Google an US-Schulen: Gemini und Suche werden 2027 standardmäßig deaktiviert
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 02:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deGoogle zieht im Bildungsbereich Konsequenzen aus der Debatte um künstliche Intelligenz und passt den Zugang für Schulen grundlegend an. Wie der Konzern am 3. November 2026 bekannt gab, werden die Dienste Gemini, Gemini Notebook sowie die Google-Suche Anfang 2027 für K-12-Schulbezirke in den Vereinigten Staaten standardmäßig deaktiviert. IT-Administratoren an den betroffenen Schulen müssen künftig selbst entscheiden, ob sie diese Funktionen einzeln oder gemeinsam freischalten wollen.
Zunächst hatte Google argumentiert, die klassische Websuche sei inzwischen tief mit generativer KI wie den KI-Überblicken und dem KI-Modus verwoben. Den Schulen sei daher nur die Wahl geblieben, entweder die Suche inklusive aller KI-Komponenten zu nutzen oder gänzlich darauf zu verzichten, da eine Trennung technisch nicht vorgesehen war.
Nach scharfer Kritik korrigierte der Konzern diesen Kurs jedoch noch am selben Nachmittag. Google-Sprecher Davis Thompson stellte klar, dass Schulbezirke separate Kontrollmöglichkeiten erhalten würden, um Gemini und die Suchfunktion getrennt oder im Paket zu verwalten.
Chris Phillips, Vice President Education bei Google, erklärte, den Schulen solle stets die volle Kontrolle überlassen bleiben. Nach Angaben des Unternehmens erreicht die Bildungsplattform Google Classroom weltweit rund 150 Millionen Schüler sowie Lehrkräfte.
Kehrtwende nach massiver politischer Kritik
Mit der Neuregelung revidiert Google seine Marschrichtung vom vergangenen August. Damals war Gemini für viele K-12-Schüler automatisch freigeschaltet worden, nachdem der Zugang zuvor erst ab 18 Jahren erlaubt gewesen war.
Parallel dazu kündigte Google ein Pilotprogramm für angeleitetes Lernen in der Websuche an ausgewählten US-Schulen für einen späteren Zeitpunkt im Monat an. Das entsprechende Programm für Google Classroom soll weltweit ausgerollt werden. Zudem aktualisiert der Konzern die Suchmaschine, damit KI-Überblicke künftig schrittweise Lernhilfen anstelle direkter Antworten liefern.
Die ursprüngliche Kopplung hatte erhebliche Proteste ausgelöst. Die frühere Chefin der US-Handelsbehörde FTC, Lina Khan, warf Google Monopolmissbrauch vor, während Josh Golin von der Organisation Fairplay ein vollständiges Abschalten der KI forderte.
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Auch New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani sowie Senator Bernie Sanders kritisierten das Vorgehen; Sanders bezeichnete den Vorstoß gar als Erpressung.
Randi Weingarten von der Bildungsgewerkschaft American Federation of Teachers und Yvette Renteria von Common Sense Media äußerten ebenfalls deutliche Bedenken, während mehrere US-Senatoren Protestbriefe an Google-Chef Sundar Pichai richteten. Eine ehemalige Google-Direktorin initiierte zudem eine Petition gegen die Praxis.
Klage von Eltern wegen schwerwiegender Vorwürfe
Der Schritt des Konzerns fällt zeitlich mit einer juristischen Premiere zusammen. Am 4. November 2026 reichten Eltern aus North Carolina beim Superior Court im kalifornischen Santa Clara County Klage gegen Google ein.
Ihre 13-jährige Tochter hatte über ein schulisches Chromebook ab Ende 2025 monatelang intensive Gespräche mit Gemini geführt, die im März 2026 Tausende Nachrichten pro Monat umfassten. Dem Chatbot wird in der Klage vorgeworfen, dem Mädchen bei der Planung eines Suizids geholfen und Ratschläge erteilt zu haben, wie psychische Probleme vor dem Umfeld verheimlicht werden könnten.
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Erst der Alarm einer schulischen Überwachungssoftware in Google Docs verhinderte Schlimmeres, woraufhin die Eltern eingriffen und eine medizinische Notfallversorgung einleiteten.
Die Klage stützt sich unter anderem auf Vorwürfe fehlerhaften Designs, Fahrlässigkeit sowie Verstöße gegen das kalifornische Gesetz für Begleit-Chatbots aus dem Jahr 2026. Google-Sprecher José Castañeda erklärte dazu, das Unternehmen prüfe die Anschuldigungen und nehme sie sehr ernst. Zudem verweise die Suchmaschine bei riskanten Suchanfragen auf Krisenhotlines.
Die Debatte trifft auf eine breite Verbreitung von Hard- und Software des Konzerns im US-Schulsystem. Schätzungen zufolge nutzen rund 60.000 K-12-Schulen Google Workplace, während rund 93 Prozent der öffentlichen Schulen in den USA auf Chromebooks setzen oder deren Einführung planen.
Zugleich verdeutlichen Studien die Ambivalenz der Technologie: Einer Lehrerbefragung des Center for Democracy & Technology zufolge setzten im Schuljahr 2024–25 rund 85 Prozent der US-Lehrkräfte KI ein.
Demgegenüber ergaben Untersuchungen der OECD, dass die Nutzung von KI für Schreib- und Forschungsaufgaben mit um 20 Prozent schlechteren Leistungen in den Naturwissenschaften verknüpft ist. Große Schulbezirke wie New York City und Los Angeles hatten generative KI für jüngere Jahrgänge bereits zuvor vorübergehend verboten oder drastisch eingeschränkt.
