Glucosamin-Risiko, Gelenkpräparat

Glucosamin-Risiko: Gelenkpräparat erhöht Alzheimer-Gefahr um 25%

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU kündigt einheitliche Höchstmengen für Vitamine an. TQG verzeichnet Umsatzsprung, während LaVita einen Negativpreis erhält.

Nahrungsergänzungsmittel: EU plant neue Höchstmengen für Vitamine
Verschiedene hochwertige Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminkapseln auf einem Labortisch bei professioneller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Union will noch im Sommer 2026 einheitliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe festlegen. Besonders Vitamin B6 steht im Fokus: Eine Überdosierung kann bei ohnehin gut versorgten Verbrauchern gesundheitliche Risiken bergen.

Verbraucherschützer begrüßen die Pläne. Der Fachhandel zeigt sich dagegen besorgt über mögliche Verkaufsbeschränkungen. Viele Hersteller müssten ihre Rezepturen anpassen, um die neuen Vorgaben zu erfüllen.

Umsatzsprung bei TQG – aber auch juristische Niederlage

Wirtschaftlich läuft es für die Branche prächtig. Die The Quality Group (TQG) mit den Marken ESN und More Nutrition steigerte ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um über 40 Prozent auf mehr als 850 Millionen Euro. Bereits 2025 hatte das Unternehmen aus Elmshorn die Milliarden-Grenze geknackt. Das Management peilt nun die weltweite Marktführerschaft an.

Doch der Erfolg hat Schattenseiten. Die Produktionsfirma der beiden Marken unterlag in einem jahrelangen Rechtsstreit. Details zum Urteil blieben offen – der Ausgang markiert aber einen Erfolg für die klagenden Beschäftigten.

Auch der Online-Marktplatz AliExpress bekam die regulatorische Keule zu spüren. Wegen gefälschter Produkte – darunter Kosmetika und verbrauchernahe Güter – verhängten die Behörden eine Strafe von 550 Millionen Euro. Bis zum 20. Oktober 2026 muss AliExpress einen Aktionsplan vorlegen, um die Anforderungen des Digital Services Act (DSA) zu erfüllen.

LaVita erhält Negativpreis für Werbelügen

Die Werbepraxis mancher Hersteller sorgt weiter für Ärger. Das Mikronährstoffkonzentrat von LaVita wurde 2026 mit dem Negativpreis für irreführende Werbung ausgezeichnet. Kritiker bemängeln den hohen Preis von rund 100 Euro pro Liter im Verhältnis zum tatsächlichen Gehalt an Fruchtsaftkonzentrat und Vitaminen. Ernährungswissenschaftler betonen: Solche Konzentrate ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Der Hersteller wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer plakativen Reduzierung seines Produktkonzepts.

Was Supplemente wirklich bringen – die Studienlage

Die Wissenschaft liefert ein differenziertes Bild:

Multivitaminpräparate können bei Menschen ab 65 Jahren den kognitiven Abbau verlangsamen. Eine Langzeitstudie mit männlichen Teilnehmern zeigte zudem eine Reduktion des Gesamtkrebsrisikos um 8 Prozent. Einen Einfluss auf die allgemeine Sterblichkeit oder kardiovaskuläre Risiken konnten die Forscher nicht nachweisen.

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Vitamin D könnte in hochdosierter Form bei Hautschäden durch Krebstherapien helfen. Für die breite Bevölkerung raten Verbraucherschützer jedoch, den Spiegel vor der Einnahme ärztlich bestimmen zu lassen.

Glucosamin – bekannt als Gelenkmittel – überraschte mit einem negativen Befund. Eine US-Studie mit Daten von 2012 bis 2024 fand einen Zusammenhang zwischen der Einnahme und einem um 25 Prozent erhöhten Risiko für den Übergang von leichten kognitiven Einschränkungen zu Alzheimer.

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Neue Vertriebswege und Expansionen

Im Handel zeichnen sich unterschiedliche Strategien ab. Die Drogeriekette dm hat keine Pläne für den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente. Konkurrent Rossmann zieht dagegen nach: Zum Jahresende 2026 soll der Rx-Versand von den Niederlanden aus starten.

Pharmaunternehmen wie Zentiva erweitern ihr Angebot. Ab Juli 2026 bringt das Unternehmen eine Serie auf Basis von Austernpilz-Extrakten (Beta-Glucan) auf den Markt – exklusiv über Apotheken. Kautabletten sollen das Sortiment ab Oktober 2026 ergänzen.

Die Nachfrage bleibt ungebrochen: 2025 kauften Verbraucher in Deutschland rund 415 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel – doppelt so viele wie 2022. Die Branche bewegt sich damit weiter im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem Ruf nach strengerer Kontrolle.

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