergleich zwischen 185.705 Personen, die auf 2 mg Semaglutid eingestellt waren, und 23.104 Patienten unter einer Therapie mit bis zu 15 mg Tirzepatid ergab einen statistisch signifikanten Vorteil für Semaglutid.

Das Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) lag bei Semaglutid um 6 % niedriger (adjustierte HR 1,06; 95-%-KI 1,04–1,08; P=0,005). Fachleute weisen darauf hin, dass diese retrospektiven Abrechnungsdaten zwar Trends aufzeigen, jedoch keine Kausalität belegen können.

Gleichzeitig untersuchten dänische Forscher in einer Langzeitstudie mit Daten von 313.145 Personen aus Großbritannien und Dänemark die Kriterien für eine medikamentöse Behandlung.

Die Analyse ergab, dass etwa die Hälfte der Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 26,9 ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweist, sofern zusätzlich hohes Restcholesterin oder niedriggradige Entzündungen vorliegen.

Laut den Forschern könnte eine Anpassung der Behandlungskriterien etwa 4 Millionen weitere Menschen betreffen, wobei vorab klinische Studien zur Verifizierung notwendig seien.

Neue Wirkstoffe und vergleichende Wirksamkeitsstudien

Im Bereich der Produktentwicklung wurden Ende September 2026 Fortschritte bei oralen und injizierbaren Präparaten gemeldet. Eli Lilly präsentierte Daten zur Phase-3-Studie TRIUMPH-2, in der Retatrutid bei 1.152 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas getestet wurde. Nach 80 Wochen betrug der Gewichtsverlust bei einer Dosierung von 12 mg durchschnittlich 20,8 %.

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Die retrospektive COMPETE-SWITCH-Analyse mit 636.525 Erwachsenen zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil für Semaglutid 2 mg gegenüber einem Wechsel zu Tirzepatid — 6 Prozent niedrigeres MACE-Risiko. Fachleute betonen zugleich, dass Abrechnungsdaten keine Kausalität belegen. Wer die Zahlen für die eigene Therapie einordnen will, findet im kostenlosen Report die wichtigsten Studien, Kosten und Erstattungswege. Kostenlosen GLP-1-Report anfordern

Bei Patienten mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 stieg dieser Wert auf 23,4 %. Neben der Gewichtsabnahme wurden signifikante Senkungen der Triglyzeridwerte um 39,5 % sowie des systolischen Blutdrucks um 10,8 mmHg beobachtet. Eli Lilly plant den Zulassungsantrag bei der FDA für das erste Quartal 2027.

Ein weiterer Vergleich zwischen dem oralen Wirkstoff Orforglipron (17,2 mg) und oralem Semaglutid (25 mg) zeigte nach 52 Wochen Vorteile für Orforglipron. In der ACHIEVE-3-Studie wurde ein um 1,5 Prozentpunkte höherer Gewichtsverlust sowie eine um 0,3 Prozentpunkte stärkere Senkung des HbA1c-Wertes festgestellt.

Auch Zealand Pharma legte Daten vor: In der Phase-II-Studie ZUPREME 1 erreichte der Wirkstoff Petrelintid bei einer Dosierung von 5 mg einen Gewichtsverlust von 10,7 % über 42 Wochen, verglichen mit 1,7 % in der Placebogruppe.

Sicherheitsprofile und Marktentwicklungen

Eine Auswertung von zehn Studien mit über 2 Millionen Schwangerschaften lieferte im September 2026 Erkenntnisse zur Anwendung von GLP-1-Präparaten vor oder kurz nach der Empfängnis. Bei den 8.325 Frauen, die diese Mittel in diesem Zeitraum nutzten, konnte kein signifikant erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Totgeburten oder Fehlbildungen nachgewiesen werden.

Dennoch raten Fachleute weiterhin zum Absetzen der Medikamente vor einer geplanten Schwangerschaft, da Langzeitdaten zur Sicherheit während der gesamten Schwangerschaftsdauer fehlen.

Auf dem deutschen Markt werden die Kosten für diese rezeptpflichtigen Medikamente derzeit meist privat getragen. Die monatlichen Preise variieren je nach Darreichungsform zwischen 170 Euro für niedrig dosierte Tabletten und bis zu 480 Euro für hochdosierte Injektionslösungen.

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Auf dem deutschen Markt werden GLP-1-Medikamente derzeit meist privat bezahlt — zwischen 170 Euro für niedrig dosierte Tabletten und bis zu 480 Euro für hochdosierte Injektionslösungen pro Monat. Dieser kostenlose Report zeigt, welche Wirkstoffe und Darreichungsformen es gibt, was die Kassen erstatten und welche BMI- und Risikogrenzen für eine Behandlung diskutiert werden. Kostenlosen GLP-1-Report anfordern

In der strategischen Entwicklung sicherte sich Novo Nordisk durch eine Lizenzvereinbarung mit Hengrui Pharma die weltweiten Rechte (außerhalb des chinesischen Kernraums) an HRS-1596, einem oralen dualen GLP-1/GIP-Agonisten. Der Deal umfasst eine Vorauszahlung von 300 Millionen US-Dollar und könnte ein Gesamtvolumen von bis zu 2,6 Milliarden US-Dollar erreichen.

Parallel dazu wird an technologischen Alternativen geforscht, wie dem System GIFT, bei dem gentechnisch veränderte Bakterien GLP-1 im Körper freisetzen. Erste Tests an Primaten zeigten hierbei eine Stabilisierung des Blutzuckers über mehrere Tage.

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