Google Gemma 4 im Orbit: KI-Antwort erstmals von Satelliten-TPU empfangen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 13:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deGoogle hat erstmals eine durch Künstliche Intelligenz generierte Antwort von einem Prozessor der Rechenzentrumsklasse aus dem Erdorbit empfangen. Wie am 31. Oktober 2026 berichtet wurde, spielte sich das Ereignis am Vortag während des Überflugs eines Forschungssatelliten über eine Bodenstation im norwegischen Svalbard ab. Das an Bord installierte Google-DeepMind-Modell Gemma 4 verarbeitete dabei den Auftrag, ein kurzes Gedicht über den Weltraum zu verfassen, und übertrug das Ergebnis zur Erde.
Google-Chef Sundar Pichai bezeichnete diesen Empfang auf der Plattform X als grundlegenden Meilenstein für die Technologie. Das Verfahren umfasste das Senden des Kommandos an den Satelliten, das Hochfahren des Tensor Processing Unit (TPU), die Ausführung des Prompts sowie den erfolgreichen Empfang der Rückmeldung.
Laut Google handele es sich um die erste KI-Antwort, die jemals von einem TPU-Chip dieser Leistungsklasse auf einem Satelliten im Erdorbit erzeugt wurde. Das Unternehmen erklärte, die Hardware habe sich damit offiziell für den Einsatz im All qualifiziert. Im Anschluss folgten weitere Tests mit humorvollen Gedichten und Telemetrie-Abfragen zum Status der Bordsysteme.
Der Prototyp Suncatcher im Testbetrieb
Die Hardware befindet sich an Bord des Prototyp-Satelliten Suncatcher, der am 1. Oktober 2026 mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX gemeinsam mit über 100 weiteren Raumfahrzeugen gestartet worden war.
Die anschließende Inbetriebnahme der Host- und TPU-Systeme sowie erste Tests für maschinelles Lernen nahmen rund drei Wochen in Anspruch. Ein Google-Sprecher teilte mit, dass der Satellit nominal arbeite, und berichtete über die herrschenden Bedingungen im Orbit.
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Der Satellit verfügt über vier Google-TPUs und erzeugt bis zu 1 kW Strom. Aufgrund dieses Energiebedarfs kann gegenwärtig jeweils nur ein einziger chip für etwa 20 Minuten pro Intervall betrieben werden.
In der nächsten Phase soll das Verhalten der TPUs unter Strahlung und thermischer Belastung untersucht werden, da Strahlung sogenannte Bit-Flips auslösen kann, die Daten ohne herkömmliche Überwachungswerkzeuge verfälschen.
Vorangegangene Partikelbeschleuniger-Tests an Trillium-Chips (v6e Cloud TPU) deuteten auf minimale Auswirkungen bei der Inferenz, jedoch auf größere Hürden beim Modelltraining hin.
Auffälligkeiten beim Arbeitsspeicher zeigten sich erst ab einer Belastung von 2 Kilorad – fast dem Dreifachen der erwarteten geschirmten Fünf-Jahres-Dosis von 750 rad. Harte Systemausfälle traten bis 15 Kilorad nicht auf.
Ausblick auf orbitale Datenverarbeitung
Mit dem Suncatcher-Projekt prüft der Technologiekonzern, ob Satellitenkonstellationen künftig umfangreichere KI-Rechenlasten übernehmen können. Im erdnahen Orbit könnten Systeme das Sonnenlicht nahezu ununterbrochen nutzen und bis zu achtmal mehr Solarstrom als auf der Erdoberfläche erzeugen.
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Für das Jahr 2027 plant Google den Einsatz von zwei verbundenen Zwillingssatelliten mit Hochleistungs-TPUs, höherer Stromkapazität und optischen Verbindungen. Zudem sind bis Anfang 2027 zwei weitere Satelliten gemeinsam mit dem Partner Planet vorgesehen.
Das Konzept sieht vor, dass die Konstellationen mit optischen Transceivern mit Übertragungsraten von mehreren Dutzend Terabit pro Sekunde arbeiten; ein Demonstrator mit 800 Gbit/s wurde bereits validiert.
Gleichzeitig verweisen Forschende des Projekts auf wirtschaftliche Herausforderungen: Um die Transportkosten auf unter 200 US-dollar pro Kilogramm zu senken, müsste das Starship von SpaceX schätzungsweise rund 1.800-mal starten.
Ein orbitales Rechenzentrum dürfte daher erst Mitte der 2030er Jahre bei den Energiekosten mit terrestrischen Anlagen konkurrieren können. Neben Google untersuchen auch Wettbewerber wie SpaceX sowie Starcloud mit Unterstützung von Nvidia ähnliche Konzepte, während Fachleute auf Risiken durch Weltraumschrott, Kühlung und Wartung hinweisen.
Alphabet hält eine bedeutende Beteiligung an SpaceX. An den Finanzmärkten stand die Alphabet-Aktie zuletzt unter Druck, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, dass die Integration von KI in die Suchfunktionen das Wachstum des Werbegeschäfts dämpfe.
