Glucosamin: Studie zeigt 25-Prozent-Risiko für Alzheimer bei MCI
22.06.2026 - 01:55:20 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt nun: Bei bestimmten Patienten könnte das Mittel das Alzheimer-Risiko steigern.
Forscher der University of Florida haben Daten von über 50.000 Personen aus den Jahren 2012 bis 2024 analysiert. Das Ergebnis, veröffentlicht in Nature Metabolism: Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) steigt das Alzheimer-Risiko unter Glucosamin um 25 Prozent. Auch das Sterberisiko bei bereits an Demenz Erkrankten erhöht sich demnach um den gleichen Wert.
Etwa acht Prozent der Studienteilnehmer gaben an, das Mittel regelmäßig zu nehmen. Die Autoren betonen: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die einen statistischen Zusammenhang zeigt – keinen endgültigen Kausalnachweis. Zudem seien die Effekte nicht auf Menschen mit gesundem Gehirn übertragbar.
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Wie Glucosamin im Gehirn wirkt
Das Team untersuchte den Prozess der Glykosylierung – dabei binden Zuckermoleküle an Proteine. Bei Alzheimer-Patienten fanden die Forscher erhöhte Werte in Gedächtnisregionen. Glucosamin überwindet die Blut-Hirn-Schranke und scheint diese Hyperglykosylierung zu verstärken.
Im Mausmodell bestätigte sich der Effekt: Eine tägliche Dosis – umgerechnet 2.500 Milligramm beim Menschen – verschlechterte die kognitiven Leistungen und das soziale Gedächtnis der Tiere. Die Hemmung eines bestimmten Enzyms verbesserte dagegen die Kognition bei Alzheimer-Mäusen.
„Millionen Alzheimer-Patienten nehmen rezeptfreie Supplemente“, warnt Studienautor Dr. Ramon Sun.
Andere Mittel zeigen gegenteilige Effekte
Die Glucosamin-Erkenntnisse stehen im Kontrast zu anderen Forschungsfeldern. Eine NIH-Studie im JAMA zeigt: Bestimmte Diabetes-Medikamente senken das Alzheimer-Risiko deutlich – SGLT2-Hemmer um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Auch eine Gürtelrose-Impfung reduziert das Demenzrisiko um 24 Prozent.
Fischöl hingegen bringt nichts: Eine Studie in eBioMedicine belegt, dass 2.000 Milligramm DHA täglich über sechs Monate keinen messbaren Nutzen für die Gehirnleistung haben.
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Fortschritte in der Diagnostik
Im Frühjahr 2026 erhielt ein Bluttest auf den Biomarker p-Tau217 die CE-Kennzeichnung. Plattformen wie Sysmex analysieren den Wert innerhalb von 17 Minuten mit über 90 Prozent Genauigkeit. Ab dem 1. Juli 2026 soll das Verfahren in Deutschland abrechenbar sein.
Die Zahlen machen den Forschungsbedarf deutlich: Die AOK prognostiziert für Deutschland bis 2060 rund 2,1 Millionen Demenzkranke. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen schätzt, dass sich etwa 36 Prozent der Fälle durch Lebensstiländerungen vermeiden ließen.
