Google, Gemini

Google Gemini: IP-Fingerprinting für Werbung ab August in der EU

20.06.2026 - 09:15:48 | boerse-global.de

Google erweitert seine KI-Plattform Gemini um eine Erinnerungsfunktion und eine automatische Datenspeicherung, was Datenschutzbedenken aufwirft.

Google stattet Gemini mit Gedächtnis und neuen Datenfunktionen aus
Google - A glowing, futuristic AI brain made of interconnected data points, with a subtle Google 'G' logo, encased in a transparent sphere. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Google rüstet seine KI-Plattform Gemini mit einer Reihe von Neuerungen auf – darunter eine dauerhafte Erinnerungsfunktion und erweiterte Datensammlung. Die Updates zielen auf eine neue Generation von KI-Assistenten ab, die Nutzerdaten zunehmend in den Mittelpunkt stellen.

Gemini Live merkt sich jetzt alles

Der Sprachassistent Gemini Live erhält eine Gedächtnisfunktion, die frühere Unterhaltungen speichert und abrufbar macht. Die KI kann sich künftig etwa Ernährungsvorlieben oder wichtige Termine merken – ohne dass der Nutzer diese Informationen jedes Mal neu eingeben muss.

Die Technologie basiert auf dem Personal Intelligence Framework, das Google bereits im Januar 2026 vorgestellt hatte. Gemini Live greift dabei auf Daten aus Google Workspace zurück – darunter Gmail, Kalender und Google Docs. Bislang steht die Funktion nur auf Englisch für Nutzer in den USA zur Verfügung.

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Neue Datenspeicherung sorgt für Kritik

Parallel zur Gedächtnisfunktion hat Google eine neue Einstellung namens Search Services History eingeführt. Diese speichert automatisch hochgeladene Bilder, Audio- und Videodateien, um die KI-Modelle des Konzerns zu trainieren und zu verbessern. Die Funktion ist standardmäßig aktiviert – vorausgesetzt, der Nutzer hat die Web- und App-Aktivitäten eingeschaltet.

Google betont, dass die Daten weder für biometrische Identifikation noch für Preisalgorithmen genutzt werden. Datenschützer sehen das kritisch. Calli Schroeder vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) rät Nutzern, die Funktion manuell zu deaktivieren, um die Kontrolle über persönliche Medien zu behalten.

Zusätzlich plant Google ab dem 3. August 2026 in der EU, Großbritannien und der Schweiz IP-Fingerprinting für Werbezwecke einzusetzen. Dabei werden IP-Adressen zur Geräteidentifikation und personalisierten Werbung genutzt. Das britische Information Commissioner's Office (ICO) hat bereits vor den Datenschutzrisiken dieser Methode gewarnt.

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Der Weg zum ständig aktiven KI-Agenten

Die aktuellen Neuerungen sind Teil einer größeren Strategie. Google-CEO Sundar Pichai hatte Ende Mai 2026 einen grundlegenden Umbau der Kernprodukte des Konzerns angekündigt – hin zu einer einheitlichen KI-Infrastruktur.

Herzstück dieser Vision ist Gemini Spark, ein „immer aktiver" KI-Agent, der auf der Google I/O im Mai vorgestellt wurde. Angetrieben vom Gemini 3.5 Flash-Modell läuft Spark rund um die Uhr in der Google Cloud. Der Agent kann eigenständig E-Mails entwerfen, Kreditkartenabrechnungen prüfen oder Lernmaterialien erstellen.

Die Integration reicht tief: Neben Google Workspace arbeitet Spark auch mit Drittanbietern wie Canva, OpenTable und Instacart zusammen. Eine Beta-Version von Gemini Spark soll in den kommenden Tagen für Google-AI-Ultra-Abonnenten in den USA verfügbar werden.

Milliarden-Investitionen für die KI-Zukunft

Auch für Unternehmen wird die KI-Offensive ausgebaut. Auf dem Google Cloud London Summit am 19. Juni 2026 stellte der Konzern die Gemini Enterprise Agent Platform und Agent Designer v2 vor. Diese Tools sollen Firmen wie dem Konsumgüterriesen Unilever helfen, komplexe Arbeitsabläufe zu automatisieren.

Um die rechenintensiven KI-Operationen zu stemmen, investiert Google umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro in die britische Infrastruktur – unter anderem in das Rechenzentrum Waltham Cross. Das Gemini-3.5-Flash-Modell, das deutlich schneller arbeiten soll als frühere Versionen, wird britischen Unternehmenskunden bis Ende Juni 2026 zur Verfügung stehen.

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